Spass
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Kommentar

Sagt mal, bin ich hier der Einzige, der Brunch doof findet?

Grumpy Old Man meldet sich wieder mit einer unpopulären Meinung: Brunch ist weder fun noch fein noch fancy.



Ich hab's über Jahrzehnte versucht: Zu verstehen, was genau am Ding «Brunch» so total geil sein soll, dass Menschen solches immer wieder organisieren oder dazu abmachen. Ich weiss nur, dass Brunch hierzulande total beliebt ist.

Und? Magst du Brunch?

«Mmmmh ich liebe Brönch!»

Okay ... weshalb eigentlich?

«Einfach weil ... halt viel Essen. Und gemütlich, weisch.»

Das kann ich nachvollziehen. Mittagessen oder Abendessen mit Freunden beinhalten ja meistens «viel Essen» und «gemütlich». Brunch, aber? Sicherlich nicht «gemütlich».

Lasst mich kurz ausholen – zunächst mal die Variante «Brunch-Einladung privat»:

Nennt mich ruhig asozial (obwohl ich die Bezeichnung «kein Morgenmensch» bevorzuge), aber ich hab' nun mal keine Lust, um 10 oder 11 Uhr morgens bereits freundlich sein zu müssen. Konversation zu machen. Gwunderig zu sein, wie es dem Kindli der Kollegin geht, mit der ich nicht sonderlich befreundet bin, nun aber Konversation machen muss, weil sich die Sitzordnung so ergeben hat.

WENN die Konversation klappen würde! Tut sie nämlich NICHT, denn Brunch bedeutet vor allem eines: Ständige Unterbrechung. Nein, ich darf keinen gepflegten Smalltalk mit der Tischnachbarin machen, ohne dass es von quer über den Tisch heisst «HEY CHÖNNTISCH MIR D'GONFI GEH?» oder «WETTED IHR AU NO CHLI ZOPF?» und «WETSCH NO CHLI KAFFI? GÄLL ES ESPRESSO SCHWARZ FÜR DICH, ODER?» und ... ach komm, liebe Tischnachbarin, plaudern wir ein ander Mal.

brunch hipster zmorge frühstück essen food smoothie valentinstag

Uff das wär's ja noch: Den selbstgepressten Orangensaft in Einmachgläsern zuprosten und «gäll, debii enand immer schön id Auge luege»! Kill me now. Bild: shutterstock

Diese Form von Unterbrechung ist durch die kommunale Natur der Speisen bedingt. Würde man zu Mittagessen abmachen, bekäme jeder Gast einen Teller vorgesetzt und gut ist. Doch Leute, die Brunch mögen, scheinen gerade die Umständlichkeit des Herumreichens und Anbietens von Geschirr zu lieben. Wohl verwechseln sie es mit Geselligkeit.

Auch verwechseln sie Brot und Konfitüre oder irgendwelche Körnchen-Müesli mit uhfeinem Essen. Auch ich mag Brot und Gonfi. Aber als Motivation, aufzustehen, sich frisch zu machen und irgendwo hinzugehen, genügt mir das nicht.

Und, ach ja, sich besaufen klappt auch nicht wirklich, weil Menschen, die Brunch-Einladungen machen, aus irgend einem mir schleierhaften Grund nie wissen, wie man einen Prosecco halbwegs kühlt.

Bliebe noch die Variante «Brunch auswärts in einem Restaurant»:

Eine Restaurant-Frühstücks-Kultur, wie das die Angelsachsen pflegen mit ihren all day breakfasts und ihren eggs any style, haben wir hierzulande nicht. Das ist auch okay so, denn nationale und regionale Unterschiede sind willkommen. Dafür bieten in der Schweiz viele Etablissements explizit einen Brunch an. In Zürich etwa soll das im Bebek fein sein, erzählt man mir. Oder das Bubbles. Und etliche andere.

william hogarth gemälde restaurant essen food 18. jahrhundert https://en.wikipedia.org/wiki/File:William_Hogarth_028.jpg 
An Election Entertainment
Painting by William Hogarth, ca. 1755.
From the series known as

«Gmüetlich go brönsche.» Bild: wikicommons

Blöd nur, dass sie allesamt GENAU NIE Platz haben. In Zürich spontan Brunch essen gehen? Forget it. Alles ausgebucht. Am Montag für den nächsten Sonntag einen Vierertisch zum Brunch reservieren? Viel Glück damit. Dementsprechend hektisch und überfüllt sind die Lokale auch, schafft man es all Schaltjahr doch mal, einen Tisch zu ergattern.

Ergo werde ich weiterhin am Wochenende zu einer von mir frei gewählten Zeit aufstehen und alleine oder mit der Liebsten gemütlich frühstücken. Mit einem Kaffee, der kein Nespresso ist. Und mit Eiern auf irgend eine geile Art, vielleicht etwas Toast oder Tortillas und hey, wieso nicht eine Avocado mit etwas Chili und Limette ... egal was – einfach nicht Brönsch!

Ihr kommt ja bei euren Brunch-Einladungen ohne mich bestens klar. Wir sehen uns dann zum Znacht. 😘

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Hier wird die Heuchelei von Foodbloggern entlarvt

Schweizer probieren US-Snacks

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

26 Fails, die zeigen, dass du nicht die einzige Pfeife in der Küche bist

Mit dem Kochen ist das so eine Sache. Manche können aus einem Liter Milch, etwas Aromat, Reibkäse und ein paar Hörnli ein Gourmet-Mahl zubereiten. Und dann gibt es die, die schon überfordert sind, wenn es nur darum geht, eine Tiefkühlpizza in den Backofen zu schieben.

Wenn du zu der zweiten Gruppe zählst: Fühl dich deswegen nicht schlecht. Du bist nicht alleine! Lass dir von Gordon Ramsey nichts anderes einreden.

(smi)

Artikel lesen
Link zum Artikel