Gesellschaft & Politik
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Stadtammann Geri Mueller verlaesst auf seinem Fahrrad am Montag, 8. September 2014, das Stadthaus in Baden. Heute beraet der Badener Stadtrat an einer Sitzung ueber die Neuverteilung der Dossiers des Stadtammanns. (KEYSTONE/Sigi Tischler)

Geri Müller droht neues Ungemach. Bild: KEYSTONE

Nonstop #Gerigate

Ein unpolitisches Komitee will Geri Müllers Rücktritt erzwingen 

Der Schein, es würde endlich Ruhe in der Stadt einkehren, trügt. Jetzt soll ein neues Komitee den Rücktritt von Geri Müller als Stadtammann erwirken. Dieses soll auf einer nicht-politischen Ebene agieren.

30.09.14, 05:04 30.09.14, 08:40

Roman Huber / Aargauer Zeitung

Ein Artikel der

Nachdem die Affäre um Geri Müllers Nackt-Selfies während Wochen weit über die Stadt hinaus das grosse Thema war, hätte die Ferienzeit zur Zeit des Vergessens werden können. Dem ist zumindest hinter den Kulissen nicht so. Sowohl das politische Baden als auch gewisse Kreise in der Bevölkerung sind nicht gewillt, das politische Baden einfach zur Tagesordnung übergehen zu lassen. 

Währenddem man sich in den nichtbürgerlichen Parteien bei diesem Thema möglichst in Stillschweigen übt, stehen die bürgerlichen Parteien nach wie vor unter Druck. «Wir erhalten täglich Zuschriften aus der Bevölkerung, auch von ausserhalb der Partei, die uns zum Handeln auffordern», sagt Matthias Bernhard, Präsident der FDP Baden. Doch den Parteien seien die Hände weitgehend gebunden, so Bernhard. Sie haben keine rechtliche Handhabe, Müller zur Demission zu zwingen und Neuwahlen durchzusetzen. 

Auf die nicht-politische Ebene 

Nun soll das Anliegen, nämlich den Rücktritt Geri Müllers als Stadtammann zu erwirken, auf eine nicht-politische Ebene gestellt werden. Ziel ist es laut der «NZZ am Sonntag», ein Komitee ins Leben zu rufen, in dem vor allem Vertreter aus der Wirtschaft, der Kultur und aus gesellschaftlichen Organisationen aktiv sind. 

Bernhard bezeichnet den derzeitigen Zustand als unhaltbar und steht damit nicht allein da. Auch SVP-Präsident Serge Demuth schliesst sich dieser Meinung an: «Für uns ist die Sache sicher nicht abgeschlossen, wenn auch unsere Rücktrittsforderungen bei Geri Müller kein Gehör gefunden haben.» 

Auch Reto Huber, Chef der CVP-Einwohnerratsfraktion, erklärt, dass es längst nicht mehr um eine Auseinandersetzung zwischen links und rechts gehe. Nebst dem geschlossenen bürgerlichen Lager seien auch zahlreiche Müller-kritische Stimmen aus dem linksgrünen Lager hörbar geworden. 

Und nicht zuletzt hätten die beiden SP-Stadträtinnen Daniela Berger und Regula Dell’Anno mit ihrer Haltung im Stadtrat klargemacht, dass es hier nicht mehr um Parteipolitik geht. Er habe bereits zahlreiche Zusagen von besorgten Leuten, die in diesem neuen Komitee mittun würden, erklärt Huber. 

Auch Kritik an der Amtsführung 

Reto Huber verweist auf die Anfrage der CVP betreffend Verwaltungsführung und Stadtratsorganisation, die bereits im Juli, also vor Bekanntwerden der Selfie-Affäre, eingereicht wurde. Darin wird unter anderem Kritik an der Amtsführung beziehungsweise an der Präsenz des Stadtammanns ausgeübt. 

Letzteres hat jedoch Geri Müller selber auf Anfrage im Zusammenhang mit der Kündigung von Verwaltungsleiter Patrick Schärer bestritten. Müllers Antwort, er sei nicht häufiger abwesend, als es seine beiden Vorgänger gewesen seien, stiess bei verschiedenen Personen, die mit Geri Müller in politischen Gremien zu tun haben, auf grosse Verwunderung. 

Dies hatte die Aargauer Zeitung in vertraulichen Gesprächen erfahren. Das sei so nicht der Fall, sagen mehrere Quellen. Geri Müller müsse immer wieder wichtige Sitzungen vorzeitig verlassen, heisst es unter anderem. Damit steht die gleichzeitige Ausübung des Nationalratsmandats in der Kritik. Es fehle ihm dadurch an Vorbereitungszeit und führe dazu, dass er bei spezifischen Themen an Sitzungen gewisser Körperschaften auch nicht auf dem aktuellen Wissensstand sei. 

Dabei gehe es gar nicht um die Selfie-Affäre. Doch die Meinungen zu Geri Müller gehen auseinander. In einigen Bereichen sowie im links-grünen Lager ist man überzeugt, dass der Grüne als Stadtammann bislang tadellose Arbeit für die Stadt Baden geleistet habe. 



Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

Abonniere unseren Daily Newsletter

2
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • cbaumgartner 30.09.2014 09:41
    Highlight Ich freue mich auf den Tag an dem das Geri-Bashing ein Ende findet.
    0 1 Melden
  • Hinterländer 30.09.2014 07:38
    Highlight Irgendwie geht da die Rechnung nicht auf. Erst nimmt man ihm alle Ämter weg und dann reklamiert man, er nähme an wichtigen Sitzungen nicht teil oder gehe früher weg. An solchen ist er doch längst nicht mehr erwünscht. Ausserdem hat man bei seiner Wahl 2006 zum Stadtrat und 2013 zum Stadtammann gewusst, dass er seit 2003 im Nationalrat sitzt. Ihm das jetzt zum Vorwurf zu machen kann sicher kein sachliches Argument sein, hat viel mehr mit Strategie und Personenhatz zu tun.
    12 2 Melden

Danach willst du kotzen: So ist es auf der dunkelsten Seite des Planeten Internet

Suizidale Facebook-Reiniger in Manila, depressive Influencer in China, bedrohte Frauen in Amerika: Drei Dokfilme zeigen am ZFF, was sich hinter unseren virtuellen Spassfassaden verbirgt.

Ein Fehler, heisst es, kann ein Menschenleben vernichten. Oder mehrere. Oder einen ganzen Krieg auslösen. Weshalb die «Cleaner», die Facebook-Reiniger in Manila, keine Fehler machen dürfen. Oder fast keine. Ganze drei sind pro Monat gestattet. Ein Cleaner sichtet pro Tag 25'000 Facebook-Bilder. Entscheidet über «Ignore» und «Delete». Oft ist davon die Rede, dass sie «die Plattform» von «Sünden» befreien müssen.

Die Frauen und Männer, die auf den Philippinen für Facebook die Aufgabe einer …

Artikel lesen