«Das ist reine Physik»: Hochwassergefahr ist nach Hitzesommer riesig
Wir erleben bereits den zweiten Jahrhundertsommer nach 2003. Weitere Hitzesommer in dieser Grössenordnung sind in diesem Jahrhundert wohl noch zu erwarten. Die Frage ist aber, welche Auswirkungen der aktuelle Hitzesommer auf den kommenden Herbst hat.
Die Böden sind wie Beton, trocken und aufgeheizt – ist mit einem unwetterreichen Herbst zu rechnen? Die Wahrscheinlichkeit sei hoch, dass es zu Hochwassern kommen werde, sagt SRF-Meteo-Chef Gaudenz Flury. «Das ist reine Physik, keine Raketenwissenschaft.»
Wenn das Mittelmeer wie jetzt fünf Grad wärmer ist als üblich, saugt ein darüberziehendes Tief viel mehr Feuchtigkeit auf. Deshalb hat ein Tief über dem Mittelmeer dann viel mehr Feuchtigkeit im Gepäck, die später bei uns als Regen fällt und zu einem Unwetter führen kann.
Dafür braucht es dann noch die richtige Wetterlage, welche diese Feuchtigkeit zu uns bringt. Drücken die schweren Wolken an den Alpen-Südhang oder zieht ein Tief östlich um die Alpen herum und drückt die feuchte Luft von Norden wieder gegen die Alpen, kann es besonders niederschlagsreiche Unwetter geben.
Gleichzeitig enthält wärmere Luft wie aktuell grundsätzlich mehr Wasserdampf. Deshalb kann bei passenden Wetterlagen deutlich mehr Niederschlag über unser Land fallen. Ein Effekt, den auch die Erderwärmung erzeuge, sagt Flury.
Der harte Boden wird das Wasser nicht aufnehmen
Bleibt es auch den Rest des Sommers so trocken, wird der Regen auf extrem trockene Böden treffen, welche das Wasser gar nicht aufnehmen können. Das heisst, das Wasser aus einem Starkregen wird schnell abfliessen, Keller füllen und Bäche und Flüsse anschwellen lassen. Hochwasser wären diesen Herbst somit keine Überraschung. Das sei keine Prognose, sondern eine Wahrscheinlichkeit, sagt der SRF-Meteorologe. Denn vielleicht hat der Regen bis dahin die Böden längst wieder aufgeweicht.
Ob es wegen des Potenzials für niederschlagsreiche Unwetter auch stürmisch werde im Herbst, könne man nicht sagen, erklärt Flury. Ob und wie viele Sturmtiefs tatsächlich auftreten, hänge nicht nur von der Menge der Feuchtigkeit, sondern wesentlich von der grossräumigen atmosphärischen Zirkulation ab. Zum Beispiel von der Lage des Jetstreams und der vorherrschenden Druckverteilung.

