Die Resultate im Kanton Zürich stehen fest: So ergeht es den kantonalen Vorlagen
Die Stimmbevölkerung im Kanton Zürich hat am Sonntag alle drei Wohn-Initiativen abgelehnt. Bei den beiden linken Initiativen setzten sich die Gegenvorschläge durch.
Die Zürcher Stimmberechtigten haben am Sonntag eine klare Richtung beim Thema Wohnen eingeschlagen. Im Verlaufe des Nachmittags zeichnete sich ab, dass sowohl die beiden linken Wohn-Initiativen als auch die bürgerliche Wohneigentums-Initiative an der Urne scheiterten. Bei den linken Vorlagen folgten die Bürger den Gegenvorschlägen des Kantonsrats.
Damit wählten die Stimmbürger einen Mittelweg. Sie erteilten sowohl umfassenden staatlichen Markteingriffen von links als auch starren Quotenregelungen von bürgerlicher Seite eine Absage. Die Umsetzung der Wohnpolitik wird nun vorerst über die vom Parlament ausgearbeiteten Gegenvorschläge fortgeführt.
Die Zürcher Stimmberechtigten erlauben hingegen «Temporär-Politiker»: Kantonsratsmitglieder können sich künftig für eine Dauer von drei bis zwölf Monaten vertreten lassen.
Bei der kantonalen «Stopp-Prämienschock»-Initiative der Zürcher SVP bahnt sich eine überraschendes Ja an. Die höheren Steuerabzüge für Krankenkassenprämien würden zu tieferen Steuereinnahmen bei Kanton und Gemeinden führen. Gemäss den Hochrechnungen des statistischen Amts wird ein Ja-Stimmenanteil von 53,1 Prozent erwartet. Das Vertrauensintervall der Hochrechnung ist allerdings noch gross, so dass auch noch ein Nein möglich sein könnte.
Bei den städtischen Abstimmungen zeichnet sich in Zürich zudem ein Ja zum Bau des Tram Affoltern ab. In 6 von 9 Wahlkreisen sprachen sich 68 Prozent dafür aus. Der betroffene Kreis 11 sagte mit 65 Prozent Ja. In Winterthur hingegen gab es ein sehr deutliches Ja zum Ausbau der Kläranlage Hard. Die Bauarbeiten für das 276-Millionen-Projekt werden rund zehn Jahre dauern, weil die Anlage nicht abgestellt werden kann und unter Betrieb ausgebaut werden muss.
Hier die Resultate zu den kantonalen Vorlagen im Überblick:
Kanton Zürich: Vertretung von Kantonsratsmitgliedern
Die Resultate:
Verfassung des Kantons Zürich (Änderung vom 15. September 2025; Vertretung von Kantonsratsmitgliedern)
Ausgezählt: 160/160 | Stand: Schlussresultat
64,1% Ja
35,9% Nein
Darum geht es: Der Kantonsrat will eine Stellvertretung für Parlamentsmitglieder ermöglichen. Laut Abstimmungsbroschüre könnten sich Kantonsratsmitglieder künftig vertreten lassen, wenn sie wegen Mutterschaft, Krankheit oder Unfall während mindestens drei und höchstens zwölf Monaten ausfallen. Die Ersatzperson käme in der Regel von derselben Liste und übernähme Rechte und Pflichten. Damit die beschlossenen Änderungen des Kantonsratsgesetzes und des Gemeindegesetzes in Kraft treten können, braucht es eine Änderung der Kantonsverfassung.
Kanton Zürich: Wohneigentums-Initiative
Die Resultate:
Kantonale Volksinitiative «Wohneigentum wieder ermöglichen (Wohneigentums-Initiative)»
Ausgezählt: 160/160 | Stand: Schlussresultat
25,1% Ja
74,9% Nein
Darum geht es: Diese Initiative verlangt, dass bei Wohnbauprojekten mit Beteiligung von Kanton oder Gemeinden gleich viele selbst genutzte Eigentumswohnungen wie Mietwohnungen entstehen. Laut Initiantinnen und Initianten soll damit der Zugang zu Wohneigentum für den Mittelstand verbessert werden. Das so geschaffene Wohneigentum müsste ohne Gewinn verkauft werden, Kanton und Gemeinden hätten während 30 Jahren ein Rückkaufsrecht.
Kanton Zürich: «Wohnungsinitiative»
Die Resultate:
A. Kantonale Volksinitiative für mehr günstige und gemeinnützige Wohnungen («Wohnungsinitiative»)
Ausgezählt: 160/160 | Stand: Schlussresultat
40,3% Ja
59,7% Nein
B. Gegenvorschlag des Kantonsrates vom 17. November 2025
Ausgezählt: 160/160 | Stand: Schlussresultat
57,9% Ja
42,1% Nein
C. Stichfrage: Welche der beiden Vorlagen soll in Kraft treten, falls sowohl die kantonale Volksinitiative als auch der Gegenvorschlag des Kantonsrates angenommen werden?
Ausgezählt: 160/160 | Stand: Schlussresultat
39,3% Initiative
60,7% Gegenvorschlag
Darum geht es: Die Wohnungsinitiative will den Kanton stärker in die Bereitstellung von Wohnraum einbinden. Laut Initiativkomitee soll eine kantonale öffentlich-rechtliche Wohnbauanstalt gegründet werden, die günstigen Wohnraum erstellt, unterhält oder vermietet und Bauland im Baurecht abgibt. Dafür müsste der Kanton mindestens 500 Millionen Franken bereitstellen und geeignete Grundstücke aus dem Finanzvermögen übertragen. Zudem sollen nachhaltige Bauweisen berücksichtigt werden.
Kantonsrat und Regierungsrat haben einen Gegenvorschlag dazu unterbreitet. Der Kanton soll demnach günstige Rahmenbedingungen schaffen, damit insgesamt mehr Wohnungen entstehen und die Mietpreisentwicklung gedämpft wird. Dazu zählen einfachere raumplanerische und baurechtliche Vorgaben sowie raschere Bewilligungs- und Rechtsmittelverfahren.
Kanton Zürich: Wohnschutz-Initiative
Die Resultate:
A. Kantonale Volksinitiative «Bezahlbare Wohnungen schützen. Leerkündigungen stoppen (Wohnschutz-Initiative)»
Ausgezählt: 160/160 | Stand: Schlussresultat
42,7% Ja
57,3% Nein
B. Gegenvorschlag des Kantonsrates
Ausgezählt: 160/160 | Stand: Schlussresultat
54,3% Ja
45,7% Nein
C. Stichfrage: Welche der beiden Vorlagen soll in Kraft treten, falls sowohl die kantonale Volksinitiative als auch der Gegenvorschlag des Kantonsrates angenommen werden?
Ausgezählt: 160/160 | Stand: Schlussresultat
41,1% Initiative
58,9% Gegenvorschlag
Darum geht es: Die Initiative verlangt, dass Gemeinden Mietpreise nach Ersatzneubauten, Umbauten, Renovationen und Zweckänderungen befristet begrenzen können. Auch die Umwandlung von Mietwohnungen in Stockwerkeigentum soll beschränkt werden können. Ausgenommen wären gemeinnützige und nicht gewinnstrebende Wohnbauträger.
Auch hier haben Kantonsrat und Regierungsrat einen Gegenvorschlag unterbreitet. Demnach müssten Eigentümerinnen und Eigentümer zuerst prüfen, ob Bauarbeiten im bewohnten Zustand oder etappenweise möglich sind. Bei unvermeidbaren Kündigungen wären frühe Information, eine Ansprechperson, eine Informationsveranstaltung und Unterstützung bei der Wohnungssuche vorgeschrieben.
Kanton Zürich: «Stopp Prämien-Schock»-Initiative
Die Resultate:
Kantonale Volksinitiative «Stopp Prämien-Schock: Für eine automatische Entlastung bei den Krankenkassenprämien»
Ausgezählt: 160/160 | Stand: Schlussresultat
53,1% Ja
46,9% Nein
Darum geht es: Diese Initiative verlangt, dass der Steuerabzug für Versicherungsprämien alle zwei Jahre an die Entwicklung der Durchschnittsprämie der obligatorischen Krankenpflegeversicherung angepasst wird. Damit soll die Bevölkerung bei steigenden Krankenkassenprämien automatisch steuerlich entlastet werden. Heute werden die Abzüge an die allgemeine Teuerung angepasst. Der Kanton rechnet mit Mindereinnahmen bei Kanton und Gemeinden, deshalb lehnen Kantonsrat und Regierungsrat die Initiative ab.
(leo/ jul / mit Material der sda)
Nationale Vorlagen
«Keine 10-Millionen-Schweiz»
Keine 10-Millionen-Schweiz
Ausgezählt: 161/161 | Stand: Schlussresultat
40,0% Ja
60,0% Nein
Darum geht es: Diese Initiative der SVP verlangt, dass Bundesrat und Parlament einen Bevölkerungsdeckel für die Schweiz einführen. So soll die ständige Wohnbevölkerung bis 2050 nicht die 10-Millionen-Marke überschreiten. Wie das genau funktionieren soll, erfährst du im Video unten:
Zivildienstgesetz
Zivildienstgesetz
Ausgezählt: 161/161 | Stand: Schlussresultat
49,8% Ja
50,2% Nein
Darum geht es: Bund und Parlament finden, dass zu viele Männer vom Armee- in den Zivildienst wechseln. Deshalb soll der Zivildienst unattraktiver gestaltet werden. Welche Massnahmen im neuen Gesetz genau drinstehen, erfährst du hier:
