Das waren die tödlichsten und kostspieligsten Erdbeben im 21. Jahrhundert
Erdbeben sind auf unserem Planeten alltäglich. Immer wieder kommt es zu kleineren Erschütterungen und auch grössere Beben sind keine Seltenheit. Im 21. Jahrhundert kam es bereits zu 922 Beben mit einer Stärke von 7,0 oder mehr oder mit mindestens einem Todesopfer. An den Grenzen der Kontinentalplatten ist die Gefahr grosser Erdstösse besonders hoch, wie die Karte der schwersten Erdbeben im 21. Jahrhundert eindrücklich zeigt.
Die beiden Erdbeben mit einer Magnitude von 7,5 und 7,2 in Venezuela traten innerhalb von rund 39 Sekunden entlang einer tektonischen Bruchstelle auf, an der mehrere Erdplatten aneinander stossen. Insbesondere die karibische Platte und die südamerikanische Platte bewegen sich am Nordrand des südamerikanischen Kontinents gegeneinander, was immer wieder zu kleineren Erdbeben führt. Die jüngsten Erdbeben waren gemäss Experten jedoch die stärksten in der Region seit rund 100 Jahren.
Noch ist die Lage unübersichtlich. Die Behörden sprechen von bislang 165 Todesopfern und über 1000 Verletzten. Laut Suchlisten in den Sozialen Medien gelten am Tag nach der Katastrophe noch rund 14'000 Menschen als vermisst. Die Daten lassen sich allerdings schwer verifizieren. Trotzdem dürften die Beben in Venezuela zu den verheerendsten im 21. Jahrhundert gehören.
Die tödlichsten Erdbeben
1. Erdbeben in Haiti 2010
316'000 Tote
Am 12. Januar 2010 erschüttert ein Erdbeben der Stärke 7,2 den Karibikstaat Haiti, eines der ärmsten Länder der Welt. Bei der Katastrophe sterben laut der haitianischen Regierung 316'000 Menschen. 1,5 Millionen verlieren ihr Dach über dem Kopf. Die Hauptstadt Port-au-Prince, in deren Nähe das Epizentrum liegt, wird fast komplett zerstört.
2. Erdbeben im Indischen Ozean 2004
227'898 Tote
Ein Seebeben mit einer Magnitude von 9,1 und einem Epizentrum 85 Kilometer vor der indonesischen Insel Sumatra löst am 26. Dezember 2004 eine Reihe von Tsunamis aus, denen fast 230'000 Menschen zum Opfer fallen. In den Küstengebieten sind Einheimische und Touristen den Monsterwellen schutzlos ausgeliefert.
3. Erdbeben in Sichuan 2008
87'589 Tote
Am 12. Mai 2008 bebt in der zentralchinesischen Provinz Sichuan die Erde. Das Epizentrum des Bebens mit einer Magnitude von 7,9 liegt nur etwa 75 Kilometer nordwestlich der Millionenstadt Chengdu und in geringer Tiefe, was zu grossen Schäden führt. 5,8 Millionen Menschen werden obdachlos, 87'589 sterben.
4. Erdbeben in Kaschmir 2005
87'351 Tote
Ein Erdbeben der Stärke 7,6 macht am 8. Oktober 2005 in der von Pakistan verwalteten Region Asad Kaschmir einen etwa 100 km langen Bruch auf, entlang dessen fast alle Gebäude zerstört werden. Zahlreiche Dörfer werden buchstäblich dem Erdboden gleichgemacht. 87'351 Tote sind zu beklagen, 780'000 Gebäude werden zerstört.
5. Erdbeben in der Türkei und Syrien 2023
62'013 Tote
Ein Beben der Stärke 7,8 erschüttert am 6. Februar 2023 das türkisch-syrische Grenzgebiet, wenige Stunden später folgt ein weiteres Beben der Stärke 7,5. Über 62,000 Tote werden geborgen und mehr als 78'100 Verletzte registriert. Ausserdem werden Tausende Gebäude zerstört, darunter auch zwei Spitäler in der Türkei. Starke Niederschläge und Kälte erschweren zudem die Rettungsarbeiten, die sich übere mehrere Tage erstrecken.
6. Erdbeben von Bam 2003
26'271 Tote
Am frühen Morgen des 26. Dezember 2003 verwüstet ein Beben der Stärke 6,6 die Region um die historische Stadt Bam in der südiranischen Provinz Kerman. In der 100'000-Einwohner-Stadt an der Seidenstrasse fallen die meisten Lehmziegelbauten in sich zusammen und begraben über 25'000 Menschen unter sich.
7. Tohoku-Erdbeben 2011
20'852 Tote
Das Seebeben vor der japanischen Region Tohoku am 11. März 2011 geht als grösste Nuklearkatastrophe seit Tschernobyl in die Geschichte ein. Mit einer Stärke von 9,1 löst das Beben zunächst mehrere Tsunami-Wellen aus, die auf einer Fläche von mehr als 500 km² die japanische Pazifikküste überfluten. Fast 21'000 Menschen verlieren ihr Leben, rund 400'000 Gebäude werden vollständig zerstört. Nachdem das Kernkraftwerk Fukushima von einer 14 Meter hohen Welle getroffen worden ist, kommt es dort zu mehreren Unfällen und dem Austritt von Radioaktivität.
8. Erdbeben in Gujarat 2001
20'085 Tote
Am 26. Januar 2001, am Morgen des indischen Tags der Republik, erschüttert ein Beben der Stärke 7,7 den indischen Bundesstaat Gujarat. Durch die lockeren Sedimentböden können die seismischen Schwingungen eine besonders destruktive Wirkung entfalten: Mehr als 20'000 Menschen sterben, 166'836 werden verletzt.
9. Erdbeben in Nepal 2015
9018 Tote
Im Frühling 2015 ereignen sich in Nepal gleich mehrere grosse Erdbeben. Das erste und stärkste mit einer Magnitude von 7,8 erschüttert am 25. April das Land. Am stärksten betroffen sind das Kathmandutal und in der Nähe liegende Täler, wo viele Menschen unter den Trümmern von einstürzenden Häusern oder unter Gerölllawinen begraben werden. 9018 verlieren ihr Leben, 22'300 werden verletzt.
10. Erdbeben von Yogyakarta 2006
5782 Tote
Am 27. Mai 2006 lässt ein Erdbeben im Sultanat Yogyakarta auf der indonesischen Insel Java böse Erinnerungen an den verheerenden Tsunami von 2004 aufkommen. Da es ein Landbeben ist und die Stärke mit 6,3 deutlich geringer ausfällt, kommt es aber nicht zur Bildung von Monsterwellen. Trotzdem kommen bei der Katastrophe 5782 Menschen ums Leben, 350'000 Gebäude werden zerstört oder beschädigt.
Die stärksten Erdbeben
Nicht immer sind die stärksten Erdbeben auch die verheerendsten. Bei den drei Erdbeben vor Sumatra in den Jahren 2005, 2007 und 2012 entstanden trotz der hohen Bebenstärke jeweils Tsunamis mit einer maximalen Wellenhöhe von rund einem Meter, die nur geringen Schaden anrichteten.
Allgemein hängt die Opferzahl einerseits von physischen (Magnitude, Dauer, Entfernung vom Epizentrum), andererseits von menschlichen Faktoren (Siedlungsdichte, vorherrschende Bauweise, Schutzmassnahmen) ab.
- Erdbeben im Indischen Ozean 2004
Magnitude 9,1 – 227'898 Tote - Tohoku-Erdbeben 2011
Magnitude 9,0 – 20'852 Tote - Erdbeben in Chile 2010
Magnitude 8,8 – 550 Tote - Erdbeben vor Kamtschatka 2025
Magnitude 8,8 – 1 Toter - Erdbeben vor Sumatra 2005
Magnitude 8,6 – 1313 Tote - Erdbeben vor Sumatra 2012
Magnitude 8,6 – 10 Tote - Erdbeben vor Sumatra 2007
Magnitude 8,5 – 25 Tote - Erdbeben vor Peru 2001
Magnitude 8,4 – 145 Tote - Erdbeben von Coquimbo 2015
Magnitude 8,3 – 20 Tote - Erdbeben von Tokachi 2003
Magnitude 8,3 – 2 Tote
Die kostspieligsten Erdbeben
Wie hoch die Kosten sein werden, welche die beiden Erdbeben Venezuela verursacht haben, ist noch schwer abzuschätzen. Bilder aus dem betroffenen Gebieten zeigen, dass mehrere Häuser komplett eingestürzt sind. Seit der Jahrtausendwende waren es vor allem Beben in reicheren Ländern (Japan, China, USA, Neuseeland, Italien), die extrem hohe Kosten verursachten.
- Tohoku-Erdbeben 2011 (JPN)
360 Milliarden US-Dollar - Erdbeben in Syrien und der Türkei (TUR/SYR)
163,3 Milliarden US-Dollar - Erdbeben in Sichuan 2008 (CHN)
130 Milliarden US-Dollar - Northridge-Erdbeben 1994 (USA)
40 Milliarden US-Dollar - Chuetsu-Erdbeben 2004 (JPN)
40 Milliarden US-Dollar - Kobe-Erdbeben 1995 (JPN)
30 bis 200 Millionen US-Dollar - Christchurch-Erdbeben von 2011 (NZL)
27,9 Milliarden US-Dollar - Kumamoto-Erdbeben 2016 (JPN)
24 bis 46 Milliarden US-Dollar - Erdbeben in Sikkim 2011 (IND)
22,3 Milliarden US-Dollar - Irpina-Erdbeben 1980 (ITA)
20 Milliarden US-Dollar - Erdbeben von Spitak 1988 (ARM)
16,2 Milliarden US-Dollar - Erdbeben von L’Aquila 2009 (ITA)
16 Milliarden US-Dollar - Erdbeben in Norditalien 2012 (ITA)
15,8 Milliarden US-Dollar - Erdbeben im Indischen Ozean 2004 (IND)
15 Milliarden US-Dollar - Erdbeben in Chile 2010 (CHL)
15 Milliarden US-Dollar
