Wenn die AHV wegen ausbleibender Migration in Schieflage gerät: «Pensionsalter anheben»
Die Erhöhung des Pensionsalters ist in der Bevölkerung nicht gerne gesehen. Entsprechend hüten sich die Parteien auch davor. Selbst in der aktuellen Debatte um die 10-Millionen-Schweiz wagte man diesen Vorschlag noch nicht hervorzubringen – bis jetzt.
SVP-Präsident Marcel Dettling sagte gegenüber der NZZ letztes Jahr, dass er gegen eine Erhöhung des Rentenalters sei, um der Migration entgegenzusteuern. Und doch stand der Elefant während der ganzen Diskussion im Raum. Obwohl noch kein Entscheid gefallen ist, werden bereits Mittel gesucht, wie die Initiative bei einem Ja umgesetzt werden soll, ohne der Wirtschaft zu schaden. Denn gerade das ist das Hauptargument der Gegner.
Laut SVP ist der knappe Wohnraum schuld
Das Problem: Die Schweizer Gesellschaft wird älter, die Zahl der Pensionierten steigt. Gleichzeitig gibt es derzeit eine tiefe Geburtenrate. Folglich würde ein Ungleichgewicht entstehen, wenn die ausländischen Arbeitskräfte fehlen. Gegner der Initiative warnen gar vor einem Wirtschaftskollaps.
Entsprechend wurde Dettling kürzlich auch etwas offener. «Denkbar wäre auch ein Lebensarbeitszeitmodell», sagte er kürzlich zum «Blick». Der Zürcher SVP-Präsident Domenik Ledergerber wird nun allerdings noch deutlicher: «Wir könnten auch das Pensionsalter anheben», sagt er zum Blick. Unabhängig von der Initiative findet er: «Wir müssen ehrlich sein: Wenn die Bevölkerung immer älter wird, braucht es ein um ein bis zwei Jahre höheres Rentenalter.»
Gleichzeitig glaubt er, dass die Geburtenrate wieder ansteigt, wenn die Initiative angenommen und die Zuwanderung gestoppt würde. Denn er sieht den Grund im knappen Wohnraum. Paare würden sich deswegen genauer überlegen, ob sie noch ein Kind wollten.
Kommt bald das Rentenalter 67?
«Die SVP will mit ihrer Initiative nicht nur den Lohnschutz kippen, sondern auch, dass wir alle länger arbeiten müssen», beklagt sich hingegen Travailsuisse-Präsident Adrian Wüthrich im Artikel. Die Interessen der Arbeitnehmenden würden ignoriert, ein Rentenalter von 67 Jahren oder höher sei möglich.
Lösungen bräuchte es, sollte die Initiative angenommen werden. Gegner betonen schon seit längerem, dass etwa das Gesundheitswesen schon heute nicht auf ausländische Arbeitskräfte verzichten könne. Sollte der Bund tatsächlich bei einer Bevölkerungszahl von 9,5 Millionen Menschen Massnahmen ergreifen müssen und die Zuwanderung bremsen, könnten die Folgen massiv sein.
Noch ist allerdings alles offen. Die jüngsten Umfragen zeigen, wie knapp das Rennen am 14. Juni werden könnte. (vro)
