Empörung über Trump-Video mit vulgären Bemerkungen

Publiziert: 08.10.16, 08:28

Im US-Präsidentschaftswahlkampf ist Donald Trump durch ein neu aufgetauchtes Skandalvideo unter massiven Druck geraten. Wegen vulgärer Äusserungen über Frauen sah sich der Kandidat der Republikaner zu einer Entschuldigung bei seinen Landsleuten genötigt.

«Ich habe es gesagt. Es war falsch. Ich entschuldige mich», sagte Trump in einer aufgezeichneten Botschaft, die seine Wahlkampfzentrale in der Nacht zum Samstag öffentlich machte.

Das vor über zehn Jahren aufgenommene Video mit anzüglichen und abwertenden Äusserungen von Trump über Frauen schlug in den USA hohe Wellen. Auch führende Politiker der Republikaner, zu deren wichtigster Ziel- und Wählergruppe strenggläubige Christen zählen, distanzierten sich von dem 70-Jährigen.

Ein für Samstag geplanter gemeinsamer Auftritt mit dem mächtigen Vorsitzenden des Abgeordnetenhauses, Paul Ryan, wurde abgeblasen. Einige Republikaner, darunter der ehemalige Gouverneur von Utah, Jon Huntsman, forderten Trump zum Rücktritt als Präsidentschaftskandidat aus.

Medien: «Bombenexplosion» im Wahlkampf

US-Medien sprachen von einer «Bombenexplosion» im Wahlkampf, von der sich Trump möglicherweise nicht mehr erholen könne. Der Kommentator Bob Beckel erklärte auf CNN: «Dieser Wahlkampf ist vorüber. Es gibt kein Rennen um die Präsidentschaft mehr.» Noch am Samstag würden mächtige Parteispender Trump den Geldhahn zudrehen.

Der Republikaner selbst reagierte zunächst mit einer schriftlichen Erklärung, in der er es unter anderem heisst: «Ich entschuldige mich, wenn ich jemanden beleidigt haben sollte.» In der später von seinem Wahlkampfteam nachgeschobenen Videoaufzeichnung sagte er, er erhebe nicht den Anspruch, ein perfekte Person zu sein. Aber er verspreche, ein besserer Mensch zu werden.

Der am Freitag von der «Washington Post» veröffentlichte Stein des Anstosses stammt aus dem Jahr 2005: In dem Video ist zu hören, wie der damals bereits mit seiner jetzigen Frau Melania verheiratete Trump in drastischen Worten seinen Versuch beschreibt, eine andere Frau zu verführen.

Trump: «Gerede»

«Ich habe mich an sie rangemacht, bin aber gescheitert», sagt er. Er habe versucht, «sie zu ficken. Sie war verheiratet.» Er habe sich hemmungslos («like a bitch») an sie rangemacht, aber ohne Erfolg. Inzwischen habe die - nicht näher identifizierte - Frau «ihr Aussehen total verändert». Trumps Beschreibung: «Sie hat jetzt grosse künstliche Titten und alles.»

Der Immobilienmogul fährt dann fort, dass er sich «automatisch» zu schönen Frauen hingezogen fühle. «Ich fange einfach an, sie zu küssen (...). Ich warte nicht einmal. Und wenn du ein Star bist, dann lassen sie es zu. Du kannst alles machen.» Er könne sogar Frauen zwischen die Beinen grapschen (und sie liessen es geschehen).

Zu hören sind in dem Video Auszüge eines während einer Busfahrt geführten Privatgesprächs Trumps mit dem damaligen Moderator der Infotainment-Fernsehsendung «Access Hollywood», Billy Bush.

In seiner schriftlichen Erklärung sprach Trump am Freitag von Bemerkungen, wie sie Männer in Umkleideräumen machen würden. Ex-Präsident Bill Clinton, der Ehemann seiner demokratischen Rivalin Hillary Clinton, habe bei gemeinsamen Ausflügen mit ihm auf dem Golfplatz weit schlimmere Worte fallen lassen.

Ryan: «Mir wird übel»

Hillary Clinton selbst nannte Trumps damalige Bemerkungen «schrecklich» und appellierte an die Wählerschaft: «Wir dürfen es nicht zulassen, dass dieser Mann Präsident wird.»

Auch führende Republikaner verurteilten die Äusserungen Trumps scharf. Sie erzeugten bei ihm Übelkeit, erklärte Abgeordnetenhaus-Chef Ryan laut der «Washington Post». «Ich hoffe, dass Herr Trump die Situation mit dem Ernst behandelt, die sie erfordert, und dass er daran arbeitet, dem Land zu demonstrieren, dass er grösseren Respekt für Frauen hat als es dieser (Video-)Clip zeigt.»

Ryan teilte weiter mit, dass Trump nicht wie geplant bei einem Festival in seinem - Ryans - Wahlbezirk in Wisconsin auftreten werde. Wie Trump selbst später wissen liess, wird stattdessen sein Vizekandidat Mike Pence kommen.

Der republikanische Parteivorsitzende Reince Priebus erklärte: «Keine Frau sollte jemals mit solchen Begriffen beschrieben werden, niemand sollte auf diese Art und Weise über sie reden. Niemals.»

Der texanische Senator Ted Cruz, der sich erst im vergangenen Monat hinter Trump gestellt hatte, nannte die Äusserungen des Kandidaten «beunruhigend und unangemessen, es gibt schlicht keine Entschuldigung dafür». Auch Floridas Senator Marco Rubio bewertete Trumps Bemerkungen als «vulgär und unmöglich zu rechtfertigen».

Clinton führt

Clinton und Trump treffen am Sonntagabend (Ortszeit) in St. Louis zu ihrer zweiten Fernsehdebatte zusammen. Die erste Ende September hatte die Demokratin nach unabhängigen Einschätzungen klar gewonnen.

Danach legte sie in Umfragen zu und erhöhte damit den Druck auf Trump, im zweiten TV-Duell gut abzuschneiden. Danach gibt es nur noch eine letzte Fernsehdebatte, bevor am 8. November gewählt wird. (sda/dpa)

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