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Legales Gras löst einen Boom aus in der Schweiz: Wir erklären dir wieso
Legales Gras löst einen Boom aus in der Schweiz: Wir erklären dir wieso
Bild: KEYSTONE

CBD ist das Gras der Stunde – 10 Fakten, die du darüber wissen musst

CBD erobert die Schweiz. Das legale Gras beschert Verkäufern Rekordgewinne und der Polizei Frustration. Was ist CBD eigentlich und wie wirkt es? Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um CBD-Gras.
07.03.2017, 15:3708.03.2017, 04:44
Severin Miszkiewicz
Severin Miszkiewicz
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Die wichtigsten Fragen und Antworten zu CBD-Gras
1. Was ist CBD?
2. Wird man von CBD high?
3. Wenn CBD nicht high macht, wieso sollte man es rauchen?
4. Ist CBD gefährlich?
5. Ist CBD wirklich wirklich legal?
6. Was passiert bei einer Polizeikontrolle?
7. Wer verkauft CBD?
8. Wer produziert CBD?
9. Rettung für Schweizer Bauern?
10. Wird THC-Gras bald legalisiert?

Was ist CBD?

CBD und THC haben praktisch die gleiche chemische Zusammensetzung
CBD und THC haben praktisch die gleiche chemische Zusammensetzung
Bild: Wikipedia

Studenten in Schlabberhosen, Geschäftsmänner im Anzug und 70-jährige Omas – alle wollen das «legale Gras» ausprobieren. Der Fachhandel verbucht Rekordzahlen, die Konsumenten freuen sich, die Behörden sind Überfordert. Was genau ist CBD?

CBD ist die Abkürzung für Cannabidiol, ein chemischer Wirkstoff aus der Klasse der Cannabinoide. CBD und THC sind vom Aufbau her sehr ähnlich und besitzen die gleiche chemische Formel. Auch Aussehen und  Geruch kann man kaum unterscheiden.

Links CBD – Rechts THC

CBD und THC können mit blossem Auge nicht unterschieden werden.
KEYstone

CBD hat allerdings geringfügige Abweichungen in der molekularen Struktur und ist deshalb nicht psychotrop und wirkt nicht auf das zentrale Nervenssystem.

Im Handel legal erhältliches Cannabis hat meist einen CBD-Gehalt von zehn bis 20 Prozent und einen Rest-THC-Gehalt von 0,3 bis 0,7 Prozent.

Wird man von CBD high?

Wer CBD raucht, um high zu werden, wird enttäuscht.
Wer CBD raucht, um high zu werden, wird enttäuscht.
Bild: NAVESH CHITRAKAR/REUTERS

Von CBD wird man nicht high – zumindest nicht im landläufigen Sinn. CBD gilt als ein nicht-psychoaktives Cannabinoid. Das heisst, es wirkt nicht auf das zentrale Nervensystem und beeinflusst weder Auffassungsgabe noch Wahrnehmung – sprich: es löst keinen Rausch aus. 

Der Konsum von CBD wirkt eher beruhigend und hilft gegen Krämpfe, Entzündungen, Angst, sowie Übelkeit. Der Rest-THC-Gehalt in legalem Cannabis reicht nicht aus, um einen Rausch auszulösen.

Wenn CBD nicht high macht, wieso sollte man es rauchen?

CBD wird von vielen als Wundermittel bezeichnet: Der Effekt ist allerdings noch nicht gesichert.
CBD wird von vielen als Wundermittel bezeichnet: Der Effekt ist allerdings noch nicht gesichert.
Bild: Brennan Linsley/AP/KEYSTONE

Die medizinische Wirkung von CBD ist derzeit nicht gesichert. Trotzdem vermuten Wissenschaftler und Ärzte, dass das legale Gras als Medikament für viele Krankheiten verwendet werden könnte.

Diskutiert werden unter anderem mögliche therapeutische Wirkungen gegen Epilepsie, Angststörungen, Schlafstörungen, Übelkeit, Psychose, Depression und sogar Krebs.

In der Schweiz darf man aus gesetzlichen Gründen jedoch keine spezifischen Heilversprechen abgeben – CBD wird lediglich als Tabakersatz oder Rohstoff verkauft. Verkäufer und Produzenten distanzieren sich deshalb von der medizinischen Wirkung und bitten die Konsumenten ihre eigenen Erfahrungen zu machen.

Gemäss der Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte kann CBD jedoch bei mittelschwerer bis schwerer Spastizität bei Multipler Sklerose (MS) von Ärzten verschrieben werden. Dafür müssen Ärzte darlegen, dass die Krankheit die Lebensqualität schwer beeinträchtigt und andere Therapien keinen Erfolg gebracht haben.

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quelle: ny public lib. picture collectio / gilbert stuart
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Ist CBD gefährlich?

Bis jetzt gibt es keine Anzeichen, dass CBD gefährlich sein kann. Trotzdem wird beim Tabakersatz ein Warnhinweis angebracht.
Bis jetzt gibt es keine Anzeichen, dass CBD gefährlich sein kann. Trotzdem wird beim Tabakersatz ein Warnhinweis angebracht.
Bild: KEYSTONE

Über potentielle Gefahren gibt es noch zu wenig Informationen, meint Markus Meury von Sucht Schweiz. «Wir sehen einen Boom im CBD-Gras, können aber noch sehr wenig über Gefahren sagen. Grundsätzlich kann man aber sagen, dass Rauchen aufgrund der krebserregenden Verbrennungspartikel immer ungesund ist.»

Wer konsumiert CBD – der kundige Haschraucher oder unerfahrene Drogenneuling? «Auch wenn CBD keinen Rausch auslöst, könnte es eine Ausstiegshilfe für Cannabis-Süchtige sein. Es könnte jedoch genauso gut sein, dass es ein Einstieg zu Marihuana ist», sagt Meury.

Sei ehrlich. Bist du grad am Kiffen?

Ist CBD wirklich wirklich legal?

CBD ist legal. Als was man CBD verkauft, ist allerdings eine andere Frage.
CBD ist legal. Als was man CBD verkauft, ist allerdings eine andere Frage.
Bild: STRINGER/REUTERS

Da CBD ein nicht-berauschender Wirkstoff ist, unterliegt es nicht dem Betäubungsmittelgesetz und ist legal erhältlich. Seit 2011 gilt zusätzlich die Bestimmung, wonach Cannabis mit einem THC-Gehalt von unter einem Prozent nicht unter das Betäubungsmittelrecht fällt und daher ebenfalls legal ist.

In der Schweiz gibt es nur vier legale CBD-Tabakersätze. Der Rest der CBD-Produkte wird als Rohstoff verkauft und liegt tatsächlich in einem rechtlichen Graubereich. CBD-Rohstoffe sind theoretisch nicht zum Verzehr geeignet, werden von vielen aber trotzdem geraucht. Anders als beim Tabakersatz werden CBD-Rohstoffe jedoch von der Tabaksteuer befreit.

Das sagt Swissmedic, das Schweizerische Heilmittelinstitut dazu:
«Im Handel sind häufig CBD-haltige Rohstoffe ohne Zweckbestimmung anzutreffen. Sie sind
nicht eindeutig qualifizierbar, da aus ihnen unterschiedliche Produkte mit unterschiedlichem
Verwendungszweck hergestellt werden können, die wiederum unterschiedlichen Gesetzgebungen
unterliegen.» – Stand 27. Februar 2017

Was passiert bei einer Polizeikontrolle?

CBD kann von der Polizei für die Analyse beschlagnahmt werden.
CBD kann von der Polizei für die Analyse beschlagnahmt werden.
Bild: KEYSTONE

Theoretisch nichts, da das Gras legal ist. Das Problem ist, dass man mit blossem Auge nicht erkennt, ob es sich um legales oder illegales Gras handelt.

Kommt man also in eine Polizeikontrolle, verläuft diese gleich, wie beim illegalen Gras. Das Cannabis wird beschlagnahmt und analysiert. Liegt der THC-Gehalt unter einem Prozent, wird das Gras zurückgegeben. Der Labortest ist jedoch langsam und teuer, deshalb fordern viele Polizisten einen Schnelltest vor Ort. 

Chronologie der Schweizer Drogenpolitik (17.8.2016)

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Chronologie der Schweizer Drogenpolitik (17.8.2016)
quelle: keystone / michele limina
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Wo kann man CBD kaufen?

Konsumenten stammen aus allen sozialen Schichten: Studenten, Geschäftsmänner oder Senioren.
Konsumenten stammen aus allen sozialen Schichten: Studenten, Geschäftsmänner oder Senioren.
Bild: MARIO ANZUONI/REUTERS

Wer älter als 18 Jahre alt ist, kann sich CBD in verschiedenen Hanfshops, Onlineshops aber auch in privaten Kiosken oder Tankstellen kaufen. «Der Verkauf boomt», sagt Jan Zelisko von cbd.ch. Noch mehr als im Internet wird CBD allerdings im Fachhandel verkauft, meint Zelisko. «Täglich kommen Kunden in unseren Head-Shop und wollen dieses ‹legale Gras› kaufen. Alle sozialen Schichten sind betroffen. Es kommen die klassischen 18-jährigen Stoner, Herren im Anzug, aber auch 70-jährige Omas, die das Gras probieren wollen», sagt Zelisko.

Wer produziert CBD?

«Goldgräberstimmung» im CBD-Business. Jeder will ein Stück von Kuchen.
«Goldgräberstimmung» im CBD-Business. Jeder will ein Stück von Kuchen.
Bild: Brennan Linsley/AP/KEYSTONE

In der Schweiz gibt es mehrere Produzenten von CBD-Gras mit rasant ansteigendem Trend. Der Markt ist neu und die Nachfrage gross. Ein Mitarbeiter von «Sonnenfeld», eine CBD-Gras-Marke aus 100 Prozent Schweizer Hanf, beschreibt die momentane Lage als «Wilder Westen» und spricht von einer «Goldgräberstimmung». Theoretisch kann jeder sein CBD-Gras auch selber zu Hause anbauen.

Trotz enormer Verkaufszahlen plagen sich Produzenten von CBD-Gras mit Sorgen rum. Als Tabakersatz wird CBD gleich besteuert wie Zigaretten (25 Prozent Tabaksteuern plus Mehrwertsteuer). Zusätzlich prangt auf der Verpackung der gleiche Warnhinweis wie bei Zigaretten, obwohl keine schädliche Wirkung von CBD nachgewiesen ist.

Rettung für Schweizer Bauern?

Hanf statt Rap? Experten sind skeptisch.
Hanf statt Rap? Experten sind skeptisch.
Bild: KEYSTONE

«Hanf ist sehr pflegeleicht, relativ anspruchslos und wächst selbst in höheren Lagen. Die Hanfproduktion kann für einige Bäuerinnen und Bauern durchaus interessant sein – es wird aber eine Nische bleiben», sagt der Schweizer Bauernverband gegenüber watson. 

Experten sehen das ähnlich. «Hanf ist zwar ein lukratives Geschäft und könnte den Schweizer Bauern helfen, ohne staatliche Subventionen zu überleben – aber andere Probleme kämen dazu. Weil die Pflanze ein negatives Bild trägt, ist für viele Bauern der gesellschaftliche Druck zu hoch, um auf Hanf umzusteigen. Auch müssten hohe Sicherheitskosten bezahlt werden, um die Hanffelder zu bewachen», bestätigen die Produzenten von «Sonnenfeld».

Der Hanfanbau ist auch aus ökologischer Sicht interessant. Lukas Müller, der in Zürich Hanf anbaut und mit der ETH zusammenarbeitet sagt: «Hanf regeneriert beschädigtes Ackerland, das zum Beispiel von Tabak zerstört wurde, sehr schnell und soll so viel C02 in Sauerstoff umwandeln, wie keine andere Pflanze.»

Wird normales Gras bald legalisiert?

In den USA gibt es immer mehr Staaten, in denen Cannabis erlaubt ist. Sieht es in der Schweiz bald ähnlich aus?
In den USA gibt es immer mehr Staaten, in denen Cannabis erlaubt ist. Sieht es in der Schweiz bald ähnlich aus?
Bild: ABIR SULTAN/EPA/KEYSTONE

Sven Schendekehl vom Verein «Legalize it!», der sich für die Legalisierung von Cannabis einsetzt, sieht keine Trendwende, sondern genau das Gegenteil. «Vom Staat her gibt es überhaupt keine Ansätze zur Legalisierung von Cannabis. Statistisch gesehen wird die Repression jedes Jahr sogar grösser und schlimmer», sagt Schendekehl.

Auch die scheinbare Lockerung und Ausnahme bei geringfügigen Mengen Cannabis sieht Schendekehl kritisch: «Die Zehn-Gramm-Strafgrenze ist eine Farce und wird von vielen Kantonen gar nicht angewendet. 2015 wurden beinahe 50'000 Menschen wegen Handlungen rund um den Eigenkonsum verzeigt und gebüsst. Dazu kamen nochmals über 10’000 Menschen, die wegen dealen verzeigt werden.»

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