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Gunnar Jauch erklärt, wie man Seifenblasen fabriziert video: watson/gina schuler

Solidarität nach Busse wegen Seifenblasen: Am Samstag sollen für Gunnar Jauch die Seifenblasen steigen

Zwei Mal wollte ihn das Stadtrichteramt bereits dafür büssen, dass er Seifenblasen pustet. Doch Gunnar Jauch denkt nicht im Geringsten daran, klein bei zu geben. Am Samstag wollen Freunde und Sympathisanten Seifenblasen steigen lassen.



Gunnar Jauch tunkt die präparierten Fischerruten ins Seifenwasser und zieht langsam die Stäbe auseinander. Eine riesige Blase fliegt über den Zürichsee. Jauchs konzentrierte Miene hellt sich auf, ein Lächeln huscht über sein Gesicht. «Fasch e chli vil Wind», sagt Jauch, der Rebell mit der farbigen Mütze und dem «We are the 99 Percent»-Pin.

Wie fast jeden Nachmittag steht der Pensionär am Ufer des Zürichsee beim Bürkliplatz und zaubert Seifenblasen in die Luft. Bewaffnet mit zwei Koffern und Bidons voller Seifenwasser will er «mit ganz wenigen Mitteln ganz viel Freude bereiten», sagt Jauch. Doch was er da tut, passt der Polizei nicht: Schon zwei Mal wollte ihn das Stadtrichteramt fürs Seifenblasenmachen büssen. Jauch weigert sich. «Gaht's no?». Lieber sitze er die Strafe im Gefängnis ab, anstatt zu bezahlen. 

Jauch hat die Busse auf Facebook gepostet und damit unverhofft eine revolutionäre Bewegung angezettelt: Am Samstag wollen sich Freunde und Sympathisanten auf dem Bürkliplatz treffen und Seifenblasen steigen lassen. «You gotta fight for your right to bubble». Fast 400 haben sich bereits angemeldet. «Krass!», sagt Jauch, Schalk blitzt in seinen Augen auf. 

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Gunnar Jauch
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Die kindliche Seele bewahrt

Jauch tunkt weiter Fischerruten in die Kübel, am Handgelenk baumelt ein Teil einer Velokette. Sieben Seifenblasen-Stangen hat er präpariert, aus alten Fischerruten und Wollschnüren, «kriegst du alles im Internet», sagt Jauch. Für die Kinder gibt's eine kleine Version aus Bambusstäben. «Muesch die neh», weist Jauch einen Jungen an, der gerade übermütig eine Fischerrute packen will.

«Die Kleinen freut's am meisten», sagt Jauch. «Und die Achtsamen, die sich ihre kindliche Seele bewahrt haben», sagt Jauch. Besonders in einer Zeit, in der alle nur an Selbstoptimierung und Karriere dächten. Er selber sei früher auch sehr angepasst gewesen, vielleicht zu angepasst. Nach dem Studium arbeitete er zeitlebens als Architekt, ohne durchschlagenden Erfolg, aber gut genug zum Leben. Umtriebig sei er aber schon immer gewesen, habe sich für Malerei und Literatur interessiert, Mandarin gelernt. 

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«Sääälfiis, fürchterlich!»

Erst mit dem Alter sei er wütend geworden, erzählt Jauch. Wütend auf Missstände in der Gesellschaft, auf Ungerechtigkeit, auf tatenlose Zeitgenossen. «Das gaht eim uf de Sack!». Während der Occupy-Bewegung verkleidete sich Jauch als Geldmonster, zeltete auf dem Lindenhof und sprach mit anderen Menschen darüber, wie diese Welt zu einem besseren Ort werden könnte. «Meine Freunde halten mich für verrückt», sagt Jauch. 

Manchmal ärgert er sich aber auch über kleine Dinge, wenn Leute «Sääälfiis» machen beispielsweise. «Fürchterlich!», sagt Jauch. Und wenn die Jugendlichen kommen und «Oh mein Gott!» sagen, würde er ihnen am liebsten die Seifenblase mitten ins Gesicht pusten. Sonst aber ist Jauch zufrieden. Besonders hier und jetzt. Wenn dutzende Seifenblasen in den Himmel steigen, ist alles für einen Moment in Ordnung.

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bild: watson/gina schuler

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