Wissen
Schweiz

SRF-Meteorologe Gaudenz Flury: Riesige Hochwassergefahr nach Hitzesommer

Ein Frau geniesst die Sonne auf einer vertrockneten Wiese, am Mittwoch, 12. August 2026 in Kilchberg. (KEYSTONE/Andreas Becker)
Die Böden sind diesen Sommer hart wie Beton und braun statt grün, wie hier in Kilchberg.Bild: Andreas Becker/Keystone

«Das ist reine Physik»: Hochwassergefahr ist nach Hitzesommer riesig

Das Mittelmeer ist ungewöhnlich warm, die Böden sind ausgetrocknet. SRF-Meteorologe Gaudenz Flury erklärt, warum damit das Risiko für Starkregen und Hochwasser im Herbst steigt.
15.08.2026, 20:1515.08.2026, 20:15
Bruno Knellwolf
Bruno Knellwolf

Wir erleben bereits den zweiten Jahrhundertsommer nach 2003. Weitere Hitzesommer in dieser Grössenordnung sind in diesem Jahrhundert wohl noch zu erwarten. Die Frage ist aber, welche Auswirkungen der aktuelle Hitzesommer auf den kommenden Herbst hat.

Die Böden sind wie Beton, trocken und aufgeheizt – ist mit einem unwetterreichen Herbst zu rechnen? Die Wahrscheinlichkeit sei hoch, dass es zu Hochwassern kommen werde, sagt SRF-Meteo-Chef Gaudenz Flury. «Das ist reine Physik, keine Raketenwissenschaft.»

Wenn das Mittelmeer wie jetzt fünf Grad wärmer ist als üblich, saugt ein darüberziehendes Tief viel mehr Feuchtigkeit auf. Deshalb hat ein Tief über dem Mittelmeer dann viel mehr Feuchtigkeit im Gepäck, die später bei uns als Regen fällt und zu einem Unwetter führen kann.

Dafür braucht es dann noch die richtige Wetterlage, welche diese Feuchtigkeit zu uns bringt. Drücken die schweren Wolken an den Alpen-Südhang oder zieht ein Tief östlich um die Alpen herum und drückt die feuchte Luft von Norden wieder gegen die Alpen, kann es besonders niederschlagsreiche Unwetter geben.

Gleichzeitig enthält wärmere Luft wie aktuell grundsätzlich mehr Wasserdampf. Deshalb kann bei passenden Wetterlagen deutlich mehr Niederschlag über unser Land fallen. Ein Effekt, den auch die Erderwärmung erzeuge, sagt Flury.

Eine Tafel erinnert die Menschen an das Feuerverbot wegen anhaltender Trockenheit, fotografiert am Montag, 27. Juli 2026 in Freienstein-Teufen. (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Viel zu wenig Wasser: ein ausgetrocknetes Sonnenblumenfeld in Freienstein-Teufen.Bild: Gaëtan Bally/Keystone

Der harte Boden wird das Wasser nicht aufnehmen

Bleibt es auch den Rest des Sommers so trocken, wird der Regen auf extrem trockene Böden treffen, welche das Wasser gar nicht aufnehmen können. Das heisst, das Wasser aus einem Starkregen wird schnell abfliessen, Keller füllen und Bäche und Flüsse anschwellen lassen. Hochwasser wären diesen Herbst somit keine Überraschung. Das sei keine Prognose, sondern eine Wahrscheinlichkeit, sagt der SRF-Meteorologe. Denn vielleicht hat der Regen bis dahin die Böden längst wieder aufgeweicht.

Ob es wegen des Potenzials für niederschlagsreiche Unwetter auch stürmisch werde im Herbst, könne man nicht sagen, erklärt Flury. Ob und wie viele Sturmtiefs tatsächlich auftreten, hänge nicht nur von der Menge der Feuchtigkeit, sondern wesentlich von der grossräumigen atmosphärischen Zirkulation ab. Zum Beispiel von der Lage des Jetstreams und der vorherrschenden Druckverteilung.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die Gletscher der Schweiz
Historisches August-Niedrigwasser: Rhein legt bei der Insel Werd riesige Flächen frei
Video: extern
Das könnte dich auch noch interessieren:
Darum färbt sich der Himmel im Herbst so schön
Der Herbst ist prädestiniert für spektakuläre Sonnenunter- und -aufgänge. Aber warum eigentlich ausgerechnet jetzt?
Die Sonne geht unter, und der Himmel leuchtet in den kräftigsten Pink-, Violett- und Orangetönen. Dasselbe Spektakel ereignet sich am nächsten Morgen. Kriegen wir das im Sommer einfach nicht so oft mit? Oder gibt es einen bestimmten Grund, warum Sonnenauf- und -untergänge im Herbst so magisch wirken?
Zur Story