Wie der US-Präsident seine Fans mit dem Trump-Coin ausnahm
Die Katze ist aus dem Sack. Donald Trump verdiente mit seinem Trump-Coin im letzten Jahr 635 Millionen Dollar. Das deklarierte er selbst in seinem Finanzreport. Der US-Präsident ist verpflichtet, einen solchen jährlich herauszugeben.
Im 927 Seiten umfassenden Werk (bei Obama waren es acht) steht ausserdem, dass er mit seiner Kryptoplattform Liberty Financial weitere 500 Millionen einnahm. Das Krypto-Business lohnt sich also für den Mann, der 2021 Bitcoin einen Scam nannte. Aber Bitcoin ist ja bekanntlich nicht gleich Krypto.
Die 625 Millionen Dollar sind deshalb erstaunlich, weil der Trump-Coin seit seiner Einführung den Weg aller Shit-Coins ging. Shit-Coin – «Scheiss-Münze» – ist die ehrliche Bezeichnung für sämtliche Krypto-Coins ohne erkennenswerten Nutzen. Und um einen solchen handelt es sich bei $Trump. Trotzdem bezahlten Fans in der Hochblüte über 70 Dollar für einen einzigen Coin. Das war im Januar 2025 kurz nach Trumps Inauguration. $Trump gehörte in der Zeit zu den 25 wertvollsten der Welt in Sachen Marktkapitalisierung.
Heute hat ein $Trump-Coin noch 1.68 Dollar Wert. Reuters berechnete, dass Trump-Fans Abschreibungen in der Höhe von rund 700 Millionen Dollar hinnehmen mussten. Dies alles, während der Präsident 625 Millionen an Lizenzgebühren einstrich. Klassisches Trump-Business also – ein invertierter Robin Hood. Man nehme von den Kleinen und gebe es dem Grossen. In Finanzkreisen gibt es dafür einen Fachbegriff: den «rugpull» – wenn man den Käufern den Teppich unter den Füssen wegzieht (und sie auf die Nase fallen). 80 Prozent der Käufer von $Trump besitzen weniger als 1000 Dollar in Kryptowährungen.
Trump monetarisierte mit dem $Trump eine Strategie, die ihm bereits in der Politik Erfolg brachte: das Blaue vom Himmel versprechen, an die niedersten Triebe appellieren – und die erhaltenen Ressourcen in die eigenen Taschen lenken. Das Schicksal seiner Anhänger kümmert ihn dabei nicht. Paradoxerweise feiert ihn die über den Tisch gezogene Basis ja immer wieder auch für seine Ruchlosigkeit.
Nachdem der Shitcoin öffentlich handelbar wurde, kontrollierten zwei Firmen mit Verbindungen zur Trump-Organisation rund 80 Prozent aller Coins. Ob Donald Trump selbst noch über sieben Ecken auf einem Haufen $Trump sitzt, ist nicht bekannt. Die Einnahmen von 625 Millionen Dollar werden explizit als Lizenzgebühren ausgewiesen – und nicht als Einnahmen aus dem Verkauf.
An welche Bedingungen diese Lizenzzahlungen gebunden sind, ist unbekannt. Dass Trump in irgendeiner Form an Verkäufen beteiligt ist, erscheint indes wahrscheinlich. 2024 verdiente der US-Präsident laut Reuters mit Krypto-Lizenzen 57 Millionen. Offenbar versiegte dieser Strom nicht. Deshalb liegt die Schlussfolgerung auf der Hand, dass es sich bei den Lizenzzahlungen wenigstens in Teilen um eine Gewinnbeteiligung handelt.
Kurz nach Beginn von Donald Trumps zweiter Amtszeit organisierte er eine Kryptokonferenz. Die Szene rieb sich frohlockend die Hände – und liess sich wie Tanzbären vorführen. Die grosse Mehrheit der Coins verlor nach einem kurzen Anstieg stark an Wert – und auch an Bedeutung. Wie in vielen anderen Trump-Support-Lagern ist auch in der Krypto-Szene die Stimmung gekippt. Statt eines erhofften klaren regulativen Rahmens liefert der Präsident sogar ausgebufften Krypto-Gangstern noch Anschauungsunterricht. Das sowieso schon ramponierte Image der Szene erreicht damit einen neuen Tiefpunkt, in dessen Strudel Tausende Krypto-Projekte verenden werden. Während viele Kleinanleger leiden, sprechen Optimisten von einer längst überfälligen Bereinigung einer Szene, die zuletzt nur noch auf Gier und Hoffnung setzte – und nicht mehr auf Innovation. Mit Donald Trump wurde der passende Sensenmann dafür gefunden.
Trumps Bereicherung steht in extremem Gegensatz zum Usus von US-Präsidenten. Jimmy Carter übergab seine Erdnussfarm einem Treuhänder – der den Betrieb beinahe ruinierte. Und George W. Bush verkaufte seine Anteile den Dallas Cowboys, bevor er Präsident wurde. Der Wind hat gedreht. Vermutlich nicht zum letzten Mal.
- Chancengleichheit für Sportlerinnen: Melania Trump äussert sich zu Gerichtsurteil
- Neues Dokument zeigt: Krypto-Geschäfte brachten Trump 2025 über 1 Milliarde ein
- Industriegüter und Hummer sind jetzt zollfrei: EU setzt Versprechen an Trump um
- Trump wollte den «Geburtentourismus» stoppen – jetzt bremst ihn das Gericht aus
- Niemand will für Trump singen – jetzt muss die Freundin des FBI-Chefs ran
