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Auch durch die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg geriet das Thema Klimawandel immer mehr auf die internationale politische Agenda.
Auch durch die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg geriet das Thema Klimawandel immer mehr auf die internationale politische Agenda.
Bild: keystone

Klimawandel erklärt: Wie hängen Treibhauseffekt, Golfstrom und Erderwärmung zusammen?

In den letzten 100 Jahren wurde es auf der Erde rund 1 °C wärmer. Die Folgen des Klimawandels spüren wir Menschen direkt. Doch wie funktioniert unser Klima genau? Wie hängen Treibhauseffekt, Golfstrom und Erderwärmung zusammen?
11.07.2021, 16:14
martin oswald
Den Eisbären schmilzt ihr Lebensraum unter den Füssen weg.
Den Eisbären schmilzt ihr Lebensraum unter den Füssen weg.
bild: Imago Images, Grafik: TBM

Zugegeben, das Klima ist ein komplexes Thema. Ohne Fachwissen sind wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Klimaforschung nur schwer zu verstehen. Das machen sich Interessengruppe zu Nutze und versuchen, die Menschen in ihrer Meinungsbildung zu beeinflussen. Wir haben für Sie in diesem Artikel Fakten aus vertrauenswürdigen Quellen zusammengetragen und versuchen, die Zusammenhänge einfach zu erklären.

Wissenschaftliche Fakten zum Klimawandel

  • Fakt 1: Die Welt wird wärmer. Der globale Temperaturdurchschnitt ist im 20. Jahrhundert von –0,5 °C auf +0,7 °C gestiegen. Insbesondere in den letzten 50 Jahren hat sich die Temperatur enorm erhöht.
  • Fakt 2: Der Mensch ist verantwortlich. CO2 und andere menschengemachte Treibhausgase haben zur Folge, dass die Wärme vom Planeten nicht entweichen kann. Kohlendioxid erwärmt den Planeten. Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre hat sich seit Beginn der Industrialisierung immer weiter erhöht, allein seit 1960 um fast 50 Prozent, und mit ihr die Temperatur auf der Erde.
  • Fakt 3: Die Wissenschaft ist sich einig. Mehr als neun von zehn Klimawissenschaftlern stimmen überein, dass unsere CO2-Emissionen die Hauptursache für die globale Erwärmung sind. 2013 wurde im Rahmen einer Überprüfung von 4014 Studien entdeckt, dass 97 Prozent der Studien und 98 Prozent der Autoren zu dem Schluss kamen, dass Menschen die globale Erwärmung verursachen.
  • Fakt 4: Das Eis schmilzt rapide. Die Ausdehnung des arktischen Meereises ist messbar und liegt immer öfter unter dem langjährigen Mittel. Schmelzendes Meereis lässt den Meeresspiegel ansteigen. Seit 1900 ist der Meeresspiegel bereits um 21 Zentimeter angestiegen.
  • Fakt 5: Das Wetter wird zerstörerischer. Der Klimawandel verursacht nicht per se Unwetter, aber er macht sie wahrscheinlicher. Statistiken belegen, während Umweltkatastrophen wie Erdbeben, Tsunamis und Vulkanaktivitäten konstant geblieben sind, hat sich die Zahl der Stürme, Überschwemmungen, Erdrutsche, Dürren, Hitzewellen und Waldbrände seit 1980 mehr als verdreifacht.
  • Fakt 6: Tiere und Pflanzen werden beeinträchtigt. In einer Studie 2016 wurde festgestellt, dass von 976 untersuchten Arten 47 Prozent aus warmen Gebieten verschwunden waren, in denen sie zuvor gelebt hatten. Veränderte klimatische Bedingungen wirken sich weltweit auf das Verhalten von Pflanzen und Tieren aus, nicht alle werden sich anpassen können.
  • Fakt 7: Wir können etwas dagegen tun. Unser Tun und Handeln hat messbare Auswirkungen auf die Umwelt und so ist es möglich, durch gezielte Massnahmen der Erwärmung entgegenzuwirken.
Glaubst du, dass die Menschheit den Klimawandel noch aufhalten kann?

Wetterphänomen oder Klimawandel?

Das Wetter ist der unmittelbare Zustand der Atmosphäre über einen Zeitraum von wenigen Minuten bis mehreren Wochen. Ein einzelnes Ereignis, wie zum Beispiel ein Gewitter, eine Hitzewelle oder eine Kaltfront, ist dem Wetter zuzuordnen.

Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) definiert das Klima als die Statistik des Wetters über einen Zeitraum, der lang genug ist, um diese statistischen Eigenschaften auch bestimmen zu können. Das Wetter beschreibt den physikalischen Zustand der Atmosphäre zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort. Klima hingegen beschreibt die Abweichungen vom Durchschnittswert über eine längere Zeit. Meist wird zur Beschreibung des Klimas eine Zeitspanne von 30 Jahren als Zeitraum herangezogen. Klima ist aber nicht einfach nur durchschnittliches Wetter. Extremwerte werden ebenfalls berücksichtigt. Die wichtigsten Faktoren, mit denen man das Klima misst, sind Temperatur, Niederschlag und Wind.

Richtig ist: Es gibt keine Formel und keinen Schwellenwert, sodass man sagen könnte: «Ab 0,5 °C Erwärmung liegt Klimawandel vor.» Das hängt damit zusammen, dass sich Klimawandel nicht so leicht messen lässt wie Blutdruck oder Fieber. Es ist eine abstrakte Grösse.

Klimawandel: Definition

Wenn man das alles zusammenfasst, dann erhält man die Definition für Klimawandel, die auch der Weltklimarat verwendet.

Klimawandel liegt vor, wenn sich die Durchschnittswerte von Temperatur, Niederschlag und Wind statistisch nachweisbar und dauerhaft ändern.

Diese Definition des Klimawandels sagt übrigens noch nichts über die Ursachen aus – also ob ein Klimawandel natürlich oder vom Menschen gemacht ist. Vieles spricht dafür, dass der Mensch einen starken Anteil hat an der Erwärmung. Aber das ist nicht Teil dieser Definition.

Wie funktioniert unser Klima?

Der Begriff «Klima» ist von «klinein», dem griechischen Wort für Neigen, abgeleitet, denn unsere Jahreszeiten sind eine Folge der Neigung der Erdachse relativ zur Bahnebene der Erde um die Sonne. Gegenwärtig beträgt die Neigung 23,5 °C, wodurch während des Nordsommers die Nordhalbkugel und während des Südsommers die Südhalbkugel stärker von der Sonne bestrahlt werden.

Die im Verlaufe des Jahres unterschiedliche Sonneneinstrahlung am Äquator und am Pol sorgt für wärmere und kältere Oberflächen und damit Temperaturunterschiede in der unteren Atmosphäre. Dadurch entstehen Luftdruckunterschiede und Strömungen. Die Atmosphäre ist aber kein isoliertes System, sondern steht mit den Ozeanen, Eis und Schnee, den Tieren und Pflanzen, Gestein und Boden in permanenter Wechselwirkung.

So funktioniert das Klima auf der Erde.
So funktioniert das Klima auf der Erde.

Diese Bestandteile des Klimasystems (siehe Abbildung) bewegen sich mit völlig unterschiedlicher Geschwindigkeit und sie alle haben ganz unterschiedliche Fähigkeiten, Wärme zu speichern und weiterzuleiten. Die unterste Atmosphäre passt sich in Stunden den Bedingungen an der Oberfläche an, die Strömungen in der Tiefe des Ozeans reagiert erst in Jahrhunderten auf eine Änderung der Atmosphäre, und ein grosses Eisgebiet wie die Antarktis braucht dazu gar viele Jahrtausende.

Der Klimawandel kurz erklärt

Das Klima hat sich schon immer verändert. Dafür gibt es verschiedene Gründe, da das Klimasystem von vielen Faktoren beeinflusst wird. Neben dem menschlichen Treibhausgas- und Aerosolausstoss sowie den Veränderungen, wie wir das Land nutzen, gibt es auch viele natürliche Faktoren: Vulkaneruptionen, Veränderungen der Sonnenaktivität und der Umlaufbahn der Erde um die Sonne, Veränderungen der chemischen Zusammensetzung der Atmosphäre, Vegetationsentwicklung und viele mehr. Alle diese Faktoren beeinflussen das Klima auf unterschiedlichen Zeitskalen.

Der Rhonegletscher 2010 und 2018

Im Jahr 2018 hat sich der Rhonegletscher weit zurückgezogen, bis Ende dieses Jahrhunderts wohl ganz.
bilder: Sigi Tischler, Urs Flueeler/KEY

Während menschliche Prozesse, erdgeschichtlich gesehen, gerade sehr rasche Veränderungen herbeiführen, sind einige natürliche Faktoren für sehr langfristige Veränderungen des Klimas verantwortlich.

Der Treibhauseffekt

In Gewächshäusern, auch Treibhäusern ­genannt, wachsen Obst und Gemüse, die es warm und geschützt mögen. Durch Wände und Decken aus Glas bleibt es im Treibhaus angenehm warm. Ähnlich geht es unserer Erde. Die Sonne erwärmt mit ihren Strahlen unseren Planeten. Statt einer Decke aus Glas haben wir eine Schutzhülle aus Luft – unsere Atmosphäre. Sie macht ein Leben auf der Erde erst möglich. Ohne diese Hülle wäre die Erde eine Eiskugel, die Erdoberfläche im Mittel etwa –18 °C kalt.

Je mehr Treibhausgase in der Atmosphäre sind, desto stärker erwärmt sich die Erde.
Je mehr Treibhausgase in der Atmosphäre sind, desto stärker erwärmt sich die Erde.
grafik: CH Media

Die Gase, die unsere schützende Atmosphäre bilden, heissen Treibhausgase, ihre Wirkung «Treibhauseffekt». Die wichtigsten Treibhausgase sind Wasserdampf, Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4) und Lachgas (N2O). Durch den Treibhauseffekt wird die Erde also überhaupt erst bewohnbar.

Wie hat sich das Klima auf der Erde verändert?

Die globale Mitteltemperatur stieg in den letzten hundert Jahren um rund 1 °C.

Abweichung in Bezug auf den Zeitraum 1881–1910 (Jahresmittel in °C).
Abweichung in Bezug auf den Zeitraum 1881–1910 (Jahresmittel in °C).
daten: NASA/GISS/GISTEMP

Die Streifengrafik des Klimaforschers Ed Hawkins zeigt die globale Erderwärmung aufgeschlüsselt nach Kontinenten und Ländern. Auf den ersten Blick erkennbar, wie sich die Erwärmung in den letzten 30 Jahren akzentuiert hat.

Temperaturabweichungen in Bezug auf das langjährige Mittel.
Temperaturabweichungen in Bezug auf das langjährige Mittel.

Seit den 1980er-Jahren war jede Dekade wärmer als die vorherige und wärmer als alle vorangegangenen Jahrzehnte seit 1850. Alle zehn wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen traten seit 1998 auf. 2019 war nach Daten der US-Behörden NASA weltweit das zweitwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen und bereits das 43. Jahr in Folge, in dem die Mitteltemperatur an der Erdoberfläche über dem Durchschnitt des 20. Jahrhunderts lag.

So entwickelt sich das Klima in der Schweiz

In der Schweiz ist es heute in allen Landesteilen deutlich wärmer als früher. Die bodennahe Lufttemperatur hat über die letzten 150 Jahre um etwa 2 °C zugenommen. Diese Erwärmung ist deutlich stärker als im weltweiten Durchschnitt (0,9 °C). Neun der zehn wärmsten Jahre seit Messbeginn lagen im 21. Jahrhundert.

Obwohl die Temperaturen in der Schweiz von Jahr zu Jahr schwanken, ist die Erwärmung seit Beginn der Klimamessungen klar erkennbar.
Obwohl die Temperaturen in der Schweiz von Jahr zu Jahr schwanken, ist die Erwärmung seit Beginn der Klimamessungen klar erkennbar.
quelle: meteoschweiz

Als eine Folge dieser Erwärmung kommt es heute zu häufigeren und zu wärmeren Hitzeperioden als früher. Auch das Volumen der Alpengletscher verringerte sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts insgesamt um rund 60 Prozent. Seit 1970 hat die Anzahl der jährlichen Schneefalltage auf 2000 Meter über Meer um 20 Prozent abgenommen. Unterhalb von 800 Meter über Meer schneit es heute sogar nur noch halb so oft wie damals. Die Vegetationsperiode ist zwei bis vier Wochen länger als in den 1960er-Jahren.

Eindeutig erkennen lassen sich in bisherigen Messreihen auch zunehmende Starkniederschläge: Sie sind stärker und häufiger als zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Auch die Niederschlagsmengen im Winter haben zugenommen.

Klimatische Veränderungen in der Schweiz seit 1864.
Klimatische Veränderungen in der Schweiz seit 1864.
Daten: Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie

Es gibt aber auch Bereiche, in denen kaum Veränderungen festgestellt werden können: Niederschlagssumme im Sommer, Trockenperioden, Hochnebel und Windgeschwindigkeiten scheinen nicht oder kaum vom Klimawandel betroffen zu sein. Es kann jedoch auch sein, dass der Einfluss des Klimawandels noch nicht erkennbar ist. Die Beobachtungsbasis reicht nicht aus, um Veränderungen in kleinräumigen Phänomenen wie Gewitter, Tornado und Hagel zu bestimmen.

Ursachen für den Klimawandel

Mehr als neun von zehn Klimawissenschaftern sind sich einig. Die vom Menschen verursachten CO2-Emissionen sind die Hauptursache für die globale Erwärmung.

2013 wurde im Rahmen einer Überprüfung von 4014 Studien entdeckt, dass 97 Prozent der Studien und 98 Prozent der Autoren zu dem Schluss kamen, dass Menschen die globale Erwärmung verursachen.
2013 wurde im Rahmen einer Überprüfung von 4014 Studien entdeckt, dass 97 Prozent der Studien und 98 Prozent der Autoren zu dem Schluss kamen, dass Menschen die globale Erwärmung verursachen.
Quelle: iopscience

Interne Schwankungen

Das Klimasystem der Erde ist ein komplexes Zusammenspiel von Atmosphäre, Biosphäre, Landmassen, Ozeanen und Eismassen. Die einzelnen Komponenten tauschen ständig Energie aus, die Richtungen und Drehungen der Atmosphäre und Ozeane verändern sich stetig. Wegen dieser Umverteilungen von Wärme kommt es natürlicherweise zu kurzfristigen Schwankungen auf einer Zeitskala von Monaten bis zu Jahrhunderten.

Durch den vom Mensch verstärkten Treibhauseffekt ist im gesamten Klimasystem der Erde zusätzliche Energie vorhanden. Diese Überschussenergie verteilt sich unterschiedlich: Nur ein Prozent verbleibt in der Lufthülle der Erde, etwa 93 Prozent fliessen in die Weltmeere. Die Wärme der Ozeane ist darum ein besserer Gradmesser für die Klimaerwärmung als die stark und kurzfristig schwankende Lufttemperatur.

Äussere Einflüsse

Das Klima hat sich über die Jahrmillionen der Erdgeschichte vielfach verändert. Erdgeschichtliche Warm- und Kaltzeiten wurden vor allem hervorgerufen durch Änderungen in der Erdbahn um die Sonne und durch die Verschiebung von Kontinenten. Die dadurch verursachten Veränderungen der globalen Temperatur laufen allerdings im Vergleich zur aktuellen Erwärmung extrem langsam ab – der kürzeste der Erdbahnzyklen hat eine Dauer von 23'000 Jahren.

Ein Mann verbrennt Elektroschrott auf der grössten Elektromülldeponie Afrikas in Agbogbloshie, einem Stadtteil von Ghanas Hauptstadt.
Ein Mann verbrennt Elektroschrott auf der grössten Elektromülldeponie Afrikas in Agbogbloshie, einem Stadtteil von Ghanas Hauptstadt.
Bild: Thomas Imo/Photothek.net
Wie wird das Klima erforscht?
Erkenntnisse über das Klima der Vergangenheit werden durch Auswertung natürlicher Klimaarchive wie beispielsweise Sedimentablagerungen am Grund von Ozeanen und Seen gewonnen. Bohrungen auf Grönland und der Antarktis fördern Eis zu Tage, das Luftbläschen aus der Atmosphäre enthält, die bis zu 800'000 Jahre alt sind. So kann die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre bis weit in die Vergangenheit rekonstruiert werden. Dabei wurde offensichtlich, dass sich die Klimaveränderungen nur erklären lassen, wenn man auch den Treibhauseffekt einbezieht. Die Forschung hat natürliche Ursachen für den aktuellen, schnellen und steilen Temperaturanstieg seit Beginn der Industrialisierung ausgeschlossen. Er ist nur durch die menschengemachte Verstärkung des Treibhauseffekts erklärbar.

Welche Rolle spielt die Sonneneinstrahlung?

Das Klimasystem der Erde wird hauptsächlich von der Einstrahlung der Sonne geprägt. Daher liegt die Frage nahe, ob die in den letzten Jahrzehnten beobachteten Änderungen des Klimas nicht wesentlich von Änderungen der solaren Einstrahlung verursacht sein könnten.

Die solare Einstrahlung auf der Erde ändert sich einerseits langfristig durch Schwankungen der Umlaufbahn und der Neigung der Erde. Diese Schwankungen werden als wesentliche Ursache für die erdgeschichtliche Abfolge von Eis- und Warmzeiten angesehen. Ihre Zeitskalen sind aber viel zu lang, um plausible Erklärungen für die in den letzten Jahrzehnten beobachteten globalen Klimaänderungen liefern zu können.

Ein weiteres Indiz: Seit etwa 50 Jahren nimmt die Leuchtkraft der Sonne leicht ab – während in diesem Zeitraum der stärkste Temperaturanstieg gemessen wurde.

Welche Rolle spielt der Golfstrom?

Der Golfstrom und seine Wirbel.
Der Golfstrom und seine Wirbel.
Bild: Nasa

1513 entdeckte der Seefahrer Ponce de Leon eine starke Meeresströmung an der Oberfläche. Die Strömung führt warmes tropisches Wasser in Richtung Europa und begünstigt damit das, im Vergleich zu anderen Gebieten derselben geografischen Breite, ungewöhnlich milde Klima West- und Nordeuropas.

Der Golfstrom ist Teil eines die Weltmeere umspannenden Zirkulationssystems. Die Temperatur des Golfstroms und seine Strömung haben grossen Einfluss auf die Ökologie der Tierwelt des Atlantiks. Das mit der Strömung driftende Plankton ist Nahrungsgrundlage für zahlreiche Tiere.

Der Golfstrom führt warmes Wasser von Nordamerika in Richtung Europa und nimmt aus dem Norden kaltes Wasser wieder in Richtung Süden.
Der Golfstrom führt warmes Wasser von Nordamerika in Richtung Europa und nimmt aus dem Norden kaltes Wasser wieder in Richtung Süden.
Grafik: CH Media

Daten deuten darauf hin, dass der Golfstrom in den letzten Jahrzehnten dramatisch an Kraft verloren hat. Falls der Strom gänzlich zum Erliegen kommt, hat das Einfluss auf ein weiteres Klimaphänomen, die nordatlantische Tiefwasserströmung. Sie transportiert kaltes und salzarmes Wasser in der Tiefe entlang beider amerikanischen Kontinente bis in den antarktischen Ozean. Ohne diesen Kreislauf aus Golfstrom und Tiefwasserströmung in die Gegenrichtung verändert sich das Klima in weiten Gebieten. Forscher vermuten, dass es in Europa mehr Extremwetterereignisse geben würde.

Folgen des Klimawandels

Das Meereis schwindet

Durch die Erderwärmung schmelzen die Gletscher und das Eis an Nord- und Südpol. Sowohl das Eisvolumen in der Arktis als auch die dort mit Eis bedeckte Ozeanfläche sind seit Beginn der Satellitenmessungen 1979 stetig zurückgegangen – um durchschnittlich mehr als zehn Prozent pro Dekade. Betrug die Ausdehnung des arktischen Meereises zwischen 1980 und 1989 noch rund 7,3 Millionen Quadratkilometer, so lag dieser Wert im Zeitraum 2001 bis 2019 nur noch bei rund 4,2 Millionen Quadratkilometern.

Die Meeresspiegel steigen

Seit dem Jahr 1900 sind die Meeresspiegel im weltweiten Durchschnitt um 16 Zentimeter gestiegen, allein seit Beginn globaler Messungen per Satellit 1993 nahmen sie um neun Zentimeter zu. Ursache dieser Beschleunigung ist die immer stärkere Schmelze der Eispanzer in Grönland und der Antarktis.

Ozeane versauern, Korallen sterben

Der Säuregrad (pH-Wert) des Meerwassers stieg gegenüber der vorindustriellen Zeit um 26 Prozent. Diese Entwicklung bedroht Korallen, Muscheln oder Krebse. Grund dieser sogenannten Versauerung der Meere sind die vom Menschen verursachten Emissionen von Kohlendioxid; seit den 1980er-Jahren haben die Ozeane etwa 20 bis 30 Prozent davon aufgenommen. Sinkt der menschengemachte Ausstoss von Kohlendioxid nicht, könnte der pH-Wert bis Ende des Jahrhunderts auf Werte fallen, wie sie seit mehr als 50 Millionen Jahren nicht mehr in den Ozeanen vorkamen.

Wetterextreme nehmen zu, Ernteerträge sinken

Eine Folge der Erderwärmung ist die Zunahme von extremen Wetterverhältnissen wie Starkregen, Hagel, Stürme, Hitzewellen und lange Trockenzeiten. Hitzewellen und Dürren treten häufiger, intensiver und länger auf. Auch lokale Starkniederschläge werden weltweit intensiver. Bei tropischen Stürmen stieg zwar nicht die Gesamtzahl, aber die stärksten Tropenstürme sind häufiger geworden. Die Zunahme mancher Wetterextreme, der Temperaturanstieg und veränderte Niederschlagsmuster beeinträchtigen bereits die Sicherheit der Lebensmittelversorgung. In vielen äquatornahen Regionen sind die Erträge etwa von Mais und Weizen gesunken, in Regionen höherer Breiten dagegen gab es bessere Ernten. In Afrika schadet der Klimawandel bereits der Viehzucht.

Weil Tiere und Pflanzen sich dem rasanten Klimawandel nicht so schnell anpassen können, sind viele vom Aussterben bedroht. Ein Beispiel: Die heimische Moorlibelle wurde bereits durch eine afrikanische Libellenart verdrängt, für die es jetzt warm genug bei uns ist.

Was tut die Politik?

Bei ungebremsten Emissionen könnte bis Ende des Jahrhunderts die Erwärmung im weltweiten Durchschnitt mehr als 4 °C betragen. Auf dem UN-Klimagipfel von Paris im Jahr 2015 wurde beschlossen, dass der globale Temperaturanstieg auf «deutlich unter 2 °C» gegenüber dem vorindustriellen Niveau begrenzt werden soll – möglichst sogar auf 1,5 Grad. Setzt sich der bisherige Erwärmungstrend fort, so könnte diese Grenze jedoch bereits in gut zehn Jahren überschritten werden.

Die Lücke zwischen Pariser Abkommen und aktuellen Beiträgen der Vertragsstaaten.
Die Lücke zwischen Pariser Abkommen und aktuellen Beiträgen der Vertragsstaaten.
Quelle: Navigant, New Climate Institute (2020)

Wollen sie das Übereinkommen von Paris umsetzen, müssten die Staaten weltweit ihre Klimaschutzanstrengungen schnell und drastisch verstärken. Die aktuelle Politik würde bis Ende des Jahrhunderts einen Anstieg um rund 3 °C ergeben.

Daran ändern auch die kurzzeitigen Verringerungen der Treibhausgasemissionen während der Coronapandemie nichts. Das vom Menschen ausgestossene Kohlendioxid bleibt bis zu 2000 Jahre in der Atmosphäre.

Unterschied zwischen 2005 und 2018 in Prozent.
Unterschied zwischen 2005 und 2018 in Prozent.
Daten: United Nations Framework Convention on Climate Change

Auch wenn es zweifellos eine grosse Herausforderung ist: Schnelle und drastische Minderungen der Treibhausgasemissionen sind möglich, das zeigen zahlreiche Studien und praktische Erfahrungen. Viele der dafür notwendigen Technologien existieren. Etliche Staaten haben in den vergangenen Jahren ihren Ausstoss an Treibhausgasen gesenkt. So gelang es beispielsweise Dänemark oder Grossbritannien, zwischen 2005 und 2017 die Emissionen um mehr als einen Drittel zu mindern (siehe Grafik). Auch der Ausstieg aus der Kohle-Energie geht voran: Belgien und Schweden zum Beispiel haben ihn bereits vollzogen.

Die nächste Klimakonferenz soll vom 1. bis 12. November 2021 stattfinden.

Unumkehrbare Folgen drohen

Einige Elemente im Klimasystem der Erde ändern sich bei steigender Temperatur nicht allmählich, sondern sprunghaft. Die Wissenschaft hat mehr als ein Dutzend solcher sogenannten Kipp-Elemente identifiziert: Bei bestimmten Temperaturschwellen «kippen» sie, und eine Rückkehr zum vorherigen Zustand ist dann praktisch unmöglich. Ein Beispiel ist das Eis auf Grönland: Es ist gegenwärtig kilometerdick, sodass die Oberfläche in einer Höhe liegt, in der es kühler ist. Schmilzt es, sinkt die Oberfläche in wärmere Luftschichten und schmilzt immer schneller.

Als weitere Kipp-Elemente gelten die Vernichtung des Amazonas-Regenwalds oder das Absterben tropischer Korallenriffe. Manche Kipp-Elemente verstärken die globale Erwärmung zusätzlich, weil sie weitere Treibhausgase freisetzen. Dies gilt etwa für das Auftauen von Permafrostböden, wodurch riesige Mengen Methan oder Kohlendioxid freigesetzt werden könnten.

Daher ist das Tempo des Klimaschutzes ein so entscheidender Faktor: Um Kipp-Punkte nicht zu überschreiten, müssten die Treibhausgasemissionen schnell sinken. Denn selbst wenn die Menschheit in Zukunft das Klima wieder auf ein Niveau vor der Industrialisierung abkühlen könnte, würde das nichts mehr am Verlust von Grönlandeis, Amazonas-Regenwald oder Korallenriffen und die daraus folgenden Konsequenzen wie der Anstieg der Meeresspiegel oder das Artensterben ändern.

Tipps für einen klimafreundlichen Lebensstil

Hier einige Tipps, wie du mit einfachen Massnahmen deinen eigenen ökologischen Fussabdruck und deine CO2-Emissionen reduzieren und so zum Klimaschutz beiträgst:

Umweltfreundlicher reisen

  • Nutze öffentliche Verkehrsmittel wie die Bahn oder den Bus. Beispielsweise ist es in der Schweiz 25-mal besser, mit dem Zug zu fahren als mit dem Auto.
  • Verzichte, wann immer möglich, aufs Fliegen. Die Treibhausgasbilanz von Flugreisen weist im Vergleich zu anderen Transportmitteln die mit Abstand höchsten Emissionen auf.
  • Voll besetzte Autos haben pro Person einen kleineren Energieverbrauch und verursachen deshalb weniger CO₂-Emissionen als ein Auto mit nur einem Insassen.
Der Ökologische reist im Zuge.
Der Ökologische reist im Zuge.
Bild: keystone

Energiesparen im Haushalt

  • Verwende Energiesparlampen und LEDs. Aufgrund deutlich besserer Energieeffizienz sowie längerer Lebensdauer werden finanzielle Einsparungen von über 100 Franken und CO₂-Einsparungen von 250 kg pro Jahr und Lampe erzielt.
  • Schalte das Licht aus, wenn du einen Raum verlässt. So sparst du Strom, Geld und schützt das Klima.
  • Die Vorbereitung und Erwärmung von Wasser ist energieaufwendig. Daher ist eine kurze Dusche klimafreundlicher als ein Vollbad.
  • Schalte Geräte im Stand-by-Betrieb komplett aus.
  • Kühlschränke und andere Geräte der Kategorie A+ oder A++ sind wesentlich effizienter als Geräte ohne Energieeffizienzzeichen.
  • Ständig geöffnete Fenster bedeuten beim Heizen einen hohen Energieverbrauch. Stosslüften über fünf bis zehn Minuten reichen aus, um frische Luft ins Haus zu lassen.
  • Senkt man die Raumtemperatur um 1 °C, kann man dadurch mindestens vier Prozent Energie sparen. Und deine Heizkosten sinken ebenfalls.
  • Geringere Waschtemperaturen reduzieren den Energieverbrauch. Mit modernen Waschmitteln werden deine Kleider auch bei tiefer Wassertemperatur sauber.
  • Trockne deine Wäsche an der Sonne, eine kostenlose und emissionsfreie Alternative.
  • Koche mit aufgelegtem Topfdeckel und spare dadurch Energie.
Es müssen nicht immer 60 Grad sein beim waschen.
Es müssen nicht immer 60 Grad sein beim waschen.
bild: shutterstock

Konsumverhalten überdenken

  • Mach dir dein eigenes Konsumverhalten bewusst und entscheide aktiv, was du wirklich brauchst. Moderne Marketingstrategien verleiten schnell zu unüberlegten Kaufentscheidungen.
  • Nutze Verleihdienste, speziell für selten benötigte Produkte, oder gemeinschaftliche Nutzungssysteme wie Carsharing.
  • Bedenke, dass jedes Produkt, nicht nur elektronische Geräte, in der Herstellung und Produktion bis hin zum Verkauf Treibhausgasemissionen verursachen.
  • Iss regionale Produkte und weniger Fleisch. Die CO₂-Emissionen von tierischen Produkten übersteigen die Emissionen pflanzlicher Produkte enorm. Ein Kilogramm Obst oder Gemüse verursachen Emissionen in der Höhe von 1 kg CO₂, die Treibhausgasbilanz von Rindfleisch liegt dagegen bei knapp 20 kg CO₂ pro Kilogramm.
Früchte schneiden im Vergleich mit Fleisch viel besser ab.
Früchte schneiden im Vergleich mit Fleisch viel besser ab.
Bild: Shutterstock

Inspiration

Filmtipps

Quellen:

Bericht: Basisfakten zum Klimawandel.

The Impact of the Revised Sunspot Record on Solar Irradiance Reconstructions. Solar Physics, Vol. 291, 2951–2965.

Quantifying the consensus on anthropogenic global warming in the scientific literature

National Centre for Climate Services NCCS

National Geografic: Fakten zum Klimawandel

myclimate

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