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Die Erderwärmung geht weiter.
Die Erderwärmung geht weiter.
Bild: Shutterstock

Im Extremfall bis zu 5,7 Grad wärmer: Das steht im neusten Bericht des Weltklimarats

09.08.2021, 10:0009.08.2021, 12:14

Er gilt als wichtigste Grundlage für die weltweite Klimapolitik: der Sachstandsbericht des Weltklimarats IPCC. Heute stellt der Rat in Genf den ersten Teil des neuesten Berichts vor. Darin geht es vor allem um die naturwissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels.

Moment, was ist der Sachstandsbericht genau?

In diesen Berichten lässt der Weltklimarat IPCC die naturwissenschaftlichen Grundlagen und den globalen Forschungsstand über die Auswirkungen der weltweiten Erwärmung zusammentragen. Heute erscheint der erste Teil des sechsten Berichts. Ein Kernteam von 234 Expertinnen und Experten aus 66 Ländern – darunter 5 aus der Schweiz – hat darin den Kenntnisstand aufgearbeitet.

Hier kannst du die Medienkonferenz ab 10 Uhr live mitverfolgen:

Im kommenden Jahr sollen zwei weitere Teile zu den Folgen des Klimawandels und Möglichkeiten der Anpassung sowie zu Wegen zu einer Minderung der Treibhausgasemissionen folgen. Den Abschluss bildet ein Synthesebericht. Der letzte Bericht erschien 2013/2014.

Was ist seit dem letzten Bericht passiert?

Seit dem letzten Sachstandsbericht vor sieben Jahren sei die Sicherheit vieler Aussagen dank mehr Daten, besserem Verständnis der physikalischen Prozesse und verbesserter Modelle deutlich gestiegen, so die Schweizerische Akademie der Naturwissenschaften (SCNAT). Vieles sei klarer geworden, unter anderem die Rolle des Menschen.

Seit dem letzten Sachstandsbericht von 2013 sind die Treibhausgase in der Atmosphäre weiter gestiegen. Von 2013 bis 2019 erhöhten sich die durchschnittlichen Konzentrationen von CO₂ um knapp 5 Prozent, von Methan um 3,5 Prozent und von Lachgas (N2O) um 2,5 Prozent. Gian-Kasper Plattner von der Eidg. Forschungsanstalt WSL, Leitautor des IPCC-Berichtes, meint dazu:

«Der Bericht zeigt, dass die atmosphärische CO2-Konzentration im Jahr 2019 47 % höher war als zu Beginn der Industrialisierung und insgesamt höher als je zuvor in den letzten 2 Millionen Jahren.»

Hitzewellen in Südeuropa, Hochwasser in Deutschland: Was haben die Wetterextreme mit dem Klima zu tun?

Die Häufigkeit und Stärke von Hitzewellen und von extremen Niederschlägen haben seit 1950 zugenommen, schreibt die Schweizerische Akademie der Naturwissenschaften. Die Hauptursache für diese Entwicklungen stellt laut IPCC der durch den Menschen verursachte Klimawandel dar. «Bei einigen der jüngst beobachteten Hitzewellen ist es extrem unwahrscheinlich, dass sie ohne menschlichen Einfluss so aufgetreten wären», sagt Sonia Seneviratne, Professorin an der ETH Zürich und koordinierende Leitautorin vom Kapitel zu den Änderungen in Wetter- und Klimaextremen.

Wie geht es mit der Erwärmung weiter?

Bis Mitte dieses Jahrhunderts wird die globale Temperatur weiter steigen, schreiben die Autoren des Berichts. Wie stark der Anstieg sein wird, hängt von den weiteren Emissionen ab. Erich Fischer von der ETH Zürich und Leitautor des IPCC-Berichtes betont:

«Nur wenn der Kohlendioxidausstoss schon in den nächsten Jahren stark sinkt und bis Mitte Jahrhundert netto null erreicht, kann die globale Erwärmung mit mehr als 50 Prozent Wahrscheinlichkeit auf unter 1,6 Grad Celsius und höchstwahrscheinlich unter 2 Grad beschränkt werden.»

Beim pessimistischsten im Bericht betrachteten Emissionsszenario würde sich die Temperatur hingegen etwa um 4,5 Grad, im Extremfall um bis zu 5,7 Grad erhöhen.

Was bedeutet das konkret?

Auch bereits bei einer Erwärmung von nur 1,5 Grad werden Starkniederschläge oder Hitzewellen in den meisten Regionen häufiger und erreichen Intensitäten von bisher ungekanntem Ausmass. Jedes zusätzliche halbe Grad erhöht die Häufigkeit und Intensität von Hitzeextremen, Starkniederschlägen und landwirtschaftlichen und ökologischen Dürren. Die zunehmende globale Erwärmung führt auch zum weiteren Schmelzen von arktischem Meereis, Gletschern und Permafrost, abnehmender Schneebedeckung und ansteigendem Meeresspiegel.

Was heisst das für die Schweiz?

Der IPCC-Bericht betont, dass sich die Landmassen grundsätzlich stärker erwärmen als das globale Mittel und das Auftreten von Wetterextremen regional unterschiedlich ist.

«Hitzewellen, Starkniederschläge und landwirtschaftliche und ökologische Dürren werden in Westzentral-Europa, und deshalb auch in der Schweiz, mit zunehmender globaler Erwärmung vermehrt auftreten und intensiver werden.»
Sonia Seneviratne, Professorin an der ETH Zürich und koordinierende Leitautorin vom Kapitel zu den Änderungen in Wetter- und Klimaextremen
Der Weltklimarat IPCC
Angesichts der Erderwärmung gründeten zwei UN-Organisationen 1988 den Weltklimarat IPCC, der inzwischen knapp 200 Mitgliedsländer hat. Er soll aufzeigen, wie sich der Klimawandel auf Mensch und Natur auswirkt, wie er gebremst werden kann und welche Anpassungsstrategien es gibt.

Das Gremium mit Sitz in Genf forscht nicht selbst. Vielmehr werten für die jeweiligen IPCC-Berichte Hunderte eigens ausgewählte Experten Tausende Studien aus. Seit 1990 hat der Rat fünf umfassende Berichte veröffentlicht und einige zu Einzelthemen.

Für seinen Kampf gegen den Klimawandel erhielt der IPCC 2007 den Friedensnobelpreis. Der IPCC ist so erfolgreich, dass nach seinem Vorbild 2012 der Weltrat für Biologische Vielfalt IPBES initiiert wurde. (sda/dpa)

Was kann dagegen unternommen werden?

Um den Klimawandel möglichst gering zu halten, ist laut den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des IPCC eine Reduktion der CO2-Emissionen auf netto null und eine starke Verminderung weiterer Treibhausgase unumgänglich. So gilt es etwa, auch den Ausstoss von Methan rasch und stark zu senken. Je rascher die Reduktion erfolgt, umso mehr können die Erwärmung und deren Folgen minimiert werden. «Gewisse Veränderungen wie der Anstieg des Meeresspiegels oder das Abschmelzen der Eisschilde sind allerdings bereits heute für Hunderte oder Tausende von Jahren unumkehrbar», sagt Plattner. Auch der Rückgang der Gletscher wird sich gemäss dem IPCC- Bericht über Jahrzehnte fortsetzen, selbst wenn sich die globale Temperatur stabilisiert.

(red/sda)

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