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Abstimmung zu Zivildienstgesetz im Juni 2026: Darum geht es

Video: watson/hanna hubacher, michael shepherd

Wer warum in den Zivildienst wechselt – und was sich jetzt alles ändern soll

16.05.2026, 10:0816.05.2026, 10:08

Am 14. Juni stimmen wir über zwei Vorlagen ab. Während die meiste Aufmerksamkeit auf die «Nachhaltigkeits-Initiative» der SVP fällt, könnte es auch beim Zivildienstgesetz ein knappes Rennen geben. Das willst du wissen:

Video: watson/hanna hubacher, michael shepherd

Was soll sich ändern?

Bund und Parlament sehen den Armeebestand langfristig gefährdet. Mit einer Anpassung des Zivildienstgesetzes soll dieser gesichert werden, indem die Übertritte von der Armee in den Zivildienst reduziert werden.

Aktuell kann jeder diensttaugliche Schweizer per Gesuch in den Zivildienst wechseln. Dies kann auch noch nach absolvierter RS oder sogar nach den WKs geschehen.

Mit sechs Massnahmen will das angepasste Gesetz die Wechsel in den Zivildienst reduzieren.

1. Jährliche Dienstpflicht für Zivildienstleistende
Wie Armeeangehörige sollen auch Zivis weniger frei in der Planung ihrer Einsätze werden und jährlich einen Teil ihrer Dienstzeit leisten müssen.

2. Mindestens 150 Diensttage im Zivildienst, unabhängig von verbleibenden Militärdiensttagen
Bisher mussten Leute, die in den Zivildienst wechseln, das Anderthalbfache ihrer verbleibenden Militärdiensttage leisten. Neu soll jeder zudem mindestens 150 Tage leisten müssen, egal, wie viele Militärdiensttage verbleiben.

3. Langer Einsatz direkt nach Zulassung
Bisher mussten Zivis ihren langen Einsatz von 180 Tagen innerhalb von drei Jahren nach Zulassung absolvieren. Diese Frist soll auf 1 Jahr verkürzt werden.

4. Erhöhung der Diensttage für wechselnde Offiziere
Für Offiziere und Unteroffiziere, die in den Zivi wechseln, galt der Faktor 1,5 bei den Diensttagen bisher nicht, das soll sich ändern.

5. Keine Umgehung der Schiesspflicht
Wer bisher nach bestandenen WK in den Zivi wechselte, konnte so die jährliche Schiesspflicht umgehen, dies soll nicht mehr möglich sein.

6. Keine Einsätze, die ein Medizinstudium erfordern
Um dem Mangel an ausgebildeten Ärzten in der Armee entgegenzuwirken, soll es im Zivildienst keine Einsätze mehr geben, die ein abgeschlossenes Medizinstudium erfordern.

Argumente dafür:

Immer mehr Wechseln in den Zivildienst
Die Zulassungen zum Zivildienst steigen tendenziell an.
2025 waren es 7211 Zulassungen, so viele wie noch nie. Setzt sich dieser Trend fort, wären die Bestände der Armee längerfristig womöglich nicht gesichert.

Wechsel aus Bequemlichkeit
Während viele Zivildienstleistende immer noch von Anfang an diesen Weg wählen, zeigt sich auch eine Häufung von Leuten, die während des WKs oder sogar nach dem WK wechseln. Befürwortern sind diese «Abschleicher» ein Dorn im Auge.

Keine Alternative zur Wehrpflicht
Diensttaugliche Männer sollen ins Militär. Der Zivildienst wurde als Ausnahme für Menschen mit Gewissenskonflikten geschaffen. Befürworter finden, dass der Zivildienst nicht zur Alternative werden, sondern eine Ausnahme bleiben soll.

Teure Ausbildungen und verlorenes Know-how
Im Militärdienst erhalten Armeeangehörige je nach Truppengattung teure und spezialisierte Ausbildungen. Mit dem Wechsel in den Zivildienst geht dieses Know-how verloren und die teuren Ausbildungen lohnen sich so nicht.

Gefährdete Sicherheit
Die Armee sorgt sowohl in Kriegszeiten als auch bei Naturkatastrophen für die Sicherheit der Bevölkerung. Bei mangelndem Bestand wird so die Sicherheit gefährdet.

Argumente dagegen:

Falscher Ansatz:
Eine von der Armee und dem Bundesamt für Zivildienst 2024 in Auftrag gegebene Studie sollte ergründen, weshalb immer mehr Männer in den Zivildienst wechseln.

Die Studie zeigt klar, dass die Wechsel vor allem auf drei Hauptgründe zurückzuführen sind. So wird der Zivildienst als deutlich sinnvollere Aufgabe wahrgenommen, die Vereinbarkeit mit dem Privatleben ist grösser und die Organisationskultur und der Führungsstil werden als viel besser wahrgenommen.

Entsprechend schlagen die Autoren der Studie vor, dass die Armee genau bei diesen Punkten ansetzt.

Die Gesetzesänderung nimmt jedoch keinen der Punkte wirklich auf und setzt stattdessen einfach höhere Hürden für den Wechsel und versucht die Vereinbarkeit beim Zivildienst zu reduzieren, statt bei der Armee zu verbessern.

Personalmangel im Naturschutz und in sozialen Einrichtungen
Mit dem neuen Gesetz könnte der Zivildienstbestand um bis zu 40 % zurückgehen. Diese Arbeitskräfte würden an wichtigen Orten fehlen. Im Naturschutz gibt es viele Einsatzbetriebe, die komplett auf Zivildienstleistende angewiesen sind. Ohne sie könnten viele Naturschutzmassnahmen nicht umgesetzt werden. Auch in Spitälern und Heimen übernehmen Zivildienstleistende wichtige Aufgaben. Ohne sie würden Betriebe in Not geraten.

Keine Stärkung der Armee
Gegner finden, dass die Massnahmen vor allem dem Zivildienst schaden, ohne die Armee wirklich zu stärken. Sie befürchten, dass viele Leute sich künftig, statt in den Zivildienst zu wechseln, über den sogenannten «blauen Weg»
medizinisch von beiden Diensten dispensieren lassen könnten.

Kein klarer Mangel bei der Armee
Der mangelnde Bestand der Armee ist nicht unumstritten und besteht vor allem auf dem Papier. Die Armee unterscheidet zwischen Sollbestand, also dem nötigen Bestand, den die Armee bei einer Mobilmachung braucht, um alle Funktionen abzudecken, und dem Effektivbestand, also allen aktuell eingeteilten Angehörigen der Armee.
Der Sollbestand liegt aktuell bei 100'000. Der Effektivbestand wurde auf das maximal 1,4-Fache des Sollbestandes angesetzt, also 140'000. So soll der Sollbestand auch gedeckt sein, wenn nicht alle einrücken können.
Aktuell liegt der Effektivbestand aber bei 146'700, also eigentlich über dem gesetzlichen Maximalwert.
Weil die Armee aber 2018 die Dienstzeit von zwölf auf zehn Jahre verkürzt hat, wird der Effektivbestand in den nächsten Jahren möglicherweise wieder sinken.

Das VBS rechnet damit, dass er deshalb bis 2030 zu tief sein könnte. Die Rechnungen des VBS sind jedoch umstritten und gehen von sehr geringem Zuwachs aus. Gegenstimmen sagen, dass allein das Bevölkerungswachstum und der steigende Frauenanteil den Effektivbestand ganz ohne Massnahmen ausreichend sichern können und man auch so sogar bald wieder über den zugelassenen Wert von 140'000 kommen könnte.

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82 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Hadock50
16.05.2026 10:30registriert Juli 2020
Wen die Jungen Männer kein Bock auf Militär haben könnte es am Militär liegen.

Bürgerlicher Vorschlag, statt Militär verbesser zugang zu Zivildienst, was sicher mehr Nutzen für die Gesellschaft bring erschweren.

Bitäweicher Vorschlag von rechts gehört abgelent.
Daher sag ich
NEIN .
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goodbunny
16.05.2026 10:22registriert Februar 2026
Unbegreiflich wie ein minimaler gesellschaftlicher Fortschritt wie die Möglichkeit zum Zivildienst geschwächt werden soll. Fatales Signal an junge Menschen.
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Fred_64
16.05.2026 10:59registriert Dezember 2021
Nun will man also den Zivildienst schwächen, anstelle das Problem besser zu machen.
Verständlich ist schon, dass gut überlegende Leute in den den Zivildienst gehen und nicht die stumpfsinnige und hierarchische Armee.
Zudem sind im Arbeitsleben die Zivildienstler häufig die besseren Leute, weil die etwas überlegen, bevor sie starten.
Die Armeeköpfe gehorchen und brauchen Befehle zum Arbeiten. 😂
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