Kanada hat ein Problem mit Autodieben
Die Autodiebstähle in Kanada haben offenbar wegen der Sanktionen gegen Russland rapide zugenommen. Wie die «New York Times» berichtete, werden jedes Jahr Tausende Autos gestohlen. Trotz gestiegener polizeilicher Massnahmen komme es demnach auch verstärkt zu Einbrüchen in Häuser, nur um die Schlüssel der Fahrzeuge zu bekommen. Ein Grund für den Anstieg in diesem Bereich ist demnach ein florierender Schwarzmarkt für westliche Fahrzeuge in Russland.
Exportverbote der EU und anderer ehemaliger Handelspartner haben Russland von einem Grossteil des ausländischen Automobilmarktes abgeschnitten. Diese Lücke füllt nun ein kriminelles Netzwerk, das Autos stiehlt, sie in Schiffscontainern versteckt und nach Russland schmuggelt.
«Sie werden auf Bestellung gestohlen»
Interpol erhielt laut der «NYT» zwischen Februar 2024 und Juli 2026 insgesamt 4'798 Meldungen über in Russland aufgefundene Fahrzeuge, die in Kanada gestohlen wurden. Besonders gefährdet sind dabei offenbar Pick-up-Trucks wie Dodge Rams, Toyota Tundras und Ford F-150s. Renato Schipani, der bei Interpol für die Datenbank der gestohlenen Fahrzeuge zuständig ist, erklärte der «New York Times», die Autos würden «auf Bestellung gestohlen».
Interpol untersucht offenbar derzeit gemeinsam mit anderen Strafverfolgungsbehörden, ob die aus Kanada entwendeten Fahrzeuge im Krieg gegen die Ukraine zum Einsatz kommen. Ein im vergangenen Jahr vom Kreml in Umlauf gebrachtes Propagandavideo zeigte eine Reihe von Dodge-Ram-Trucks vor einem riesigen russischen Drohnenwerk. Bislang konnten die Behörden diese Fahrzeuge nicht orten.
Seitdem in Kanada 2021 eine Welle von Autodiebstählen ausbrach, haben die Behörden umfassende Polizeireformen eingeführt und Millionenbeträge in die Bekämpfung dieser Kriminalität investiert. Die Diebstahlraten sind danach zwar gesunken, doch es gelangen weiterhin gestohlene Fahrzeuge durch kanadische Häfen.
Im August 2023 stellten die Behörden in Toronto mehrere gestohlene Autos sicher. Ihre Ermittlungen führten sie zu einem transnationalen Verbrechernetzwerk, das gestohlene Fahrzeuge mit gefälschten Papieren exportierte. Deshalb begannen die Ermittelnden, Schiffscontainer zu durchsuchen. Dabei erkannten sie, wie lukrativ der Handel mit gestohlenen Autos geworden war.
Frédéric Bonsaint, ein Beamter der Grenzschutzbehörde, erklärte der «New York Times», sein Team durchsuche wöchentlich rund ein Dutzend Container im Hafen von Montreal und entdecke dabei 20 bis 30 gestohlene Fahrzeuge im Gesamtwert von bis zu zwei Millionen Dollar. Ähnliche Kontrollen würden auch in anderen Häfen durchgeführt.
Verwendete Quellen:
- The New York Times. Russian Sanctions Are Fueling a Canadian Car Theft Epidemic
- Royal Canadian Mounted Police: 392 stolen vehicles recovered in Project NoCargo pilot, valued at $28 million
- Public Safety Canada: National Action Plan on Combatting Auto Theft
- Europäisches Parlament: EU-Sanktionen gegen Russland: Fragen und Antworten

