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Tsitakakantsa, der grösste Baobab Madagaskars, stirbt

Tsitakakantsa, Baobab in Andombiry in Madagaskar, Affenbrotbaum.
Tsitakakantsa ist ein Baumriese. Es scheint, dass seine Tage gezählt sind. Bild: Shutterstock

Madagaskars grösster Baobab stirbt

Tsitakakantsa heisst der grösste Affenbrotbaum auf Madagaskar. Der Baum-Gigant dürfte mehr als 900 Jahre alt sein – doch jetzt neigt sich sein langes Leben dem Ende zu.
18.05.2026, 21:1918.05.2026, 21:19

In der Umgebung von Morombe im Südwesten Madagaskars liegt der Andombiry-Wald. Er beherbergt den grössten Baobab der Insel, dessen Umfang stolze 29 Meter beträgt. Dies kommt auch in seinem poetischen Namen zum Ausdruck: Die Einheimischen nennen den Baumriesen auf Madagassisch «Tsitakakantsa», was etwa «man hört den Gesang dessen nicht, der sich auf der anderen Seite des Stammes befindet» bedeutet.

Heiliger Baum

Tsitakakantsa ist ein Adansonia grandidieri, das ist die grösste der sechs auf Madagaskar heimischen Baobab-Arten. Ab und zu besuchen Touristen den Giganten, obwohl die karge und arme Gegend kaum touristisch erschlossen ist. Wer den Baum besuchen und anfassen will, sollte Rum, Zigaretten und wenn möglich auch Honig und weitere Geschenke mitbringen, denn die Einheimischen haben Tsitakakantsa 2018 zum heiligen Baum erklärt, als sie feststellten, dass es sich um den grössten der Insel handelt.

Baobab
Der Afrikanische Affenbrotbaum oder Afrikanischer Baobab (Adansonia digitata) genannt, zählt zur Unterfamilie der Bombacoideae in der Familie der Malvengewächse (Malvaceae). Er zeichnet sich durch einen relativ kurzen, jedoch extrem dicken Stamm aus, über dem die kräftigen Äste eine ausladende Baumkrone bilden. Unbelaubt erinnert die Astkrone an ein Wurzelsystem – dies hat wohl zur Legende beigetragen, der Teufel habe den Baobab verkehrt herum gepflanzt. Es gibt weltweit acht Baobab-Arten; sechs davon kommen auf Madagaskar vor. Obwohl nur wenige Affenbrotbäume älter als 400 Jahre werden, gibt es einige wahre Methusalems unter ihnen. Der älteste weitgehend intakte Baobab befindet sich in Simbabwe und ist schätzungsweise 1800 Jahre alt. Die grössten Baobabs vereinen oft mehrere dicke Stämme und können ein Holzvolumen von 500 Kubikmetern erreichen.

Der rumänische Wissenschaftler Adrian Patrut schätzt das Alter von Tsitakakantsa auf rund 900 Jahre. Das ist ein beträchtliches Alter, aber es gibt auf Madagaskar deutlich ältere Affenbrotbäume – der älteste datierte Baobab auf der Insel ist 1600 Jahre alt.

Tsitakakantsa, der grösste Baobab Madagaskars. 
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Der Umfang des Riesen ist so gewaltig, dass man Gesang von der anderen Baumseite nicht hört. Bild: Reddit

Starker Schimmelgeruch

So alt wird Tsitakakantsa nicht werden. Wie Radio France Internationale berichtet, stellte der Biogeograf Cyrille Cornu im vergangenen Oktober bei einem Besuch fest, dass von dem Baum ein starker Schimmelgeruch ausging. Zudem sonderte Tsitakakantsa eine schwärzliche Flüssigkeit ab. Cornu geht davon aus, dass im März 2025 viel Wasser über eine Öffnung an der Spitze des Baums in dessen Hohlräume eindringen konnte, als der Tropensturm Jude mit sintflutartigen Regenfällen über Madagaskar hinwegzog. Das Wasser konnte nicht verdunsten, was dazu führte, dass Tsitakakantsa von Bakterien und Pilzen befallen wurde.

Mittlerweile ist ein Hauptast abgebrochen, was laut Cornu ein ein typisches Anzeichen dafür ist, dass ein Affenbrotbaum kurz vor dem Absterben steht. Erste Anzeichen des Verfalls traten allerdings schon vor sieben Jahren auf, wie der Forscher Wilfred Ramahafaly in einem Interview mit dem madagassischen Portal Bleen Mada erklärt. Die Blüte und auch der Fruchtbehang liessen damals deutlich nach. Vor drei Jahren verschlimmerte sich die Situation weiter – seither trägt der Baum kaum noch normale Früchte; die wenigen, die noch reifen, sind klein und oft kernlos.

Tsitakakantsa, Baonbab auf Madagaskar.
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Ein Hauptast ist bereits abgebrochen. Bild: Reddit

Noch maximal drei Jahre

Im Februar dieses Jahres hat sich die Situation gemäss Ramahafaly weiter verschlechtert. Mittlerweile verströmen mehrere Teile des Baums den Schimmelgeruch. Es hat sich überdies ein Riss gebildet. Ein grosser Teil des Baums ist bereits abgebrochen und seine Struktur ist stark geschwächt. Nur noch ein Teil treibt einige Blätter aus, doch diese Anzeichen von Vitalität trügen – der Verfall schreitet rasch und unaufhaltsam voran.

Im Gegensatz zu Laubbäumen ist der Baobab eine sukkulente Pflanze, die in ihrer Rinde Wasser speichert. Wenn der Baum stirbt, trocknet er nicht aus, sondern sackt in sich zusammen, wobei im Stamm aufgrund des Gewichts des Wassers Risse auftreten. Dann verrottet er schnell. Wie viel Zeit Tsitakakantsa noch bleibt, hängt von den Wetterbedingungen ab. Starker Wind könnte seinen Verfall beschleunigen. In spätestens drei Jahren dürfte jedenfalls nichts mehr von ihm übrig sein.

Tsitakakantsas Tod ist wohl eine Folge von natürlichen Ursachen. Allerdings kam es in den zwölf Jahren von 2006 bis 2018 zu einem gehäuften Absterben von alten Affenbrotbäumen: 9 der 13 ältesten Baobabs gingen damals ganz oder teilweise ein, darunter der damals mit 2429 [±14] Jahren älteste, Panke in Simbabwe. Das Massensterben stellte die Forscher vor ein Rätsel – die Ursache konnte bisher nicht geklärt werden, doch womöglich spielen Klimaveränderungen eine Rolle. (dhr)

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