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Aufstand gegen Trump: Wende in Washington zugunsten der Ukraine

A soldier of the 127th Separate Territorial Brigade launches a drone to search for Russian attack drones at the front line in the Kharkiv region Saturday, March 14, 2026. (AP Photo/Nikoletta Stoyanova ...
Ein ukrainischer Soldat bereitet eine Drohne für den Einsatz vor.Bild: keystone
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Aufstand gegen Trump: Wende in Washington zugunsten der Ukraine

Während das Pentagon die ukrainische Armee plötzlich als militärisches Vorbild preist, erzwingt der Kongress eine Abstimmung über milliardenschwere neue Waffenhilfen.
18.05.2026, 11:2718.05.2026, 11:39
Bojan Stula
Bojan Stula

Noch vor wenigen Monaten schien die Linie der zweiten Trump-Regierung eindeutig: Druck auf Kiew, Streicheleinheiten gegenüber Putin und Waffenlieferungen an die Ukraine nur gegen Cash durch europäische Verbündete. Trumps Fokus liegt auf einem Deal mit Moskau.

Doch in den vergangenen Tagen mehren sich in Washington die Anzeichen für einen bemerkenswerten Stimmungsumschwung – nicht unbedingt im Weissen Haus selbst, wohl aber im Pentagon, im sicherheitspolitischen Establishment und vor allem im Kongress.

Den deutlichsten Hinweis darauf liefert ausgerechnet Aussenminister Marco Rubio. Während eines Interviews mit Fox News sprach Rubio in ungewöhnlich emphatischen Worten über die ukrainischen Streitkräfte.

«Die Ukrainer haben neue Taktiken, Techniken, Ausrüstung und Technologien entwickelt, die eine Art hybriden asymmetrischen Krieg führen. Das ist beeindruckend», lobte Rubio. Noch bemerkenswerter war seine strategische Einordnung: Die Ukraine habe heute «die stärksten und mächtigsten Streitkräfte in ganz Europa».

Solche Aussagen wären noch vor wenigen Monaten aus dem Umfeld der Trump-Regierung kaum vorstellbar gewesen. Die Ukraine wird nicht mehr nur als gieriger und undankbarer Bettler von Rüstungsgütern dargestellt, sondern zunehmend als militärischer Innovator. Sie ist nicht mehr der Verlierer am Pokertisch «ohne Karten», sondern eine militärische Macht, von der selbst die USA lernen müssen.

Genau dieses Narrativ zieht sich inzwischen durch zahlreiche öffentliche Aussagen hochrangiger amerikanischer Militärs.

Revolutionäres Delta-System aus der Ukraine

Admiral Brad Cooper, der Chef des US-Zentralkommandos, sagte in einer Kongressanhörung, seine Streitkräfte hätten eine grosse Anzahl von «Taktiken, Techniken und Vorgehensweisen übernommen, welche die Ukraine an die USA weitergaben». Diese würden helfen, «Amerikaner zu verteidigen». Spezifischer wurde der amerikanische Heeresminister Dan Driscoll nach seiner Rückkehr aus Kiew.

Vor einem Ausschuss lobte Driscoll das ukrainische Gefechtsführungssystem Delta als technologisch überlegen gegenüber amerikanischen Lösungen. Das System integriere Drohnen, Sensoren und Feuerplattformen in Echtzeit in ein gemeinsames Netzwerk. «Wir haben nichts Vergleichbares», gab Driscoll zu. Amerikanische Truppen würden die ukrainischen Erfahrungen inzwischen systematisch studieren.

Diese Aussagen sind weit mehr als diplomatische Höflichkeiten. Im Fall von Driscoll stammen sie zudem von einem engen Vertrauten des «Ukraine-Hassers» JD Vance. Das zeigt, wie stark sich die Wahrnehmung der ukrainischen Armee innerhalb des amerikanischen Sicherheitsapparats verändert.

Parallel dazu wächst im US-Kongress die Ungeduld. Der republikanische Abgeordnete Don Bacon verurteilte die plötzliche Nichtentsendung von Truppen nach Polen medienwirksam als «törichte, schreckliche Nachricht» und «eine Blamage» für die USA. Federführend ist der ehemalige General aber auch bei einem parlamentarischen Vorgang, der als legislativer Aufstand im US-Kongress bezeichnet werden darf.

Mit einer sogenannten «Discharge Petition» erreichten Unterstützer des Ukraine Support Act vergangene Woche die Marke von 218 Unterschriften – genug, um eine Abstimmung über das Gesetz gegen den Willen der republikanischen Führung zu erzwingen.

Der Ukraine Support Act umfasst unter anderem 9,3 Milliarden Dollar an direkter Militärhilfe sowie Kredite für Waffenbeschaffungen. Damit könnten Luftabwehrsysteme, Drohnen und weitreichende Raketen wieder freigegeben werden.

Die Demokratin Marcy Kaptur würdigte die parteiübergreifende Allianz in einer emotionalen Rede im Repräsentantenhaus: «Die Freiheit der Ukraine und für die Nato steht auf dem Spiel.» Gleichzeitig zeigte sich Kaptur überzeugt, «dass dieses Gesetz in diesem Haus verabschiedet wird».

Selenski ändert seine Taktik gegenüber den USA

Genau darin liegt womöglich die strategisch wichtigste Entwicklung der letzten Tage. Denn Präsident Wolodimir Selenski scheint zunehmend erkannt zu haben, dass sein wichtigster Ansprechpartner in Washington nicht mehr das Weisse Haus ist, sondern der Kongress sowie die traditionellen sicherheitspolitischen Netzwerke der Republikaner.

Bezeichnend dafür war Selenskis Treffen mit Vertretern des konservativen Hudson Institute über Auffahrt in Kiew. In seiner anschliessenden Mitteilung betonte Selenski die gute Zusammenarbeit mit der US-Legislative. Die Amerikaner twitterten ihrerseits: «Das Hudson steht auf der Seite der Ukraine.»

Kiews Strategie ist offensichtlich: Während Trump öffentlich weiter auf geopolitische Grossdeals setzt, versucht die ukrainische Führung abseits des Scheinwerferlichts, im Washington eine zukunftsfähige, parteiübergreifende Koalition aufzubauen.

Andererseits wird die Ukraine nicht mehr als Belastung amerikanischer Macht betrachtet, sondern als militärischer Multiplikator im strategischen Wettbewerb mit Russland und China – was angesichts des amerikanischen Feststeckens im Iran-Krieg von doppelter Bedeutung ist.

Ob aufgrund dieses Drucks von unten tatsächlich eine grundlegende Kursänderung der Trump-Regierung entsteht, bleibt offen. Doch die letzten Tage haben gezeigt, dass die Kräfteverhältnisse in Washington komplexer geworden sind, als es die öffentliche Rhetorik des Präsidenten und seine berüchtigten Putin-Telefonate vermuten lassen. Offenbar trachten immer mehr Republikaner danach, angesichts der sich abzeichnenden Midterms-Schlappe wenigstens auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen. (aargauerzeitung.ch)

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quelle: keystone / bo amstrup
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Die beliebtesten Kommentare
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Bernhard K.
18.05.2026 11:40registriert September 2016
Umso wichtiger deshalb, dass Europa geeint hinter der Ukraine steht und sich nicht wieder hinter den USA verstecken!
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D.Enk-Zettel
18.05.2026 11:38registriert Oktober 2021
Die USA zumindest Teile davon scheinen sich durchaus bewusst zu sein, dass Donyboy nichts anders als ein zunehmendes Kuckucksei im Nest ist. Jetzt bin ich mal gespannt, was die neue Entwicklung in Gang setzen wird.
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Lester
18.05.2026 11:35registriert März 2014
"Kiews Strategie ist offensichtlich: Während Trump öffentlich weiter auf geopolitische Grossdeals setzt, versucht die ukrainische Führung abseits des Scheinwerferlichts, im Washington eine zukunftsfähige, parteiübergreifende Koalition aufzubauen."

Es ist irgendwie schon noch amüsant (und ein wenig erleichternd) zu sehen, dass die rationalen Akteure neue Weg um Trump herum finden. Ob er das merkt (wenn es nicht gerade auf FOX News kommt)?
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