Wirtschaft
Schweiz

Schweiz: Rüstungsfirma Ruag reagiert auf die Kritik an zu hohen Rechnungen.

Urs Breitmeier, CEO der RUAG, spricht anlaesslich der Bilanzmedienkonferenz der RUAG, am Donnerstag, 23. Maerz 2017, in Zuerich. Der internationale Technologiekonzern RUAG erwirtschaftete 2016 mit CHF ...
Seine Firma ist unter DruckRuag-CEO Urs Breitmeier im März 2017.Bild: KEYSTONE

Rüstungsfirma Ruag wegen hohen Rechnungen in die Kritik – jetzt will sie Zahlen offenlegen

05.01.2019, 13:3605.01.2019, 15:17

Der Rüstungskonzern Ruag reagiert auf die Kritik an zu hohen Rechnungen zulasten der Schweizer Armee. Im ersten Halbjahr 2019 sollen gegenüber der Eidgenössischen Finanzkontrolle alle Zahlen des Flugzeugbereichs offengelegt werden.

Das erklärte Ruag-Chef Urs Breitmeier in der «Samstagsrundschau» von SRF. Bei der Prüfung werde es insbesondere darum gehen, ob die Ruag die Gewinnvereinbarung mit Bundesamt für Rüstung (armasuisse) eingehalten habe. Breitmeier wies erneut alle Kritik an zu hohen Gewinnmargen zurück.

Die Exportschlager der Schweizer Rüstungsindustrie

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Die Exportschlager der Schweizer Rüstungsindustrie
2017 exportierten Schweizer Firmen Waffen im Wert von 446,8 Mio. Fr. in 64 Staaten – 8% mehr als im Jahr zuvor. Diese Waffenexporte machten 0,15% der Schweizer Gesamtexporte aus. Wichtigstes Empfängerland war Deutschland vor Thailand, Brasilien und Südafrika. Im Bild: Schweizer Sturmgewehre auf dem Waffenplatz Thun.
quelle: keystone / christian beutler
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Mitte Dezember hatten die Zeitungen «Ostschweiz am Sonntag» und «Zentralschweiz am Sonntag» unter Berufung auf Beteiligte und aufgrund von Unterlagen festgestellt, dass die Ruag dem Verteidigungsdepartement über Jahre zu hohe Rechnungen in der Höhe von dutzenden Millionen Franken gestellt haben soll.

Die Zeitungen schrieben, dass die Marge in den Einheiten, die sich mit Unterhalt, Reparatur und Kampfwertsteigerung der Jets sowie der Armeehelikopter befassen, 30 oder 35 Prozent betragen haben soll. Das sei viel mehr als die vom Bund maximal erlaubten 8 bis 10 Prozent.

Breitmeier liess im Radiobeitrag vom Samstag einen Vergleich mit der Postauto-Affäre nicht gelten. Er betonte, dass man keine Buchhaltungstricks angewendet und auch keine Subventionen erhalten habe.

Keine Gewinnlimite

Die Schweizer Kampfjets und Helikopter würden auf der Grundlage von Fünf-Jahres-Verträgen mit armasuisse gewartet. Am Verhandlungstisch sässen Experten von armasuisse, die den Marktpreis kennen würden. Es handle sich um Festpreis-Verträge. Aufgrund der Gewinne würden jedes Jahr Rabatte gewährt und die Gewinne würden auch bei neuen Vertragsverhandlungen herangezogen.

ARCHIVE - ZUR MELDUNG DES BUNDESRATS UEBER DEN VERZICHT AUF LOCKERUNG DER KRIEGSMATERIALVERORDNUNG AM 31. OKTOBER 2018 - Arbeiter bei der Herstellung von Geniepanzern in den Produktionshallen der RUAG ...
Ruag-Angestellte bei der Montur eines Panzers.Bild: EQ IMAGES

Grundsätzlich gebe es aber «keine Gewinnlimite für die Ruag», betonte Breitmeier. Ende Jahr habe die Gewinnmarge zwischen 8 und 10 Prozent betragen. Quellen, die von einer Gewinnmarge von 30 und mehr Prozent sprächen, seien nicht verlässlich.

Fehleinschätzung bei Rüstungsexporten

Als einen unerwarteten «Schuss ins Bein» bezeichnete Breitmeier die breite Kritik von Parlament und Bevölkerung an einer geplanten Lockerung der Waffenexporte in Bürgerkriegsländer. Der Bundesrat war schliesslich nach dem grossen Unverständnis in der Sache zurückgekrebst.

Die Folge davon ist laut Breitmeier, dass «das Rüstungsgeschäft in der Schweiz kein Geschäftsmodell» sei. Seit Jahren habe die Ruag im Rüstungsbereich kein grösseres Investitionsprojekt. Die Schweizer Rüstungsindustrie sei gegenüber den europäischen Ländern nicht konkurrenzfähig, weil sie «nicht exportieren» könne. Für die Rüstungsindustrie der Schweiz gehe es nun darum, den Status Quo zu erhalten.

Entflechtungskosten von 70 Millionen

Breitmeier bezifferte die Kosten für die im laufenden Jahr geplante Entflechtung der Ruag in einen Teil für die Schweizer Armee und einen internationalen Teil auf 70 Millionen Franken. Diese Kosten müsse die Ruag durch den Verkauf von Teilen, die keine Synergien mit dem Schweizer Geschäft böten, selber generieren. (sda)

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