Studie: Zu viel Salz macht depressiv
Wer sein Essen immerzu nachsalzt, weist ein höheres Risiko auf, an einer Depression zu erkranken. Das hat ein Forscherteam der Huazhong University in Wuhan herausgefunden, nachdem es die Daten von fast 440'000 Menschen ausgewertet hatte. Wer demnach angab, am Tisch praktisch immer zum Salzstreuer zu greifen, bei dem war das Risiko einer Depression um 37 Prozent erhöht gegenüber denjenigen, die niemals nachsalzen. Bei Angststörungen war die Quote um 27 Prozent erhöht.
Wer nicht immer, aber häufig nachsalzte, wurde mit 16 Prozent erhöhter Wahrscheinlichkeit depressiv, bei den Ängsten waren es immerhin noch 5 Prozent. «Dies spricht für einen dosisabhängigen Zusammenhang», resümiert Studienleiter Jixuan Ma. Mit jeder Prise zusätzlichem Salz verliert die Psyche an Freude und Stabilität.
Es ist bekannt, dass eine salzreiche Ernährung den Botenstoffhaushalt im Gehirn beeinflussen und dort auch entzündliche Prozesse befeuern kann. «Zudem wird vermutet, dass sie für oxidativen Stress und immunologische Veränderungen sorgt, die das biologische Altern beschleunigen und dadurch das Risiko für psychische Erkrankungen erhöhen», erläutert Umweltmediziner Ma. Wer viel salzt, altert biologisch schneller – und das wiederum schlägt nachvollziehbarerweise auf die Stimmung.
Nachsalzen hemmt Kalorienverbrennung
Auf die Stimmung aller Salzliebhaber schlägt auch, was die Weltgesundheitsorganisation WHO kürzlich veröffentlicht hat. Demnach kommen durch den Bluthochdruck infolge des überhöhten Salzkonsums unserer Tage jährlich rund 1,7 Millionen Menschen zu Tode. Hinzu kommen unzählige Schlaganfälle und Infarkte, die zwar nicht tödlich enden, aber schwere Organschäden verursachen und die Kosten für Therapien und Arbeitsausfälle explodieren lassen.
Ein Forscherteam um Nicola Wilck von der Charité Berlin fand zudem heraus, dass sich hohe Salzdosierungen auf das Darmmikrobiom des Menschen auswirken. Als man gesunden Männern 14 Tage lang 6 Gramm Kochsalz zusätzlich pro Tag verabreichte, fand man kaum noch Laktobazillen in ihrem Darm. Zudem hatten die Probanden einen höheren Blutdruck und mehr Th17-Helferzellen im Blut. Letztere stehen laut Wilck «mit Autoimmunerkrankungen wie der Multiplen Sklerose in Verbindung».
In einer weiteren Studie ermittelte der Mediziner, dass zu viel Salz im Körper die sogenannte postprandiale Thermogenese hemmt, also jene Wärme, die uns im Anschluss an eine Mahlzeit durchströmt. Energetisch gehen rund 10 Prozent unseres kompletten Kalorienbudgets dafür drauf. Doch wer viel Salz konsumiert, blockiert diese körpereigene Wärmepumpe – und damit auch eine Alternative, wie man viele Kalorien verbrennen kann, ohne sich im Fitness-Studio oder auf der Jogging-Piste abmühen zu müssen.
Gründe genug also, den Salzkonsum herunterzuschrauben. Helfen dürfte, sich beim Essen wirklich aufs Essen zu konzentrieren. Denn wie die niederländischen Psychologinnen Reine van der Wal und Lotte van Dillen in einem Experiment herausgefunden haben, verzehren wir deutlich mehr Salziges, wenn wir beim Essen durch irgendetwas abgelenkt werden. Der Grund: Wir nehmen dann das Salzige weniger wahr und spüren nicht mehr die Sättigungssignale, die es auch für den Salzkonsum gibt. (schweizheute.ch)
