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#Gerigate #sachagate

Eine Aussage und 5 Screenshots, die Sacha Wigdorovits auffliegen lassen: Die Geri-Müller-Protokolle

Gemäss frisch aufgetauchten Einvernahmeprotokollen von Geri Müllers Chatpartnerin N.W. hat Kommunikationsberater Sacha Wigdorovits den Gang zu den Medien vorbereitet und die pikanten Chat-Protokolle schliesslich der «Schweiz am Sonntag» zugänglich gemacht.



Sacha Wigdorovits, Geschaeftsfuehrer der Kommunikationsagentur Contract Media AG, am 13. Mai 2005 in seinem Buero in Zuerich. (KEYSTONE/Gaetan Bally)  === ,  ===

Kommunikationsberater Sacha Wigdorovits in seinem Büro im Zürcher Seefeld in einer Aufnahme von 2005.  Bild: KEYSTONE

Kommunikationsberater Sacha Wigdorovits gerät weiter unter Druck. Nachdem diese Woche NZZ und «Rundschau» aus den Whatsapp-Protokollen der Berner Lehrerin N.W. mit Anwalt Josef Bollag und Wigdorovits zitierten, werden auch Details aus den Einvernahmen von Geri Müllers Chatpartnerin bekannt. Gegen sie läuft im Kanton Bern ein Strafverfahren wegen Drohung und Nötigung nach der Affäre um ihren ausgedehnten Sexting-Chat mit dem grünen Nationalrat und Badener Stadtammann Geri Müller. 

Sacha Wigdorovits behauptet, er habe nie Chatprotokolle zwischen N.W. und Geri Müller an Medien oder Privatpersonen weitergegeben. Dennoch ist davon auszugehen, dass Wigdorovits die Protokolle dem Chefredaktor der «Schweiz am Sonntag», Patrik Müller, auf die eine oder andere Weise zugänglich gemacht hat. 

Gemäss N.W. hat Wigdorovits die entsprechenden Screenshots Patrik Müller ausgehändigt. Dies zumindest behauptet W. in einer Einvernahme vom 21. August bei der Kantonspolizei Bern, in deren Protokoll watson Einsicht hatte:    

1. N.W.: «Er übergab alles»

«Zu der ‹Schweiz am Sonntag› kann ich sagen, dass Sacha Wigdorovits sich bei denen gemeldet hat. Ich hatte keinen Kontakt mit denen. Er übergab alles an Patrick Müller und sagte mir: ‹Jetzt dürfen Sie aber nicht mehr zurückziehen›. Das wars.» 

Aussage von Geri Müllers Chatpartnerin N.W. in der Einvernahme vom 21. August 2014 (der Vorname Patrik Müllers ist falsch protokolliert, Anm. d. Red).

Diese Darstellung N.W.s widerspricht Wigdorovits bis heute wiederholten Beteuerungen, er habe diese Chatprotokolle «nie an Medien und auch nie an Privatpersonen weitergeleitet», diametral.  

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Ausschnitt aus einem Artikel der «NZZ am Sonntag» vom 24. August 2014.

Sacha Wigdorovits

Der PR-Berater Sacha Wigdorovits ist nach Aufbrechen der Geschichte um Geri Müller und seine Sexting-Beziehung mit einer Bernerin als Drahtzieher hinter den Medienberichten gegen den Badener Stadtammann Geri Müller genannt worden.
 
Wigdorovits und sein Freund, der Badener Anwalt Josef Bollag, sind beide in der Stiftung Audiatur aktiv, die sich für ein positives Image des Staats Israel einsetzt. Wigdorovits verbindet seit langem eine innige Feindschaft mit Geri Müller, da dieser mit der palästinensischen Hamas sympathisiert. Wigdorovits bezeichnete Müller auch schon öffentlich als Antisemiten. 

2. «Soll ich mal fragen?»

Auch die Behauptungen Wigdorovits', er habe nie Druck auf die Frau ausgeübt und nur zwei Journalisten als Kontakte angegeben, sind nachweislich falsch. Wie der Extraktionsbericht von N.W.s Whatsapp-Verläufen der Berner Kantonspolizei zeigt, hat Wigdorovits im April 2014 eine aktive Rolle in der Vermittlung der Geschichte an den «Blick»-Chefredaktor René Lüchinger gespielt. 

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Auswertung Whatsapp-Verlauf von N.W. durch die Regionalfahndung Seeland/Kapo BE.

3. «‹Blick› ist wichtiger...»

Wigdorovits schlug nicht nur den Kontakt zum «Blick» von sich aus vor. Er gab N.W. auch Verhaltenstipps, als sich die Konkurrenz zwischen «Blick» und «Weltwoche» um die Erstpublikation der Affäre zuzuspitzen begann. N.W. dachte, sie könnte beide Blätter am gleichen Tag publizieren lassen. Wigdorovits tendierte offensichtlich zum «Blick». 

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Auswertung Whatsapp-Verlauf von N.W. durch die Regionalfahndung Seeland/Kapo BE.

4. Informationen sichern

Dass Wigdorovits alle Informationen jederzeit verfügbar gesichert haben wollte, geht aus N.W.s Whatsapp-Protokollen ebenfalls klar hervor. So wies er N.W. an, ein Backup ihres gesamten Handys zu machen und das Passwort zum Backup per SMS an ihre Mutter und Rechtsanwalt Josef Bollag zu schicken. 

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Auswertung Whatsapp-Verlauf von N.W. durch die Regionalfahndung Seeland/Kapo BE.

5. Informationen hereinholen

Zwar taucht im Extraktionsbericht auch eine Nachricht von Wigdorovits auf, in der er N.W. schreibt, er wolle mit der Sache nichts weiter zu tun haben. Aber das hat er sich dann zwischenzeitlich und kurz vor Auffliegen der Geschichte wieder anders überlegt. Insbesondere nachdem N.W. in Baden in Gewahrsam genommen worden war und Wigdorovits sich mit «Schweiz am Sonntag»-Chefredaktor Patrik Müller am Morgen des 14. August besprach, sollte der Informationsfluss aufrecht erhalten werden, der erschwert war, weil sich N.W. nicht für Bollag als ihren Anwalt entschieden hatte.

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Auswertung Whatsapp-Verlauf von N.W. durch die Regionalfahndung Seeland/Kapo BE.

6. Druck aufrecht erhalten

An diesem Donnerstagmorgen, während er mit Patrik Müller zusammensass, übte Wigdorovits auch sehr wohl Druck aus auf N.W., sich bei ihm oder Patrik Müller zu melden, wie folgender Auszug zeigt: 

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Auswertung Whatsapp-Verlauf von N.W. durch die Regionalfahndung Seeland/Kapo BE.

«Schweiz am Sonntag»-Chefredaktor Patrik Müller sagte auf Anfrage von watson, er habe über den Polizeieinsatz am Abend des 13. August von der Geschichte erfahren und habe Wigdorovits am folgenden Morgen in Zürich getroffen. Weiter gebe er zu den Abläufen keine Details bekannt. Die «Schweiz am Sonntag» erscheint im Verlag AZ Medien, dessen Eigentümer Peter Wanner auch Hauptaktionär der watson-Verlegerin Fixxpunkt AG ist. 

Sacha Wigdorovits und sein Interessenvertreter Valentin Landmann meldeten sich auf die Anfrage von watson nicht. 

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