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Alle wollen Burger, aber keiner will mehr McDonald’s

This photo provided by McDonald's shows, from left to right: McDonald's Mac Jr., Big Mac and Grand Mac. McDonald's is testing bigger and smaller versions of its Big Mac as the world&#03 ...
Der Big Mac: Für viele Schweizer das Sinnbild für ungesunden Fastfood.Bild: AP/McDonald's

Wieder schliesst ein ehemaliger Hotspot – alle wollen Burger, aber keiner will mehr McDonald’s

04.08.2016, 06:3104.08.2016, 07:32
ALEXANDRA FITZ / Aargauer Zeitung

Mäc oder Mäci haben wir ihn liebevoll genannt. Dachten wir an ihn, lief uns das Wasser im Munde zusammen. Sind wir durch seine Türe geschritten, fühlten wir uns endlos cool. Der Pommesduft erhob uns in einen kindlich-naiven Fastfood-Himmel. Die McDonald’s-Filialen galten so viel und standen für noch viel mehr. Für Kindergeburtstagspartys, die man deswegen so aufregend fand, weil die eigenen Eltern sich strikt weigerten, für das Rumhängen mit der Clique und das endlich Zu-erwachsenSein für «Happy Meals», für Dates vor dem Milchshake, für die erste Fahrt zu McDrive mit dem gerade erlangten Fahrausweis.

Jahrzehntelang war McDonald’s eine schöne Traumwelt. Goldgelbe Fritten, Ronald der Clown, das süsse McFlurry. Und vor allem war Mc Donald’s immer da. Überall. Nachts tauchte mitten in der Pampa plötzlich das damals noch gelb-rote grosse M auf. Puhh. Nachts, betrunken, hungrig, in einer fremden Stadt, leuchtete verlässlich immer in Reichweite das Logo vor der Nase. Puhh. Schauspieler und Schönling James Franco schrieb sogar nostalgisch: «McDonald’s war für mich da, als es niemand sonst war.»

Fastfood wird verteufelt

Das war einmal. Nun schliesst sogar eine dreistöckige Filiale im Zürcher Niederdorf. Ein Hotspot voller Touristen, Schüler und Partygänger. Der Umsatz stimmt nicht mehr. McDonald’s-Sprecherin Aglaë Strachwitz gibt gegenüber «20 Minuten» an, dass die Frequenzen nicht mehr so hoch waren. Andernorts gebe es mehr Kunden.

Jetzt auf
Der McDonald's im Niederdorf schliesst für immer seine Pforten.

Nicht nur im Niederdorf hat die bekannteste Fastfood-Kette der Welt ein Problem. Dabei war Mc Donald’s doch seit der Gründung 1948 eine amerikanische Erfolgsgeschichte – seit 1976, als das erste Restaurant in Genf eröffnete, auch eine schweizerische. Doch 40 Jahre später kriselt es. Es scheint für McDonald’s immer schwieriger zu werden, in Städten wie Zürich, in Ländern wie der Schweiz zu bestehen.

Der Druck auf die rund 160 Schweizer Filialen ist gross. Die Gäste bleiben öfter aus. Kamen 2013 noch 106 Millionen Schweizer, um Burger und Pommes zu vertilgen, waren es 2015 bereits 6 Millionen weniger. Auch der Umsatz brach von 2014 auf 2015 um rund 33 Millionen Franken ein. Ausserdem sind die Arbeitsbedingungen ständig in der Kritik. Genau wie das fettige Essen, das Gesundheitsbehörden und Ernährungspädagogen den Angstschweiss ins Gesicht treibt.

Harold Hunziker, Managing Director, posiert in der McDonald's Filiale an der Loewenstrasse, aufgenommen am Dienstag, 22. Maerz 2016 in Zuerich. Der Umsatz des Fast-Food-Unternehmens McDonald&#039 ...
Hat im Moment schwer zu beissen: Harold Hunziker, Managing Director von McDonald's Schweiz.Bild: KEYSTONE

2009 verpasste sich der Fastfood-Riese einen Öko-Anstrich. McDonald’s setzte neu auf grün statt auf rot. Umweltbewusster, gesünder, regionaler. Salat und Rüeblisticks. Kalorien und Fettangaben auf jedem Produkt. Der Konzern musste es versuchen, um mithalten zu können, schliesslich lauerte der Feind «bewusste Ernährung» an jeder Ecke. Längst wurden wir belehrt, dass Fressorgien in der Nacht ungesund sind, dass Fastfood verteufelt werden muss. Wer eine McDonald’s-Kartonbox in den Händen hielt, wurde plötzlich missgünstig be- äugt. Das neue Motto: Burger ja, McDondald’s nein.

Gourmet-Burger werden verehrt

Essen ist zur Ersatzreligion geworden, gesund und saisonal die oberste Prämisse bei allem, was wir uns in den Mund schieben. Befeuert durch diesen Gesundheits-Hype poppen fast täglich hippe Burgerladen auf. Sie füllen die Städte wie das cremig-süsse Sundae-Glace die Plastik-Becher. Schütten Soja in den Milchshake und stecken Angus Beef ins Brötchen. Verbannt werden die einfachen, weich-gummigen Cheeseburger für Fr. 2.50. Aufgetischt werden Bio-Teile auf rustikalen Holzbrettern, für die Kunden schon mal 48 Franken hinblättern.

Apropos Holzbrett: WIR WOLLEN TELLER, VERDAMMT NOCHMAL

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Liebe Hipster-Restaurants: WIR WOLLEN TELLER, VERDAMMT!
Fish & Chips in einer Gartenkiste, Tartare in einer Giesskanne, Erbsenmus in einem Blumentopf. Idioten in der Küche.
quelle: twitter/wewantplates / twitter/wewantplates
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Während McDonald’s und Burger King als ungesund abgestempelt werden und als Konzerne dahinsiechen, ist gesundes Fastfood so populär wie nie zuvor: Der Burger feiert seine Renaissance – als gesunder Snack. Das salzigdeftige Gericht kommt neu als Slowfood daher. Im Angebot: Trendy Gourmet-Burger und eine Vielzahl an Vegi-Burgern, ganz im Gegensatz zu Ronald und seinem Konkurrenten, die seit Jahrzehnten nur eine vegetarische Burger-Alternative anbieten. Auch was «Burger-Hippness» betrifft, versucht McDonald’s mit Pulled Pork und Quinoa Curry mitzuziehen.

Vor ein paar Tagen gab McDonald’s Schweiz bekannt, dass sie auf ihren Claim «100 Prozent Schweizer Rindfleisch» pfeifen. Zumindest vorübergehend. Weil es in der Schweiz immer weniger Milchkühe gibt und diese sich insbesondere in den Sommermonaten auf der Alp befinden, ist Kuhfleisch derzeit knapp und teuer. Deshalb importiert McDonald’s während zweier Monate Fleisch aus Österreich.

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Wenn es nun mit dem Traditionsunternehmen abwärts geht, wird dies für viele mit etwas heimlicher Wehmut verbunden sein. Dass wir heute doch ein wenig sehnsüchtig auf das leuchtende Zeichen an der Raststätte schielen, dass wir im Tram, wenn aus einem Papiersack der altbekannte Pommes-Duft entströmt, an unser McParadies denken, geben wir natürlich nicht gerne zu. Genau wie der ein oder andere Partygänger verheimlicht, dass er spätnachts in seinen gelb-roten Kindheitstraum schleicht.

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