Wirtschaft
Schweiz

Plötzlich Datenlimits bei Swisscom – Kunden sollen Datenpakete kaufen

Swisscom Shop von aussen, fotografiert am Freitag, 19. Januar 2018, in Zuerich Oerlikon. Die Swisscom kaempft seit Tagen mit technischen Problemen. Betroffen sind Festnetz- sowie Mobilkunden. (KEYSTON ...
Um die maximale Surfgeschwindigkeit zu erreichen, müssen Kundinnen und Kunden von Swisscom ein Datenpaket erwerben.Bild: KEYSTONE

«Versteckte Preiserhöhung»: Kunden ärgern sich über plötzliche Datenlimits bei Swisscom

Ein Datenlimit bei bestimmten Swisscom-Abos sorgt bei der betroffenen Kundschaft für Frust. Swisscom sagt: «Bei uns ist keine Anpassung geplant.»
11.09.2026, 07:4011.09.2026, 14:58
Gregory Remez
Gregory Remez

«Das nationale Datenvolumen mit Ihrer maximalen Geschwindigkeit ist aufgebraucht»: Diese Nachricht hat jüngst ein Swisscom-Kunde per SMS erhalten. Danach sei fast nichts mehr gegangen, schildert er «Schweiz heute». «Selbst das Verschicken einfacher WhatsWpp-Nachrichten dauerte plötzlich deutlich länger. Es lud ewig, bis eine Nachricht rausging.»

Die Lösung für das Problem lieferte die Swisscom in der SMS gleich mit: «Um die maximale Geschwindigkeit wieder zu erreichen, haben Sie die Möglichkeit, im Cockpit ein Datenpaket zu kaufen.»

Die Preise für die Pakete seien allerdings happig und stünden in keinem Verhältnis zu den Abo-Kosten, ärgert sich der betroffene Kunde. Ein Paket von 3 GB (Gigabyte) koste 9 Franken. Da dieses erfahrungsgemäss schnell aufgebraucht sei, habe er ein grösseres Datenvolumen gelöst. Dann werde es aber schnell teuer: Das nächstgrössere Paket von 10 GB kostet bereits 18 Franken, für 20 GB zahlt man 30 Franken, für 50 GB 60 Franken.

Strenges monatliches Limit

«Für ein 20-GB-Paket zahle ich somit mehr als für mein Monatsabo, das geht doch nicht auf», sagt er – und ist mit seinem Frust nicht alleine. Seit die Swisscom 2024 ihre neuen «Enterprise Mobile Abos» eingeführt hat, gilt für alle KMU- und Geschäftskunden ein strenges monatliches Datenlimit: Verbraucht ein Kunde mehr als 60 GB an Daten, wird seine Surfgeschwindigkeit bis Ende Monat automatisch auf 1 Mbit/s gedrosselt.

Frau scrollt auf dem Handy
Die Swisscom begründet die Reduktion der Surfgeschwindigkeit mit ihrer «Fair Use Policy».Bild: Shutterstock

Das Problem: 1 Mbit/s reichen gerade noch so für das Versenden von einfachen Textnachrichten oder E‑Mails. Das Laden bestimmter Webseiten dauert zuweilen deutlich länger, Videokonferenzen sind in der Regel gar nicht mehr möglich. «Schweiz heute» hat unter anderem Kenntnis von Fällen, in denen Swisscom-Geschäftskunden aus Teams-Calls geflogen sind, weil sie just in diesem Moment ihr monatliches Datenlimit erreichten – und so quasi zum Kauf eines teuren Datenpakets genötigt wurden.

Im Forum auf der Swisscom-Website machen Kunden ihrem Ärger deswegen seit längerem Luft: «Es wurde immer geworben, wie 5G alles verändern und vernetzen wird. Jetzt ist 5G da und plötzlich werden trotz neuer Technologie Datenlimits eingeführt?», fragt dort etwa ein Nutzer. Andere sprechen von einer «versteckten Preiserhöhung» und monieren, dass das Modell der Swisscom «nicht mehr zeitgemäss» sei.

Massnahme gegen Missbrauch

Die Swisscom begründet ihr Vorgehen mit der «Fair Use Policy». Diese soll übermässigen Datenverbrauch verhindern und so «allen Kunden eine gute Netzqualität garantieren». Konkret soll verhindert werden, dass Geschäftskunden ihr Abo für private Zwecke missbrauchen, etwa für Streaming oder Gaming. Für Privatkundenabos gebe es entsprechend keine solche Einschränkung.

Doch sind 60 GB auch für Geschäftszwecke je nach Anwendung schnell aufgebraucht, wie Oliver Zadori vom Vergleichsdienst Dschungelkompass vorrechnet: «60 GB mag nach viel klingen. Doch ein Teams-Video-Call verbraucht je nach Auflösung und Anzahl Teilnehmer zwischen 1,5 und 3 GB pro Stunde. Heisst: Nutzt man die Anwendung unterwegs auf dem Handy oder via Hotspot auf dem Laptop, reichen ein bis zwei Stunden pro Arbeitstag, um das Limit zu erreichen.»

Damit konfrontiert, verweist die Swisscom darauf, dass es sich de facto nicht um ein Datenlimit handle. Das Datenvolumen bleibe «auch nach Erreichen der Geschwindigkeitsregulierung unbeschränkt», es erfolge lediglich eine Reduktion der Geschwindigkeit. Diese Reduktion auf 1 Mbit/s sei «bewusst so festgelegt» worden, dass «grundlegende Geschäftsanwendungen wie E-Mail weiterhin genutzt werden können».

Wer die 60 GB regelmässig überschreitet, dem rät die Swisscom, sich bei seinem Arbeitgeber zu melden. Vielnutzern stünden zudem andere Optionen oder allenfalls kundenspezifische Lösungen zur Verfügung.

Elegante Lösung bei Sunrise

Auf die negativen Kundenreaktionen – auch im eigenen Diskussionsforum – angesprochen, schreibt ein Swisscom-Sprecher:

«Wir nehmen Rückmeldungen unserer Kundinnen und Kunden ernst und überprüfen unsere Angebote laufend.»
Swisscom

Bezüglich «Fair Use Policy» erhalte man aber «nur vereinzelt Rückmeldungen». Diese bestehe zudem bereits seit längerer Zeit und sei «branchenüblich».

Ein Vergleich mit der Konkurrenz zeigt allerdings: Weder Sunrise noch Salt haben harte Limits, nach denen die Surfgeschwindigkeit reduziert wird. Sunrise etwa kennt statt einer Drosselung eine vorübergehende Depriorisierung im Mobilnetz – jedoch nur, wenn das Netz bereits überlastet ist. Kunden mit «exzessiver Nutzung» (höherer Datenverbrauch als 97 Prozent aller Kunden) surfen dann bis zum Ende der Überlastung mit reduzierter Geschwindigkeit.

Das Beispiel zeigt, dass es technologisch durchaus elegantere Lösungen gäbe, um übermässigen Datenverbrauch bei Geschäftskundenabos zu verhindern. Bei der Swisscom will man dennoch weiter am bisherigen Modell festhalten. Auf Nachfrage sagt der Sprecher: «Bei uns ist aktuell keine Anpassung geplant.»

(schweizheute.ch)

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Hakuna!Matata
11.09.2026 08:40registriert Juni 2019
"soll verhindert werden, dass Geschäftskunden ihr Abo für private Zwecke missbrauchen"

Naja, viele Arbeitgeber erlauben ja die private Nutzung explizit, damit man nur eine Handynummer haben muss.

Und der Vergleich mit Sunrise zeigt, dass es wohl eher nicht um ein "Schutz des Netzes" geht, sondern um eine Erhöhung der Einnahmen.
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Granatä Sepp
11.09.2026 08:56registriert April 2021
"Best Effort" und "Fair Use" – die zwei schönsten Wörter, um "wir verkaufen heisse Luft" seriös klingen zu lassen.

Man zahlt für maximale Geschwindigkeit und sobald man sie nutzt, kommt die SMS mit der Kollekte. "Kein Datenlimit", sagt Swisscom, nur eben 1 Mbit/s danach reicht gerade für eine Mail, während man auf ein Wunder wartet. Ein 20-GB-Nachkauf für 30 Franken, teurer als das halbe Abo. Sunrise drosselt nur bei echter Netzüberlastung, fair. Swisscom hat einen Kassenautomaten mit SIM-Karte drin. "Keine Anpassung geplant" logisch, läuft ja prächtig, solange brav bezahlt wird.
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B. Bakker
11.09.2026 08:51registriert Juni 2017
"Wer die 60 GB regelmässig überschreitet, dem rät die Swisscom, sich bei seinem Arbeitgeber zu melden. "
Und dann, liebe Swisscom? Meldet sich der Arbeitgeber bei euch und es gibt 2 Optionen:
1. Inkludiert ein zusätzliches Datenvolumen im Abo = $$$ für Swisscom
2. Das gleiche Marketing blabla wie hier im Artikel.

Natürlich nur, wenn man eine sich zuständig fühlende Person bei der Swisscom findet.
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