Die FDP kippt, die SRG kann hoffen – das sagen die jüngsten Abstimmungs-Umfragen
Am 8. März stimmt die Schweizer Bevölkerung über vier nationale Vorlagen ab: die SRG-Initiative, die Bargeld-Initiative, die Individualbesteuerung sowie die Klimafonds-Initiative. Doch wie steht es etwas mehr als eine Woche vor dem Abstimmungssonntag um die Begehren? Hier sind die Resultate der neuesten Umfragen von YouGov Schweiz und Tamedia/Leewas dazu:
SRG-Initiative
Bei der SRG zeichnet sich ein immer stärkerer Nein-Trend ab. Haben die letzten Befragungen noch auf ein enges Rennen hingedeutet, wird der Trend für ein Nein zur Initiative mit den neusten YouGov-Umfragen deutlicher. Würde heute schon abgestimmt werden, würden laut dieser Umfrage 38 Prozent für die Initiative stimmen und 58 Prozent dagegen. 4 Prozent möchten oder können sich aktuell nicht festlegen.
YouGov Schweiz hat in der Umfrage auch nach den Gründen für eine Ablehnung oder Annahme der Initiative erkundigt. Hier zeigt sich bei den Gegnern, dass die SRG als wichtig für die Schweiz und die Demokratie wahrgenommen wird. Bei den Befürwortern verfängt besonders das Argument, dass die SRG sich an neue Realitäten anpassen müsse und sich das Unternehmen auch selbst finanzieren könne.
Auch die zweite Umfrage von Tamedia/Leewas lässt die Hoffnungen am Leutschenbach mehr als aufkeimen. Nur noch 42 Prozent tendieren demzufolge zu einem Ja, der Nein-Anteil wuchs auf 57 Prozent an.
Laut den Umfrageautoren hat das unter anderem mit der Perspektive der FDP-Wählenden zu tun. Während diese vor einigen Wochen noch zu einer Annahme der Initiative tendierten, sind mittlerweile 52 Prozent der Freisinnigen im Nein-Lager. Eine klare Mehrheit findet die Halbierungsinitiative damit nur noch in SVP-Kreisen, in denen laut Tamedia ganze 80 Prozent dafür sind.
Individualbesteuerung
Auch der Ja-Anteil für die Individualbesteuerung ist im Vergleich zur YouGov-Befragung im Januar stark gesunken und liegt aktuell bei 49 Prozent. Demgegenüber stehen 44 Prozent Nein-Stimmen. Damit ist die Annahme des Gesetzes im Vergleich zum Januar deutlich weniger wahrscheinlich geworden, jedoch weiterhin ein realistisches Resultat.
Auch hier hat YouGov Schweiz eine Befragung zu den Gründen durchgeführt. Befürworter sehen hinter dieser Vorlage eine Anpassung an die Zeit und Realität. Gegner befürchten besonders einen erhöhten bürokratischen Aufwand und eine schlechte Kosten-Nutzen-Rechnung.
Tamedia/Leewas kommt zu ähnlichen Resultaten. Zwar überwiegt mit 53 Prozent Zustimmung weiterhin das Ja-Lager, doch ein Selbstläufer dürfte das Anliegen keineswegs mehr werden.
Noch in der ersten Umfrage vor einem guten Monat sah es viel besser aus für die Befürworter, als 63 Prozent zu einer Annahme tendierten. Allerdings war die Meinungsbildung zu diesem Zeitpunkt noch vergleichsweise wenig vorangeschritten, wie die Umfrageverfasser konstatieren.
Bargeld-Initiative
Selbst die Bargeld-Initiative büsst ihre zunächst grossen Sympathien schrittweise ein. Laut Tamedia/Leewas tendieren nur noch 53 Prozent zur Annahme, nach 62 vor Monatsfrist. Der Hauptgrund dürfte vor allem der Gegenvorschlag sein, den es hier gibt: Dieser gewinnt an Zustimmung. Knapp zwei Drittel bevorzugen ihn mittlerweile gegenüber der ursprünglichen Vorlage.
Die YouGov-Zahlen stützen diese Entwicklung ebenfalls. Neu liegt der Gegenentwurf dort mit 63 Prozent Zustimmung vor der Initiative, die aktuell nur noch auf 52 Prozent Zustimmung kommt.
Auch in der Stichfrage, die zur Anwendung kommt, wenn beide Konzepte angenommen werden sollten, hat der Gegenentwurf mittlerweile einen Vorsprung. Sollten beide angenommen werden, sollte nach Ansicht von 52 Prozent der Stimmberechtigten der Gegenentwurf in Kraft treten. Bei Tamedia beträgt der Anteil gar 58 Prozent.
Klar scheint: In irgendeiner Form wird das Anliegen am 8. März in die Verfassung aufgenommen werden.
Klimafonds-Initiative
Am deutlichsten sind die Resultate bezüglich der Klimafonds-Initiative. Eine Annahme kann zum jetzigen Zeitpunkt praktisch ausgeschlossen werden. Aktuell würden lediglich 20 Prozent für eine Annahme stimmen, 71 Prozent sprechen sich dagegen aus.
Auch mit den Tamedia/Leewas-Ergebnissen gewinnt die Initiative keinen Blumentopf. Dort sagen aktuell 68 Prozent Nein, das Lager der Unentschlossenen beträgt nur noch 4 Prozent.
(ome/con)
