Wirtschaft
Schweiz

G7 in Évian: Genf befürchtet Sachbeschädigungen und Geschäftseinbussen

Des ouvriers installent des planches de bois devant les vitrines d'un etablissement pour le proteger d'eventuelles degradations de la part de manifestants durant la manifestation NoG7 liee a ...
Diverse Genfer Geschäfte bereiten ihre Fenster auf den G7-Gipfel im französischen Evian vor. Bild: KEYSTONE

Genf fürchtet G7-Gipfel so sehr, dass den Schreinereien das Holz ausgeht

08.06.2026, 14:2308.06.2026, 14:23

Vor dem G7-Gipfel im französischen Évian stossen Genfer Schreinereien an ihre Grenzen. Weil zahlreiche Geschäfte ihre Ladenfronten gegen mögliche Ausschreitungen sichern lassen, werden Schutzmaterial und freie Kapazitäten bei Handwerkern knapp.

In den Stadtgebieten, die als besonders gefährdet gelten, hätten sich «die meisten Geschäfte für Schutzmassnahmen entschieden», sagte Flore Teysseire, Generalsekretärin des Gewerbeverbands Genève Commerces, am Montag der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. An der Rue du Rhône bleiben die Geschäfte sogar geschlossen. Die Kosten für die Sicherung der Ladenfronten bewegen sich zwischen 3000 und 100'000 Franken.

Seit der Ankündigung einer bewilligten Demonstration am kommenden Sonntag auf dem rechten Rhoneufer versuchen nun auch dort zahlreiche Geschäftsinhaber, ihre Lokale zu schützen. Für viele komme dies jedoch zu spät. «Die Schreinereien sind ausgebucht oder verfügen kaum noch über Material», erklärte Teysseire.

Protesters run away from water cannons and tear gas during clashes with riot police in Geneva, Switzerland, Tuesday, June 3, 2003. After the end of the G8 summit in Evian clashes between activists and ...
Weckt negative Erinnerungen: Beim G8-Gipfel von 2003 in Évian-les-Bains kam es in Genf zu Ausschreitungen und massiven Sachbeschädigungen.Bild: KEYSTONE

Wie hoch die wirtschaftlichen Einbussen ausfallen werden, lässt sich derzeit nicht beziffern. Viele Unternehmen veröffentlichten ihre Umsatzeinbussen in solchen Situationen nicht. Die Auswirkungen dürften sich jedoch über die gesamte Gipfelwoche erstrecken. Ergebnisse einer Umfrage unter den Mitgliedern von Genève Commerces werden Anfang Juli erwartet.

Zusätzliche Belastungen entstehen durch die verschärften Grenzkontrollen. Obwohl die Zollstellen geöffnet bleiben, dürften längere Wartezeiten den Arbeitsweg vieler Beschäftigter erschweren und sich damit auch auf die Geschäftstätigkeit auswirken. Davon betroffen sind insbesondere Restaurants und Cafés.

Kritik an Entschädigungsfonds

Auch die Gastronomiebranche zeigt sich besorgt. Simon Brandt, Direktor des Genfer Branchenverbands für Cafés, Restaurants und Hotels, kritisiert den vom Staatsrat beschlossenen Entschädigungsfonds von sechs Millionen Franken. Dieser decke lediglich Schäden durch Sachbeschädigungen ab. Betriebsverluste sowie die Kosten für Schutzmassnahmen würden hingegen nicht entschädigt.

Des planches de bois sont posees devant les vitrines d'un etablissement pour le proteger d'eventuelles degradations de la part de manifestants durant la manifestation NoG7 liee au sommet du  ...
Genfer Lokale fürchten nicht nur Sachbeschädigungen, sondern auch Geschäftseinbussen.Bild: KEYSTONE

«Es geht um einige Millionen Franken, nicht um Hunderte Millionen», sagte Brandt. Während der Covid-19-Pandemie seien vergleichbare Unterstützungen ebenfalls möglich gewesen. Er zeigt sich überzeugt, dass die Behörden ihre Haltung nach dem Gipfel überdenken würden, falls kleinere Betriebe in finanzielle Schwierigkeiten geraten.

Einige Gastwirte hätten bereits auf Schutzmassnahmen verzichtet, weil ihnen die nötigen Mittel fehlten. Zahlreiche Restaurants planen zumindest am Tag der Demonstration die Schliessung. Im Quartier der internationalen Organisationen werden laut Brandt einzelne Betriebe sogar die gesamte Gipfelwoche geschlossen bleiben, da mit einem deutlichen Rückgang der Geschäftstätigkeit gerechnet wird. (nil/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das war der G7-Gipfel in Biarritz
1 / 14
Das war der G7-Gipfel in Biarritz
Am Wochenende lud der französische Staatspräsident Emmanuel Macron zum G7-Gipfel in Biarritz ein.
quelle: epa / ian langsdon
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Trump wird bei Interview mit Faktenchecks konfrontiert – dann platzt ihm der Kragen
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
«Therapien» für Homosexuelle werden in Zürich vorerst doch nicht verboten – Linke empört
Der Kanton Zürich verbietet Konversionstherapien für Homosexuelle bis auf Weiteres nicht. Die Geschäftsleitung des Kantonsrats hat das Geschäft auf Eis gelegt. Linke Parteien sind empört.
Eigentlich war das Verbot von Konversionspraktiken im Kanton Zürich bereits ausgearbeitet. Das Geschäft stand kurz vor dem Abschluss und sollte demnächst ins Parlament kommen. Doch nun hat die Geschäftsleitung das Anliegen sistiert.
Zur Story