Digital
Charlie Hebdo

Tschüss WhatsApp? Britischer Premier will verschlüsselte Chat-Apps verbieten

David Cameron will Terroristen die sichere Kommunikation verunmöglichen.
David Cameron will Terroristen die sichere Kommunikation verunmöglichen.Bild: DARREN STAPLES/REUTERS
Kampf gegen den Terror

Tschüss WhatsApp? Britischer Premier will verschlüsselte Chat-Apps verbieten

In Grossbritannien ist Wahlkampf. Da verwundert es nicht, dass der Premierminister David Cameron sich öffentlich für ein Verbot der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ausspricht.
13.01.2015, 12:3513.01.2015, 13:42

Nach den blutigen Anschlägen in Frankreich rücken WhatsApp und Co. ins Visier der Politiker. Allen voran schreitet der britische Premierminister David Cameron, der sich öffentlich für ein Verbot von verschlüsselten Chat-Apps ausspricht.

Betroffen wären alle Programme, die eine sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ermöglichen. Neben WhatsApp (für Android) wären dies beispielsweise auch Threema aus der Schweiz sowie iMessage (Kurznachrichten) und FaceTime (Video-Telefonie) von Apple. Die Anbieter müssten ihre Verschlüsselung abschwächen oder gar aufheben, damit ihre populären Dienste legal bleiben. 

Gerade das bewusste Einbauen von «Hintertüren» wäre aber höchst problematisch. Solche Schwachstellen könnten nicht nur den Geheimdiensten zum Ausspionieren dienen, sondern auch von gewöhnlichen Kriminellen missbraucht werden.

Freiheit «unschuldiger Zivilisten» beschneiden

Laut der Tageszeitung «The Independent» hat Cameron die brisante Aussage im Wahlkampf gemacht. Sollte er mit der konservativen Tory-Partei die Wahlen im Mai gewinnen, dann drohen strengere Überwachungsgesetze. Eine Verschärfung ist laut der Zeitung «Daily Mail» bislang am politischen Partner, der Liberaldemokratischen Partei, gescheitert.

Nun nehmen die Konservativen einen neuen Anlauf. Gemäss Wahlkampfversprechen sollen alle Kommunikationsmittel verboten werden, die nicht von den Geheimdiensten überwacht werden können. Als Premierminister will Cameron sicherstellen, dass den Terroristen kein sicherer Ort zum Kommunizieren überlassen werde. 

Kritisch äusserte sich hingegen der Justizminister, der zum Koalitionspartner gehört. Er werde nichts unterstützen, dass die Freiheit «unschuldiger Zivilisten» beschneide, sagte Simon Hughes der BBC.

Abgesehen vom Wahlkampfgetöse ist Camerons Ankündigung aus Sicht der Smartphone-Nutzer aber auch erfreulich. Das würde bedeuten, dass der US-Geheimdienst NSA und seine transatlantischen Verbündeten trotz gewaltiger technischer Anstrengungen nicht in der Lage sind, die verschlüsselte Handy-Kommunikation auszuwerten.

.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Wie KI die Menschheit auslöschen könnte – 6 Szenarien
Die Fortschritte bei der künstlichen Intelligenz werfen Fragen auf. Selbst die Entwickler warnen davor, dass KI die Menschheit auslöschen könnte.
Lange wurde künstliche Intelligenz (KI) belächelt – doch dann kam ChatGPT. Seit die Firma OpenAI im November 2022 dieses sogenannte Large Language Model (LLM, grosses Sprachmodell) lanciert hat, kommt man immer weniger um die KI herum. Mittlerweile melden sich immer mehr Stimmen, die sie als Bedrohung sehen – und zu diesen Warnern zählen ausgerechnet einige der Leute, die die Entwicklung der KI an vorderster Front vorantreiben. Es gibt indes auch Stimmen, die diesen Warnern andere Motive unterstellen – etwa, dass sie künftigen Schadenersatzforderungen zuvorkommen möchten oder Marketing für die Fähigkeiten ihrer KI-Modelle betreiben.
Zur Story