Wirtschaft
Schweiz

Gastronom Bindella schlägt Rentenalter 70 gegen Fachkräftemangel vor

Um Zuwanderung entgegenzuwirken: Jetzt wird der Ruf nach dem Rentenalter 70 laut

Auch wenn die Schweizer Bevölkerung der 10-Millionen-Initiative eine Abfuhr erteilt hat, sind Lösungen gegen die Zuwanderung gefragt. Gastronom Rudi Bindella und Economiesuisse-Direktorin Monika Rühl bringen ein höheres Pensionsalter ins Spiel.
16.06.2026, 10:2716.06.2026, 10:27

Nach der Abstimmung über die 10-Millionen-Schweiz ist klar: Die Bevölkerung will der Zuwanderung nicht einfach den Riegel vorschieben. Und doch gibt es einen Fachkräftemangel. Es sind also immer noch Lösungen gefragt. Besonders betroffen ist etwa die Gastrobranche. Gastronom Rudi Bindella sagt im Interview mit dem Tages-Anzeiger: «Die Politik muss bei der Zuwanderung das richtige Mass finden und diese quantitativ wie qualitativ besser steuern.»

Der Gastro-Unternehmer Rudi Bindella posiert vor dem BAG-Plakat mit dem aktuellen Leitspruch der Corona-Kampagne: ''Ein Herz fuer uns alle''/ ''Un Geste du Coeur pour Tou ...
Rudi Bindella vom Gastrounternehmen Bindella.Bild: KEYSTONE

Dennoch gebe es auch im Inland noch Potenzial, das «viel zu schlecht genutzt» werde. «Ich denke dabei an ältere Menschen – die über 50-Jährigen und sogar die über 65-Jährigen. Wenn wir dieses Potenzial richtig pflegen und diese Menschen motivieren, im Arbeitsprozess zu bleiben, wäre die Nachfrage nach Arbeitskräften aus dem Ausland bedeutend geringer.»

Bindella glaubt, dass eine gute Firmenkultur, Investitionen in die Ausbildung und faire Löhne mehr inländisches Personal anlocken würden. «Ein attraktiver Arbeitgeber zu sein, federt den Mangel spürbar ab. In diesen Bereich wird in vielen Branchen schlicht zu wenig investiert.» Allerdings müsse auch die Leistungsbereitschaft der Schweizerinnen und Schweizer wieder steigen.

Eine Frau arbeitet in ihrem abgetrennten Arbeitsplatz fuer das Contact Tracing im Kanton Zuerich, aufgenommen am Freitag, 8. Mai 2020 in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza)
In gewissen Funktionen könnten Schweizerinnen und Schweizer laut Bindella auch mit über 65 Jahren arbeiten.Bild: KEYSTONE

Doch nicht nur die potenziellen Arbeitnehmenden sieht Bindella in der Pflicht. Auch die Unternehmen müssten umdenken. «Es darf nicht sein, dass die Dossiers von älteren Bewerberinnen und Bewerbern von vornherein aussortiert und gar nicht erst geprüft werden.»

Ähnlich klingt es bei der Direktorin von Economiesuisse, Monika Rühl. Im Interview mit der NZZ sagt sie: «Wir müssen das inländische Arbeitskräftepotenzial besser nutzen.» Auch Rühl bringt eine Erhöhung des Rentenalters ins Spiel. In der Schweiz werde dies aber tabuisiert. Dabei könnten Arbeitsmodelle, die es Menschen ermöglichen, länger im Erwerbsleben zu bleiben, helfen. Gleichzeitig sollte laut Rühl auch darüber diskutiert werden, Frühpensionierungen unattraktiver zu machen.

Monika Ruehl, Vorsitzende der Geschaeftsleitung von economiesuisse spricht an deren Jahresmedienkonferenz, am Dienstag, 3. Februar 2026, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)
Economiesuisse-Direktorin Monika Rühl.Bild: KEYSTONE

Bindella ist da differenzierter. Ihm ist bewusst, dass es härtere und weniger harte Jobs gibt. In der Küche ist längeres Arbeiten wegen der körperlichen Belastung schwieriger, in Service und Administration dagegen gut möglich – auch im Teilzeitpensum. Die Politik hat sich bisher vor der Diskussion rund um die Erhöhung des Rentenalters gescheut. Mit der Lösungsfindung gegen die Zuwanderung könnte sie jedoch erneut ins Rollen kommen. (vro)

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431 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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equus asinus
16.06.2026 10:41registriert November 2023
Als erste Massnahme Schlage ich vor, dass die Arbeitgeber eine Penale zahlen müssen, wenn die Belegschaft von der Demografie abweicht. Wer keine Lehrlinge oder Berufseinsteiger oder ü50er beschäftigt, zahlt mehr.
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Die Welt ist ein Irrenhaus
16.06.2026 10:36registriert März 2025
Völliger BS. Leute Ende 50 / Anfang 60 haben heute schon Probleme, einen neuen Job zu finden. Wenn man jetzt das Rentenalter auf 70 hochlegt, führt das nur zu einer zusätzlichen Belastung der Sozialsysteme und Altersarmut.
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chrimark
16.06.2026 10:44registriert November 2016
Diese Idee ist irgendwie noch absurder als die 10 Mio Initiative. Wir sollen uns selbst kasteien damit weniger Menschen in die Schweiz kommen? Völlig sinnbefreit.
Wenn wir weniger Zuwanderung wollen müssen die Bürokratischen und Finanziellen Hürden für die Erstniederlassung erhöht werden.
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