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Maybrit Illner

Ackeret geht beim innerdeutschen Steuerstreit in Deckung

13.02.2014, 23:4817.02.2014, 21:17
Maurice Thiriet
Maurice Thiriet
Chefredaktor
Maurice Thiriet
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Der Chefredaktor des Medienmagazins «Persönlich» und Macher von «Tele Blocher», Matthias Ackeret, war am Donnerstagabend zu Gast im ZDF-Talk von Maybrit Illner zum Thema «Steuerflucht». Nach seinem Auftritt ist klar: Eine ähnlich erfolgreiche Karriere als Talk-Berufsschweizer wie Roger Köppel ist Ackeret nicht beschieden. 

FDP-Politiker Rainer Brüderle, Linke-Abgeordnete Sahra Wagenknecht und weitere Teilnehmer debattierten in sachlichster Weise über die zwei Kernfragen, wie die Steuerflucht deutscher Millionäre am besten zu unterbinden sei (jährlich entgehen dem deutschen Fiskus Schätzungen zu Folge rund 30 Milliarden Euro) und ob die sogenannte strafbefreite Selbstanzeige ein geeignetes Mittel sei, um Gerechtigkeit herzustellen. 

Ackerets Beiträge knallhart ignoriert

Zwar durfte Ackeret die Runde mit dem Statement «Die ganz grosse deutsche Koalition findet sich in der Schweizer Bank zusammen» und der obligaten Frage eröffnen, ob denn nicht in Deutschland etwas schieflaufe, wenn eine so und so grosse Anzahl deutscher Millionäre, Milliardäre und Celebrities das Land aus Steuergründen verliessen. Bloss: Keiner der Gesprächsteilnehmer ging auf Ackerets Frage ein. Thomas Fischer, Vorsitzender Richter am Bundesgerichtshof, wies Ackeret bei seinem zweiten Versuch, eine Antwort auf ebendiese Frage zu erhalten, freundlich, aber bestimmt, darauf hin, dass ein Vergleich der Schweiz mit EU-Steueroasen oder die Attraktivität der Schweiz für deutsche Promis nicht Gegenstand der Diskussion seien. In der Folge hielt sich Ackeret zurück und meldete sich nur selten zu Wort. 

Ankauf von Steuer-CDs als «informeller Informationsaustausch»

Derweil gaben SPD-Generalskretärin Yasmin Fahimi und Wagenknecht Brüderle (sass neben Ackeret) Contra, der noch immer dem versenkten Steuerabkommen mit der Schweiz nachtrauert, das die Rückführung des Schwarzgeldes aus der Schweiz unter Anonymität und Amnestie für die Steuerhinterzieher ermöglicht hätte. Einzig zur Frage, ob die Ankäufe der Steuer-CDs zu goutieren oder zu verurteilen seien, liess sich Ackeret noch einmal verlauten. «Ich finde es komisch, wenn ein Richter in einem Rechtsstaat entscheidet, dass es legal sei, gestohlene Ware zu kaufen. Das ist Hehlerei und der Rechtsstaat sollte sich auch in Deutschland an seine Grundlagen halten», sagte Ackeret.

Diese rhetorisch eher vorhersehbaren und unbedarften Ausführungen wogen Moderatorin Illner und Linke-Politikerin Wagenknecht wieder auf. Wagenknecht hält die Ankäufe der Steuer-CDs für «Notwehr der unterdotierten Steuerbehörden» gegenüber den mit allen Wassern gewaschenen Steuerhinterziehern und ihren Bankern. Und Illner bezeichnete den Ankauf der Steuer-CDs keck als «eine Art informeller Informationsaustausch in Sachen Kapitalerträge».  

Ackeret gänzlich verstummt

Dann bezichtigte Brüderle das Linke-Grüne-SPD-Bündnis, an den Steuerausfällen wegen des Abschusses des Steuerabkommens Schuld zu sein. Wagenknecht antwortete dem Liberalen, der Deutsche Staat müsse auftreten wie der amerikanische. Und man müsse Schweizer Banken, die Deutschen in Deutschland bei der Steuerflucht helfen, schliessen und die verantwortlichen Manager persönlich zur Rechenschaft zu ziehen. 

Während Brüderle ob der forschen Gangart Wagenknechts ein wenig überfordert wirkte, verstummte Ackeret gänzlich. 

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