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Auch im hohen Hockey-Alter ein SCB-Schlüsselspieler: Martin Plüss. Bild: TI-PRESS

Darum kann Bern auch nächste Saison nicht auf Martin Plüss verzichten

Leitwolf Martin Plüss steht beim SC Bern vor der Verlängerung seines Vertrags. Der Meister braucht seinen Captain auch nächste Saison. Damit Gaëtan Haas nicht Berns Antwort auf Inti Pestoni wird.

11.12.16, 09:15 11.12.16, 16:10

So viel Drama, so wenig Ertrag. Die SCL Tigers haben in 48 Stunden gegen die Titanen ZSC Lions (3:4) und SC Bern (2:4) verloren. Sie haben alles probiert. Mit taktischer Klugheit, Zähigkeit und Leidenschaft fehlendes Talent kompensiert. Aber am Ende stehen sie nach zwei intensiven Partien mit leeren Händen da. Sie hätten nur mit grossen Torhütern punkten können. Weder Ivars Punnenovs (gegen die ZSC Lions mit einer Fangquote von 83,33 %) noch Damiano Ciaccio (mit 85,00 % in Bern) waren gut genug, um für ihre Mannschaft den Sieg zu «stehlen». Die SCL Tigers gewinnen gegen einen Titanen nur, wenn sie höchstens drei Treffer kassieren.

Aussenseiter wie Langnau beschäftigen sich intensiv mit der Analyse, warum es nicht ganz gereicht hat. Die Titanen wie Bern können es sich leisten, auch über den Tag hinaus zu denken. In Bern hat Sportchef Alex Chatelain nächste Woche, nach der Rückkehr vom Champions-Hockey-League-Spiel in Prag, ein erstes Gespräch mit Leitwolf Martin Plüss. Wird er mit seinem Captain verlängern?

Jubelnde Hauptstädter, geknickte Langnauer. Bild: KEYSTONE

Chatelain lässt keine Zweifel, dass er bereit ist, die Zusammenarbeit mit dem besten SCB-Spieler der letzten neun Jahre zu prolongieren. «Aber das hängt ja auch davon ab, was Martin Plüss will. Wir werden die Sache nächste Woche besprechen.» Ja, der SCB-Sportchef sagt sogar, im Falle eines Falles würde er auch abklären, ob es für Plüss innerhalb des Unternehmens SCB einen Job nach dem Rücktritt gebe.

Und was sagt Martin Plüss? Ist eine Vertragsverlängerung möglich? «Die Frage kann ich erst beantworten, wenn ich mich nächste Woche mit Alex Chatelain unterhalten habe.» Der SCB-Captain führt alle Vertragsgespräche selber. Einen Agenten braucht er nicht. Er sagt, er habe diese Saison Vertragsgespräche bisher abgelehnt. Weil er erst einmal herausfinden wollte, welche Leistungen er noch erbringen könne.

Spielt Plüss wieder an der WM?

Damit dürfte einer Vertragsverlängerung um mindestens ein Jahr kaum mehr etwas im Wege stehen. Die Leistung stimmt. Plüss ist nach wie vor einer der dominantesten Schweizer Center. Pro Match teilt ihm Cheftrainer Kari Jalonen fast eine Viertelstunde Eiszeit zu (14:49 Minuten). Der Zürcher gewinnt die wichtigen Bullys und er hat in 29 Spielen 16 Punkte gebucht. Gestern vollendete Plüss den Sieg gegen Langnau mit dem Tor zum 4:2 ins leere Netz. Es war sein 11. Saisontreffer.

Sogar ein Einsatz bei der WM in Frankreich ist möglich. «Ja, es stimmt, ich habe Patrick Fischer nicht abgesagt, wir werden in dieser Sache noch ein Gespräch führen», sagt Plüss. In der aktuellen Form wäre er in einem WM-Team Center Nummer 1.

Plüss (ganz links) jubelt über den Einzug in den WM-Halbfinal 2013. Bild: KEYSTONE

Der Vergleich mit «Zwilling» Rüthemann

Oder ist es doch ein Wagnis, den Vertrag mit einem 39-Jährigen zu verlängern? Immerhin ist Martin Plüss ein Jahr älter als sein Sportchef. Und gerade die Berner wissen um das Risiko der «Saison zu viel»: Ivo Rüthemann steuerte zum Meistertitel von 2013 45 Punkte bei. Er war damals 37 und blieb eine weitere Saison, kam gerade noch auf 6 Skorerpunkte und beendete im Frühjahr 2014 seine Karriere.

Martin Plüss und Ivo Rüthemann sind grosse Spielerpersönlichkeiten – aber gänzlich andere Spielertypen. Ivo Rüthemanns wichtigste «Waffe» war seine Schnelligkeit und er konnte nur offensiv eine tragende Rolle spielen. Ein Einsatz als Defensivstürmer in der dritten oder vierten machte so wenig Sinn, wie einen Formel-1-Boliden als landwirtschaftliches Fahrzeug einzusetzen. Er war viel mehr auf seine Mitspieler angewiesen als Plüss, der als Center alle drei Zonen dominiert und der Mannschaft auch in der dritten und vierten Linie in einer defensiven Rolle sehr viel helfen kann. Und er ist auch bereit, diese Rolle ohne Murren zu übernehmen.

Plüss der Lehrmeister für den neuen «Stift» Haas?

Im nächsten Sommer wechselt Gaëtan Haas (24) von Biel nach Bern. Der rote Teppich wird ihm ausgerollt. Trainer Jalonen hat sich persönlich stark für das Engagement des Bieler Jahrzehnttalentes eingesetzt. Er soll der nächste Martin Plüss werden. Vorerst wird es für ihn allerdings darum gehen, nicht Berns Antwort auf Inti Pestoni (25) zu werden.

Ist Haas (Mitte) der Berner Leitwolf der Zukunft? Bild: KEYSTONE

Haas ist ein leidenschaftlicher Hockeyspieler und gewillt, den Preis für eine grosse Karriere zu zahlen. Aber er unterschätzt die Anforderungen, die bei einem Grossklub an einen Schlüsselspieler gestellt werden. Gewährsleute melden zwar, er habe inzwischen den welschen Schlendrian beim Sommertraining überwunden. Aber Haas ist physisch noch nicht stark genug, um als Center in einem Spitzenteam eine tragende Rolle zu spielen. Das Risiko, dass Gaëtan Haas im nächsten Herbst Berns Antwort auf Inti Pestoni wird, ist deshalb nicht ganz auszuschliessen. Ambris Jahrzehnttalent wechselte auf diese Saison zu den ZSC Lions und wurde vorübergehend aus der Mannschaft genommen und zum Konditionstraining abdetachiert.

Es wird für Gaëtan Haas einfacher sein, wenn Martin Plüss bleibt. Denn dann kann Trainer Kari Jalonen den dritten oder vierten Sturm mit Martin Plüss aufrüsten und Gaëtan Haas mindestens im zweiten Sturm offensive Freiheiten geben. Der Bieler lässt immer wieder aufblitzen, dass er sehr wohl intensiv zu spielen vermag und dass er keine Angst vor grossen Tieren hat. Aber er ist kein Center für die dritte und vierte Linie. Es wäre eine Verschwendung seines Talentes und seiner Kreativität und letztlich der defensiven Stabilität des Teams nicht dienlich. Bleibt Plüss, ist es für Haas einfacher, sich im Windschatten des Captains ins Team zu integrieren. Plüss kann helfen, seinen Nachfolger aufzubauen.

Heute 3 NLA-Spiele

15.45 Uhr: Kloten – Bern
15.45 Uhr: ZSC Lions – Davos
15.45 Uhr: Ambri – Fribourg

Chatelain muss mit Respekt verhandeln

Wir sehen also, wie wichtig Martin Plüss auch nächste Saison für den SC Bern sein wird. Wenn die Verlängerung mit dem Leitwolf klappen soll, darf SCB-Sportchef Chatelain allerdings keinen Fehler machen.

Martin Plüss ist eine der ganz grossen Spielerpersönlichkeiten unseres Hockeys – und wird es, wenn es denn zu einer Einigung kommt, auch nächste Saison sein. Es gehört sich deshalb nicht, mit ihm um das Salär zu feilschen. Ja, es wäre stil- und respektlos. Die Offerte darf keine Salärreduktion enthalten. Sonst riskiert Alex Chatelain, dass er gleich das ganze Salär einsparen kann.

Bier, Zigarren und der Pott: Das war die Berner Meisterfeier

26.12.1993: Dank Chomutow und Bykow träumt Aufsteiger Davos vom ersten Spengler-Cup-Titel seit 35 Jahren

28.12.1999: «La Montanara» erklingt in Berlin – Ambri krönt sich zum europäischen Champion

04.01.1987: Als nach der grössten Prügelei aller Zeiten die Lichter ausgingen und ein Spiel die Eishockey-Welt veränderte

08.04.1980: Sie wissen nicht, was sie tun, als sich zwei Schweden als erste Hockeyspieler einen Playoff-Bart wachsen lassen

22.09.2012: Rick Nash meldet sich mit einem Blitz-Hattrick in der Schweiz zurück

Amerikas College-Boys erlegen den russischen Bären

19.10.1996: Del Curto klärt seine Spieler auf: «Zum Schiri nüma ‹Fuck you› sägä, äs git zwei Minuta, hä!»

30.12.1981: Wayne Gretzky schafft den verrücktesten seiner Rekorde: 50 Tore in 39 NHL-Spielen

10.10.1979: Ein gewisser Wayne Gretzky bestreitet sein erstes Spiel in der NHL – er wird sämtliche Rekorde pulverisieren

24.03.1936: Im längsten Hockey-Spiel aller Zeiten fällt das goldene Tor erst im 9. Drittel – um 2.35 Uhr nachts

02.05.2000: In St. Petersburg schreibt ein SMS Hockeygeschichte

14.05.2008: Philippe Furrer schiesst das kurioseste Eigentor der Schweizer Hockey-Geschichte

24.02.2006: Neunmal das F-Wort in einer Minute – Greg Holst macht sich mit legendärem Ausraster-Interview unsterblich

16.01.1905: Nach 23 Tagen Anreise werden die Dawson City Nuggets im Stanley-Cup-Final mit 2:23 vermöbelt

28.01.2009: Die Zürcher Löwen krönen sich zu Europas Eishockey-Königen

31.03.2009: Nie haben wir uns mehr über ein Tor gegen die Schweizer Nati gefreut als bei Omarks Penalty-Trick

11.03.1979: NHL-Haudegen Randy Holt prügelt sich zu einem bis heute gültigen Rekord – 67 Strafminuten in einem einzigen Spiel

18.02.2006: Die «Eisgenossen» spielen kanadischer als die Kanadier und rächen sich für eine uralte Schmach

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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  • Lindros88 11.12.2016 09:56
    Highlight Haas wird sicher niemals ein gleichwertiger Ersatz für Plüss! Plüss war während seiner gesamten Karriere immer ein Leader innerhalb der Mannschaft, egal ob bei Kloten, bei Frölunda, bei Bern und speziell in der Nati! Das sehe ich bei Haas überhaupt nicht. Auch seine Leistungen überzeugen mich nicht. Klar, er ist noch ziemlich jung und kann sich noch in allen Punkten verbessern. Aber im Moment halte ich ihn für fast genauso überschätzt wie Frick von Kloten!
    41 7 Melden
    • geistfrei 11.12.2016 11:00
      Highlight haas ist meines erachtens extrem gut, und zwar auf beiden enden des spielfelds. ob er ein ganz grosser kann, wird sich zeigen. aber überschätzt ist er nicht.
      24 11 Melden
  • Tikkanen 11.12.2016 09:39
    Highlight ...substanzieller Artikel nach dem ganzen Cunti Gschtürm👍🏻 Plüss wird in Bern weiterspielen, die Entwicklung von Haas ist gewährleistet. In der Nati soll Plüss aber nicht mehr antreten, in der Loosertruppe sind Winnertypen wie er am falschen Platz.. Die Verlängerung vom Plüss kann dann gleichzeitig mit dem Rathgeb Deal kommuniziert werden, so etwa " Rebuild läuft weiter"😁
    Zudem scheint mir der Vergleich von Haas mit dem pausbäckigen, faulen Inti eher fragwürdig🤔 So lusche Typen wie Pestoni haben in Bern's Leistungs- und Siegerkultur schlicht nichts verloren😂 Eher was für Hipsterville🦁😂
    35 77 Melden
    • chara 11.12.2016 09:54
      Highlight Rathgeb hat in Fribourg verlängert...ev steigen die aber ab...
      49 7 Melden
    • Brummbaer76 11.12.2016 10:12
      Highlight 1. Rathgeb bleibt bei Fribourg. News Lesen Tikkanen ;-)
      2. Plüss wäre eine Bereicherung für die Nati, vorallem auch ein Vorbild für die Jungen. Wenn der alte Mann Vollgas gibt, können die ja nicht hinten anstehen.
      3. Die Gefahr besteht das Haas verheizt werden könnte. Daher wäre es gut wenn Plüss bleibt und Haas langsam an seine Rolle herangeführt wird. Das eben nicht das passiert wie bei Pestoni, das er gleich ins Kalte Wasser geworfen wird.
      Pestoni ist kein schlechter Spieler, die Art zu Spielen ist beim Z anders und daran hat er sich nicht gewöhnt.
      39 2 Melden
    • PizzaPestoni 11.12.2016 11:49
      Highlight Es wird gut kommen mit Pestoni, der Z befindet sich in einem Übergangsjahr. Bei vielen Spielern läuft der Vertag aus (Bärtschi, Shannon, Thoresen) oder sie wechseln (Cunti)
      Nächstes Jahr können auch wieder mehr junge Spieler von GCK integriert werden, dann kann Pestoni mehr Verantwortung überehmen und sich entwickeln
      19 6 Melden

«Eishockey aktuell» – SRF lanciert neues Eishockeymagazin

Das Schweizer Fernsehen SRF erweitert die Eishockey-Berichterstattung um eine neue Sendung. Ab der neuen Saison berichtet das Magazin «Eishockey aktuell» über alle Spiele und alle Tore einer Runde.

Die Sendung wird während der Qualifikation an Werktagen mit vier oder mehr National-League-Spielen ausgestrahlt. Die Sendedauer soll jeweils 30 bis 40 Minuten betragen. Bei Wochenendrunden berichten «Sportaktuell» und «Sportpanorama» wie gewohnt über die Spiele im Schweizer Eishockey.

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