Orcas lassen Mondfische explodieren – womöglich einfach aus Spass
Orcas sind als hochintelligente und skrupellose Jäger bekannt. Sie greifen dafür auf ein regelrechtes Repertoire an Jagdstrategien zurück und erlegen sogar Arten, die grösser als sie selbst sind. Forscher beobachteten kürzlich im Golf von Kalifornien (Mexiko) ein bisher unbekanntes, rätselhaftes Verhalten: Ein Orca hielt den Kadaver eines Mondfisches, dessen Artgenossen bis zu mehr als zwei Tonnen schwer und drei Meter lang werden, woraufhin ein weiterer Orca mit vollem Tempo auf den Fisch zuschoss. Das Resultat war, dass der Mondfisch in unzählige Teilchen zerbarst.
Ein Jungtier der Gruppe begann daraufhin, die Teilchen des Mondfischs zu fressen. Die erwachsenen Orcas machten sich über die Überreste des Körpers her, liessen die kleinen Fetzen allerdings unbeachtet.
Nicht nur elterliche Fürsorge
«Wir vermuten, dass dies jüngeren Orcas die Nahrungsaufnahme erleichtert», erklärt Meeresbiologin Dr. Kathryn Ayres, die das Phänomen mit der Kamera festhielt, im Wissenschaftsjournal Frontiers. Das beobachtete Verhalten könne unter anderem als Form elterlicher Fürsorge interpretiert werden. Das Aufteilen des Kadavers in für das Kalb besser handhabbare Stücke decke sich mit zuvor beobachteten Verhaltensweisen. «Orcas zerreissen ihre Beute oft und teilen sie mit anderen Gruppenmitgliedern, darunter Kälbern und Jungtieren», erklärt Ayres.
Allerdings könne man laut der Forscherin nicht ausschliessen, dass es sich dabei um reine Unterhaltung handle. «Orcas sind dafür bekannt, mit ihrer Beute zu spielen», erklärt die Meeresbiologin.
Forscher entdecken immer wieder neue Techniken, mit denen Orcas jagen und ihre Beute verarbeiten. «Sie gehören zu den bekanntesten Meeresräubern der Welt und überraschen uns dennoch immer wieder», so Ayres. (jus)
