«Das ist eine grosse Sache»: Ukraine baut diese besonders tödliche Waffe Russlands nach
Lautlos und tödlich: Russische Gleitbomben zählen zu den gefürchtetsten Angriffswaffen in Putins brutalem Luftkrieg.
Doch jetzt zieht Kiew mit einer Eigenentwicklung nach, was ukrainische Medien als «grosse Sache» feiern: Wie Verteidigungsminister Michajlo Fedorow zu Wochenbeginn mitteilte, hat die Ukraine erstmals eine im eigenen Land entwickelte Präzisions-Gleitbombe erfolgreich getestet und für den Kampfeinsatz freigegeben.
Parallel dazu genehmigten die USA den Verkauf von rund 1500 eigener Gleitbomben-Systeme im Wert von fast 374 Millionen Dollar. Damit deutet vieles auf eine neue Phase im Luftkrieg hin.
Die neue ukrainische Bombe soll den Namen «Vyrivniuvach» («Ausgleicher») tragen. Laut Fedorow kann sie mit einem 250-Kilogramm-Sprengkopf feindliche Ziele «Dutzende Kilometer» hinter der Front treffen. Entwickelt wurde die Waffe innert 17 Monaten durch die staatlich unterstützte Innovationsplattform Brave-1.
Gemäss dem US-Analysezentrum Institute for the Study of War (ISW) dürfte die Bombe der Ukraine erlauben, ihre Luftangriffe gegen russische Nachschubwege, Kommandostellen und befestigte Ziele deutlich auszuweiten.
Billig herzustellen und mit enormer Zerstörungskraft
Der Krieg in der Ukraine hat Gleitbomben zu einer Schlüsselwaffe gemacht. Die relativ billigen Waffen können ausserhalb der Reichweite der meisten Flugabwehrsysteme abgeworfen werden und entfalten enorme Zerstörungskraft.
Da sie erst Sekunden vor dem Einschlag bemerkt werden, sind sie praktisch nicht zu bekämpfen. Militärexperten schreiben etwa den Fall von Awdijiwka im Frühjahr 2024 ihrem Einsatz zu, da russische Gleitbomben gnadenlos die ukrainischen Abwehrstellungen zertrümmerten. Zuletzt litten besonders die Stadtbevölkerungen von Charkiw oder Saporischschja unter permanenten Angriffen mit den bis zu 3000 Kilogramm schweren Sprengkörpern.
Kiew dreht nun den Spiess um. Das ISW erwartet, dass die neue Bombe vor allem auf russische Logistikzentren und Bunker im rückwärtigen Frontbereich abzielt. Bislang hat die Ukraine solche Ziele hauptsächlich mit Drohnen angegriffen. Die neue Gleitbombe bietet jedoch eine deutlich grössere Sprengkraft und durchbricht dadurch auch Bunker und stark befestigte Stellungen.
Laut «Business Insider» kostet die ukrainische Bombe nur etwa ein Drittel einer amerikanischen JDAM-Gleitbombe. Wie beim russischen Vorbild verwandeln Nachrüstkits gewöhnliche US-Freifallbomben in präzisionsgelenkte Gleitwaffen. Typischerweise kosten diese 20'000 bis 30'000 Dollar pro Stück.
Verteidigungsminister Fedorow betont jedoch, dass der «Ausgleicher» nicht von westlichen oder russischen Vorbildern kopiert, sondern vollständig neu entwickelt wurde. Ein vom Verteidigungsministerium verbreitetes Video zeigt einen Abwurf von einem ukrainischen SU-24-Kampfflugzeug.
The first Ukrainian glide bomb from @BRAVE1ua is ready for combat deployment. Development took 17 months. The warhead weighs 250 kg. The Ukrainian glide bomb features a unique design created specifically for the realities of modern warfare.
— Defense of Ukraine (@DefenceU) May 18, 2026
Pilots are currently rehearsing… pic.twitter.com/Zb4TvBquUF
Wie das US-Militärportal The War Zone berichtet, soll die Waffe später auch von westlichen F-16- und Mirage-2000-Flugzeugen eingesetzt werden können. Russland wird im Gegenzug alles daran setzen, die limitierte ukrainische Kampfjet-Flotte weiter zu dezimieren, um die neue Bedrohung im Keim zu ersticken.
Eine Massenproduktion eigener Gleitbomben bietet für die Ukraine einen weiteren entscheidenden Vorteil. Denn anders als bei westlichen Präzisionswaffen mit grosser Reichweite unterliegen die selbst entwickelten Systeme keinen politischen Einsatzbeschränkungen. Kiew könnte solche Waffen somit auch gegen Ziele tief in Russland einsetzen, sofern ukrainische Kampfjets sie nahe genug heranführen.
Für die ukrainische Luftwaffe ist die neue Bombe deshalb weit mehr als nur eine zusätzliche Munition. Sie ist ein Symbol dafür, dass die Ukraine versucht, sich aus der Abhängigkeit westlicher Waffenlieferungen zu lösen – um Russlands Luftkrieg mit denselben furchterregenden Mitteln zu beantworten. (aargauerzeitung.ch)

