Eine Direktorin und ein Direktor führen neu das Bündner Kunstmuseum

27.07.17, 12:08

Das Bündner Kunstmuseum wird neu von einem Co-Direktorium geleitet. Das Amt teilen sich der bisherige Direktor Stephan Kunz und Nicole Seeberger.

Der zuständige Regierungsrat Martin Jäger (SP) setzte mit dieser Entscheidung einen vorläufigen Schlusspunkt unter die personellen Wirren am Museum. Wie Jäger am Donnerstag in Chur vor den Medien bekannt gab, bleibt der bisherige Direktor, der 55-jährige Stephan Kunz, für die künstlerische Leitung zuständig. Er organisiert weiter Ausstellungen und pflegt die hauseigene Kunstsammlung.

Kunz zur Seite gestellt wird neu die 36-jährige Nicole Seeberger. Sie ist seit 2009 im Bündner Kunstmuseum tätig, verfügt über kuratorische Erfahrung und promovierte über einen zeitgenössischen Konzeptkünstler. Die nun getroffene Lösung mit der Co-Leitung sei eine sehr gute und eine Verstärkung für das Museum, sagte Seeberger vor den Medien.

Stephan Kunz sagte, klare Verantwortungsbereiche in der Direktion seien eine gute Basis für die Zusammenarbeit. Er sei bereit, die Co-Leitung mit allen Kräften in die Praxis umzusetzen.

Ein Novum in der Verwaltung

Das Kunstmuseum, das letztes Jahr durch einen architektonisch auffälligen Erweiterungsbau mit Kosten von 28 Millionen Franken vergrössert wurde, ist Teil der kantonalen bündnerischen Verwaltung, in der eine Co-Leitung gemäss Regierungsrat Jäger ein Novum ist.

Organisatorisch wird die Führung am Museum um 90 Prozent aufgestockt. Durch Umorganisationen anderer Arbeitsleistungen soll die effektive Erhöhung nur bei 40 Stellenprozenten liegen. Im Kunstmuseum sind 32 Angestellte beschäftigt, zehn davon fix.

Die Lösung mit einem Führungsduo wurde erreicht mit Hilfe der Moderation von Hans Hatz, einem ehemaligen Churer Stadtrat und früheren Präsidenten der Graubündner Kantonalbank. Zuvor hatten sich Regierungsrat Jäger selber, das kantonale Personalamt und ein externer Berater mit der in Graubünden als «Causa Kunz» bekannt gewordenen Personalie auseinandergesetzt.

Jäger: Ein Fehler

Die Personalie Kunz beschäftigte Kulturinteressierte über Wochen. Regierungsrat Jäger hatte Stephan Kunz Mitte Juni im Zuge einer Reorganisation als Direktor abgesetzt und ihm den Posten eines Hauptkurators übertragen.

Die Degradierung war erfolgt, weil in der administrativen Führung nicht alles rund lief. Nicole Seeberger, die neue Co-Direktorin, wurde interimistisch für ein Jahr zur Direktorin ernannt. Ein paar Tage später setzte der Regierungsrat seine eigenen Beschlüsse überraschend ausser Kraft, womit das Direktorium personell seit dem 20. Juni nicht mehr besetzt war.

Die Absetzung von Kunz im Juni bezeichnete der Regierungsrat am Donnerstag vor den Medien als Fehler. Er habe zu wenig auf die externe Wahrnehmung geachtet, sagte er.

Eines der führenden Museen schweizweit

Der Regierungsrat hat eigenen Bekundungen nach noch viel vor mit dem erweiterten Kunsthaus. «Ich erwarte weiterhin Grosses», betonte Jäger, der fortfuhr: «Wir wollen das Museum zu einem der führenden Kunstmuseen der Schweiz machen.»

Das Museum sei seit der Neueröffnung vor einem Jahr in der öffentlichen Wahrnehmung weit über Graubünden hinaus «exzellent gestartet». Nun gelte es, diesen Erfolgsweg mit einer verstärkten Leitungsstruktur nachhaltig zu sichern. (sda)

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