Wissen
Food

Zu viel macht depressiv: Salz schade nebst Herz und Gefässe auch Psyche

koch salz salzen
Ohne Salz schmeckt das Essen nicht. Übertreiben sollte man es damit aber nicht.Bild: shutterstock.com

Studie: Zu viel Salz macht depressiv

Salz verleiht Speisen Geschmack. Doch zu viel davon belastet wohl nicht nur Herz und Gefässe, sondern auch die Psyche. Das legt eine neue Studie mit fast einer halben Million Menschen nahe.
10.08.2026, 09:1010.08.2026, 09:10
Jörg Zittlau / ch media

Wer sein Essen immerzu nachsalzt, weist ein höheres Risiko auf, an einer Depression zu erkranken. Das hat ein Forscherteam der Huazhong University in Wuhan herausgefunden, nachdem es die Daten von fast 440'000 Menschen ausgewertet hatte. Wer demnach angab, am Tisch praktisch immer zum Salzstreuer zu greifen, bei dem war das Risiko einer Depression um 37 Prozent erhöht gegenüber denjenigen, die niemals nachsalzen. Bei Angststörungen war die Quote um 27 Prozent erhöht.

Wer nicht immer, aber häufig nachsalzte, wurde mit 16 Prozent erhöhter Wahrscheinlichkeit depressiv, bei den Ängsten waren es immerhin noch 5 Prozent. «Dies spricht für einen dosisabhängigen Zusammenhang», resümiert Studienleiter Jixuan Ma. Mit jeder Prise zusätzlichem Salz verliert die Psyche an Freude und Stabilität.

Es ist bekannt, dass eine salzreiche Ernährung den Botenstoffhaushalt im Gehirn beeinflussen und dort auch entzündliche Prozesse befeuern kann. «Zudem wird vermutet, dass sie für oxidativen Stress und immunologische Veränderungen sorgt, die das biologische Altern beschleunigen und dadurch das Risiko für psychische Erkrankungen erhöhen», erläutert Umweltmediziner Ma. Wer viel salzt, altert biologisch schneller – und das wiederum schlägt nachvollziehbarerweise auf die Stimmung.

Nachsalzen hemmt Kalorienverbrennung

Auf die Stimmung aller Salzliebhaber schlägt auch, was die Weltgesundheitsorganisation WHO kürzlich veröffentlicht hat. Demnach kommen durch den Bluthochdruck infolge des überhöhten Salzkonsums unserer Tage jährlich rund 1,7 Millionen Menschen zu Tode. Hinzu kommen unzählige Schlaganfälle und Infarkte, die zwar nicht tödlich enden, aber schwere Organschäden verursachen und die Kosten für Therapien und Arbeitsausfälle explodieren lassen.

salt, salzen, salz, essen
Überhöhter Salzkonsum könne tödlich enden.Bild: Shutterstock

Ein Forscherteam um Nicola Wilck von der Charité Berlin fand zudem heraus, dass sich hohe Salzdosierungen auf das Darmmikrobiom des Menschen auswirken. Als man gesunden Männern 14 Tage lang 6 Gramm Kochsalz zusätzlich pro Tag verabreichte, fand man kaum noch Laktobazillen in ihrem Darm. Zudem hatten die Probanden einen höheren Blutdruck und mehr Th17-Helferzellen im Blut. Letztere stehen laut Wilck «mit Autoimmunerkrankungen wie der Multiplen Sklerose in Verbindung».

In einer weiteren Studie ermittelte der Mediziner, dass zu viel Salz im Körper die sogenannte postprandiale Thermogenese hemmt, also jene Wärme, die uns im Anschluss an eine Mahlzeit durchströmt. Energetisch gehen rund 10 Prozent unseres kompletten Kalorienbudgets dafür drauf. Doch wer viel Salz konsumiert, blockiert diese körpereigene Wärmepumpe – und damit auch eine Alternative, wie man viele Kalorien verbrennen kann, ohne sich im Fitness-Studio oder auf der Jogging-Piste abmühen zu müssen.

Gründe genug also, den Salzkonsum herunterzuschrauben. Helfen dürfte, sich beim Essen wirklich aufs Essen zu konzentrieren. Denn wie die niederländischen Psychologinnen Reine van der Wal und Lotte van Dillen in einem Experiment herausgefunden haben, verzehren wir deutlich mehr Salziges, wenn wir beim Essen durch irgendetwas abgelenkt werden. Der Grund: Wir nehmen dann das Salzige weniger wahr und spüren nicht mehr die Sättigungssignale, die es auch für den Salzkonsum gibt. (schweizheute.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Wenn du Pizza Hawaii für ein Verbrechen hältst, solltest du diese Teig-Krimis sehen
1 / 18
Wenn du Pizza Hawaii für ein Verbrechen hältst, solltest du diese Teig-Krimis sehen

Für alle, die Pizza mit Ananas nicht leiden können: Es könnte schlimmer sein. VIEL schlimmer.

quelle: reddit
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Steak grillieren: Schafft Flavia das?
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
17 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Demokratie?Geldherrschaft!
10.08.2026 10:38registriert Mai 2026
Wer Korrelation mit Kausalität verwechselt, wird sterben.
204
Melden
Zum Kommentar
avatar
Macca_the_Alpacca
10.08.2026 10:40registriert Oktober 2021
Naja, die Autoren haben mit den Daten einer Englischen Medizin Datenbank gearbeitet und statistisch getestet ob selten, oft , immer usw. Salzen beim Essen mit Depressiv korreliert. Und das korreliert. Experimente wurden keine gemacht, was ein fundamentaler Schwachpunt der Studie ist. Denn wir wissen ja, der Geburtenrückgang in der Schweiz korreliert sehr hoch mit dem Schrumpfen der Storch Population. Einen Zusammenhang gibt es freilich nicht.
229
Melden
Zum Kommentar
17
Darum ziehen manche Menschen Mücken an wie Magnete
Dich stechen Mücken überall, deine Freunde bleiben verschont? Manche Menschen sind für Stechmücken tatsächlich attraktiver als andere. Dabei entscheidet nicht das Aussehen, sondern die Körperchemie.
Zur Story