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Weisse US-Arbeiter verlieren den Glauben an Trumps Wirtschafts-Skills

An electronic billboard with an image of President Donald Trump reads "I love the inflation." - Donald J. Trump June 10, 2026," is seen near I-74 in Cincinnati, Tuesday, June 16, 2026.  ...
Ein Schild in Cincinnati, das an Trumps denkwürdiges Zitat bezüglich der Inflation erinnert.Bild: keystone
Analyse

«Ich liebe die Inflation» – weshalb die weissen Arbeiter Trump nicht mehr trauen

Weisse US-Amerikaner ohne Hochschulabschluss sind eine von Donald Trumps treuesten Wählergruppen. Besonders in Wirtschaftsfragen vertraute die Bevölkerungsgruppe dem US-Präsidenten lange praktisch blind – doch laut jüngsten Umfragen bröckelt dieses Vertrauen gewaltig.
17.06.2026, 04:5717.06.2026, 06:41

Mit 49,8 Prozent gegenüber 48,3 Prozent der gesamthaft abgegebenen Stimmen gewann Donald Trump 2024 die Wahl um die US-Präsidentschaft gegen Kamala Harris. In der Gruppe der weissen Arbeiterklasse (Menschen ohne Hochschulabschluss) betrug Trumps Stimmenanteil hingegen überdeutliche 66 Prozent. Die umfassende Unterstützung der weissen Arbeiterschicht war einer der wichtigen Faktoren, weshalb Trump erneut ins Weisse Haus einziehen konnte.

Bekanntlich sind für diese Gruppe, die finanziell nicht auf Rosen gebettet ist, wirtschaftliche Fragen überdurchschnittlich wichtig. Sie reagiert sehr sensibel auf steigende Preise bei Benzin oder Lebensmitteln und allgemein die Lebenshaltungskosten. Trump adressierte entsprechende Sorgen und Ängste im Wahlkampf bewusst mit Versprechungen wie Steuerfreiheit auf Trinkgelder und Überstunden oder Schutzzölle für klassische US-Industrien. Er vermittelte den Menschen Kompetenz in Wirtschaftsfragen – und die Strategie verfing.

Doch nun zeigen neue Umfragen, dass der Glaube an Trumps Wirtschaftskompetenz in genau dieser Gruppe mittlerweile ebenfalls massiv gesunken ist. Die Zustimmungswerte sind bei sämtlichen Medien und Instituten seit dem Amtsantritt deutlich tiefer, wie die New York Times ausgewertet hat. Weder bei CBS (39 Prozent), CNN (43 Prozent), Fox (33 Prozent) noch bei NPR/PBS/Marist (40 Prozent) signalisiert die besagte Bevölkerungsschicht noch mehrheitlich Vertrauen in den US-Präsidenten.

Bemerkenswert ist besonders eine Auswertung der Zeitung mit Fokus auf den Zeitpunkt des Vertrauensverlusts. Im November stehen die Midterms, die Zwischenwahlen in den USA, an. Zum selben Zeitpunkt im Jahr 2018, während Trumps erster Amtszeit, betrug die Zustimmung zur Wirtschaftspolitik des US-Präsidenten in der weissen Arbeiterschicht deutlich über 65 Prozent – klar mehr, als mit seiner Gesamtpolitik übereinstimmten.

FILE - President Donald Trump speaks at the Memorial Amphitheater in Arlington National Cemetery on Memorial Day, May 28, 2018 in Arlington, Va. (AP Photo/Alex Brandon, File)
Donald Trump
Trump im Mai 2018: Die US-Wirtschaft lief solide – und die Verluste der Republikaner bei den Midterms hielten sich in Grenzen.Bild: keystone

Ganz anders sieht es 2026 aus: Während insgesamt noch knapp 50 Prozent Trumps Politik befürworteten, ist die Zustimmung in Wirtschaftsfragen auf ca. 43 Prozent abgesackt. Eine bemerkenswerte Differenz. Für die Republikaner steht bei den Zwischenwahlen viel auf dem Spiel. Das Worst-Case-Szenario wäre der Verlust der Mehrheit in Senat und Repräsentantenhaus – Trump dürfte dann aufgrund seiner ohnehin wenig kooperativen Art frühzeitig zu einer Lame Duck verkommen.

Bei Trumps Beratern sorgt der aktuelle Stimmungsspiegel für Panik. Sie setzen alles daran, die Wirtschaftspolitik des US-Präsidenten bei der weissen Arbeiterschicht in einem positiven Licht darzustellen. So veröffentlichte das Finanzministerium kürzlich einen Bericht, der darlegen soll, wie Arbeitnehmende konkret von Trumps vor einem knappen Jahr verabschiedeter Steuerreform (BBB, Big Beautiful Bill) profitieren. Auch Trumps Super-PAC MAGA Inc. lancierte kürzlich die erste Kampagne seit dem Wahlkampf und scheute dafür keine Kosten. Das Thema: Wie die BBB angeblich der Arbeiter- und Mittelschicht zugutekam.

Der Aktionismus ist nachvollziehbar: Die Midterms nähern sich in grossen Schritten und das Bewusstsein, dass den Republikanern eine grobe Niederlage droht, wenn sie nicht auf die weisse Arbeiterschicht zählen können, ist durchaus vorhanden. John McLaughlin, ein republikanischer Meinungsforscher, der lange für Trump gearbeitet hatte, sagte zur «NYT»:

«Die Wähler aus der Arbeiterklasse sind nicht zufrieden mit der Republikanischen Partei. Und sie werden womöglich nicht wählen gehen.»

Da die Unzufriedenheit in anderen Schichten noch weit grösser ist, müssten die weissen Arbeiter nicht einmal für die Demokraten stimmen. Nur schon wenn sie Trump ihre Stimme verweigern und zu Hause bleiben, könnten sie den Republikanern grossen Schaden zufügen, so McLaughlins Befürchtung:

«Wenn sie nicht abstimmen, verlieren wir das Repräsentantenhaus und den Senat.»

Die Gründe für den Vertrauensverlust sind zahlreich. Entgegen Trumps Versprechungen sind die Lebenshaltungskosten in den USA in seiner Amtszeit nicht gesunken – im Gegenteil. Besonders die gestiegenen Benzin- und Heizölpreise fallen ins Gewicht, da sie in offensichtlichem Zusammenhang mit einer Entscheidung Trumps stehen. So sind sie vor allem auf den Krieg gegen den Iran zurückzuführen – dass der US-Präsident diesen vom Zaun gebrochen hat, ohne dafür stringente Erklärungen zu liefern, war auch für treue und zuweilen scheinbar etwas blinde Anhänger des 80-Jährigen offensichtlich. Mit dem angekündigten Rahmenabkommen zeichnet sich hier nun Besserung ab, trotz noch vieler Fragezeichen.

epa13038087 US President Donald Trump (L) and First Lady Melania Trump (R) watch as Justin Gaethje defeats Ilia Topuria for the UFC Lightweight title at the UFC Freedom 250 event on the South Lawn of  ...
UFC und Iran statt Innenpolitik: Donald Trump setzt derzeit klare Prioritäten.Bild: keystone

Doch sonst tut der US-Präsident wenig, um die Arbeiterklasse zu beschwichtigen. Statt sich öffentlichkeitswirksam um die innenpolitischen Probleme seiner Anhänger zu kümmern, beschäftigt er sich lieber mit Geopolitik oder inszeniert sich und seinen 80. Geburtstag mit einer opulenten UFC-Veranstaltung vor dem Weissen Haus. Für Irritation sorgten auch Zitate, als er jüngst gegenüber Journalisten die letzten Wirtschaftszahlen zu rechtfertigen versuchte. Trump erklärte:

«Ich liebe die Inflation.»

Das Zitat wird von den Demokraten bereits als Slogan für den Wahlkampf in Stellung gebracht. Zuvor bekundete Trump auch, dass er «nicht an die finanzielle Situation der Amerikaner denken» würde. Und steigende Benzinpreise bezeichnete er als «Peanuts». Angesichts dieser zynischen Aussagen scheint es kaum verwunderlich, dass selbst diejenigen, die am meisten Geduld mit dem US-Präsidenten haben, zu zweifeln beginnen – die jüngsten Umfragen belegen dies.

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