Schweiz
Kommentar

Geht es um Waffen, vergessen CVP, FDP und SVP ihre Werte

Von Waffen, Worten und Werten – so verraten CVP, FDP und SVP ihr Parteiprogramm

Bild: KEYSTONE
Kommentar
Granatwerfer, Sturmgewehre, Handgranaten: Schweizer Waffen dürfen zukünftig auch in Bürgerkriegsländer verkauft werden. Ermöglicht haben den Entscheid Politiker von SVP, FDP und CVP. Sie entlarven damit ihre angeblichen Werte als leere Worthülsen. Ein Kommentar.
31.08.2018, 14:2721.12.2018, 12:42

Im Juni lockerte der Bundesrat die Bestimmungen der Kriegsmaterialverordnung. Neu soll die Schweizer Rüstungsindustrie Munition und Waffen unter gewissen Bedingungen auch in Länder verkaufen dürfen, in denen Bürgerkrieg herrscht. Für diesen Schritt stimmten die vier Bundesräte von SVP und FDP. Die Änderung ermöglichte Aussenminister Ignazio Cassis (FDP). Sein Vorgänger Didier Burkhalter hatte sich stets gegen Lockerungen beim Kriegsmaterialexport ausgesprochen.

Mehr 2018? Hier entlang:

Das Beste 2018

Vergangene Woche stimmte die Sicherheitspolitische Kommission des Nationalrats der Lockerung zu, mit den Stimmen von SVP und FDP. Gestern nun gab auch die Sicherheitspolitische Kommission des Ständerats grünes Licht. Für die Lockerung stimmten SVP, FDP sowie drei von vier CVP-Ständeräten.

Das Verhalten dieser bürgerlichen Politiker steht im krassen Gegensatz zu den Werten, welche ihre Parteien laut Parteiprogramm den Wählern gegenüber zu vertreten vorgeben.

Im Parteiprogramm der CVP heisst es:

«Wir setzen uns traditionell für die Friedenförderung ein.»

In ihrem Positionspapier zur Entwicklungshilfe steht:

«Für die CVP steht der Mensch mit seinen Bedürfnissen für ein Leben in Sicherheit, Frieden und Freiheit im Mittelpunkt. Die CVP will eine Schweiz, die diese Werte im Inland lebt, sich aber auch als Teil der Weltgemeinschaft versteht und deshalb solidarisch an der Lösung von globalen und regionalen Problemen mitwirkt.»

Würden hinter diesen Worten echte Werte stehen, würden CVP-Vertreter nicht für den Waffenexport in Bürgerkriegsländer stimmen.

Ein Arbeiter kontrolliert am Donnerstag, 25. Juli 2002 in Thun in der Munitionsabteilung des Ruestungskonzerns Ruag, der Ruag Munition, die Herstellung von 9-Millimeter-Patronen. Die Ruag kuendigte am ...
Munitionsproduktion bei dem Rüstungskonzern Ruag in Thun. Bild: KEYSTONE

Im Parteiprogramm der FDP heisst es:

«Die traditionelle Vermittlerrolle der Schweiz in Konflikten im Rahmen unserer Neutralität soll verstärkt werden. Unser Knowhow als neutraler Vermittlerstaat muss exportiert und in internationalen Konflikten eingesetzt werden.»

In ihrem Positionspapier zur Rolle der Schweiz in einer globalisierten Welt steht:

«Die Förderung von Frieden und Sicherheit, die Schaffung von Wohlstand, der Schutz von Menschenrechten, die Pflege von Demokratie und Rechtsstaat und der Schutz der Umwelt sind die Leitplanken unserer Aussenpolitik.»

Würden hinter diesen Worten echte Werte stehen, würden FDP-Vertreter nicht für den Waffenexport in Bürgerkriegsländer stimmen.

Diese Ständeräte stimmten für die neue Verordnung

1 / 11
Diese Ständeräte stimmten für die neue Verordnung
Für die Revision stimmten: Josef Dittli (FDP, Uri),
quelle: keystone / anthony anex
Auf Facebook teilenAuf X teilen

Im Parteiprogramm der SVP heisst es:

«Die SVP ist die Partei, die vorbehaltlos hinter der schweizerischen Neutralität steht, weil diese die grösste Sicherheit und Weltoffenheit bietet, und dazu erst noch die Möglichkeit gibt, besondere gute Dienste für den Frieden zu leisten.» 

Weiter steht da:

«Die SVP setzt sich dafür ein, dass für Kriegsflüchtlinge die Hilfe vor Ort im Vordergrund steht.»

Würden hinter diesen Worten echte Werte stehen, würden SVP-Vertreter nicht für den Waffenexport in Bürgerkriegsländer stimmen.

Diese Ständeräte stimmten dagegen

1 / 6
Diese stimmten dagegen
Daniel Jositsch (SP, Zürich),
quelle: keystone / anthony anex
Auf Facebook teilenAuf X teilen

Das «Bedürfnis des Menschen nach Sicherheit und Frieden» (CVP). Die «Förderung von Frieden und Sicherheit» (FDP). Der «Einsatz für Hilfe vor Ort für Kriegsflüchtlinge» (SVP): Geht es um den Waffenexport, sind die Werte dieser Parteien das Papier nicht wert, auf dem sie stehen.

Geht es um die Interessen der Rüstungsindustrie, werden sie zu leeren Worthülsen  – sonst würde die Schweiz keine Waffen in Bürgerkriegsländer exportieren.

Was hältst Du von der Lockerung beim Kriegsmaterialexport?
An dieser Umfrage haben insgesamt 2474 Personen teilgenommen

Renato zum lustigen Thema: Waffenexporte! Jeeee!

Video: watson/Renato Kaiser

Liebe Linke, wir müssen über eure Plakate reden.

1 / 17
Liebe Linke, wir müssen über eure Plakate reden.
Wofür steht dieses Plakat?
quelle: keystone / christian beutler
Auf Facebook teilenAuf X teilen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Bundesrat ist gegen Mietpreis-Initiative – will aber gegen missbräuchliche Mieten vorgehen
Der Bundesrat lehnt die Mietpreis-Initiative ab. Mit einem indirekten Gegenvorschlag will er aber im Gesetz klare und transparente Regeln zum Schutz vor missbräuchlichen Mietzinsen festlegen. Das hat er am Freitag beschlossen.
Zur Story