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Interview

«Ich bin so'n klassischer Weggucker»: Moritz Bleibtreu über blutige Obduktionen

Bild: warner bros.
13.10.2018, 23:0014.10.2018, 09:20
Julia Dombrowsky / watson.de

Moritz Bleibtreu ist nicht nur einer der bekanntesten Schauspieler Deutschlands, sondern auch passionierter Blutvermeider, wie er uns erzählt. Tja – blöd nur, dass er sich als Pathologe im neuen Kinofilm «Abgeschnitten» ausgerechnet durch eine Serie Leichen schnippeln muss ...

Worum es im neuen Film geht?

In «Abgeschnitten» spielt Moritz Bleibtreu (an der Seite von Jasna Fritzi Bauer, Lars Eidinger und Fahri Yardim) den Rechtsmediziner Paul Herzfeld, der im Kopf einer Leiche einen Zettel findet. Die Nachricht? Ich habe deine Tochter in meiner Gewalt, ruf nicht die Polizei. Herzfeld wird auf eine makabere Schnitzeljagd geschickt, die ihn bis nach Helgoland führt. Auf dem Weg gilt es, einige Leichen zu obduzieren und sich zu beeilen – denn seine Tochter schwebt in akuter Lebensgefahr. Der Film beruht auf dem gleichnamigen Roman von Sebastian Fitzek.

Der Trailer

watson.de: Du warst doch sicher in der Pathologie, um dich auf deine Rolle vorzubereiten, oder?
Moritz Bleibtreu: Nee. Ich hab's angeboten bekommen, mich aber dann gedrückt. Klar, man sollte wissen, wie die Umgebung riecht und wie man ein Skalpell hält, aber die Notwendigkeit sich sowas komplett anzugucken? Nee, nee. Ich hab da zu sehr Angst, dass ich mir Bilder in meinen Kopf hole, die ich gar nicht haben möchte. Ich weiss aber, dass Enno (Anm. der Redaktion: Co-Star Enno Hesse) sich das angetan hat.

Klar. Gunther von Hagen und Anatomie-Kurse – viele stehen ja scheinbar darauf, sich offene Körper anzusehen.
Total! Das Thema scheint eine grosse Faszination auszuüben, vor allem bei Frauen. Sagen zumindest zahlreiche Studien.

«Ich gehöre da nicht dazu, bin so'n klassischer Weggucker. Bisschen Blut ist OK, aber Grossaufnahmen von Klingen, die ins Fleisch drücken?! Da bin ich weg.»
Moritz Bleibtreu zu watson.de

Dann ist «Abgeschnitten» ja eigentlich nicht der richtige Film für dich.
Yep. Ich muss ehrlich gestehen: So sehr ich weiss, dass das ein hervorragender Thriller ist – ich  wäre selbst nicht das Zielpublikum. Schon nach der Lektüre des Drehbuchs war es mir zu blutig. Da hab ich gedacht: «Oioioi, ob ich das wirklich gucken will?!» Aber Leute, die es mögen, wenn es ein bisschen splatterig ist, die werden es liiieben. Es gab ja vor zehn Jahren den Film «Anatomie» und das war damals auch ein ziemlicher Überraschungserfolg. Komischerweise ist das Genre seitdem nie wieder bedient worden. 

Schön, schön, schön – das Filmfestival Venedig 2018

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Schön, schön, schön – das Filmfestival Venedig 2018
quelle: epa/ansa / claudio onorati
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Bist du denn sonst so ein Krimi-Typ?
Krimi ja. Aber ich bin da eher psychologisch unterwegs. Möglichst ohne Blut.

Was guckst du denn privat? Irgendein Tipp?
Den letzten Film, den ich richtig gut fand, war «Wild River». Der lohnt sich. 

Was Bleibtreu privat schaut:

Das zweite grosse Thema ist ja Selbstjustiz. 
Voll!

Ist Selbstjustiz für dich nachvollziehbar? 
Schwierig ... Das Bedürfnis verstehe ich natürlich. Im Film geht es ja auch um eine extreme Situation, in die Paul da geschmissen wird. Wie man sich da verhalten würde, weiss kein Mensch. Aber Selbstjustiz generell finde ich furchtbar und die darf auch keine Stelle haben in der Gesellschaft, dafür haben wir ja die Judikative. 

Im Film reicht die den Hinterbliebenen aber nicht. 
Tja, das ist ja auch oft im echten Leben so, dass Gerechtigkeit im Sinne des Grundgesetzes nicht unbedingt Befriedigung bedeutet für denjenigen, der will, dass ein Verbrechen gesühnt wird. Juristisches Recht und gefühlte Gerechtigkeit, das sind halt verschiedene Sachen – einigen gehen unsere Strafen nicht weit genug. 

Selbstjustiz und Rache – das gehört zusammen.
Und genau deshalb glaube ich überhaupt nicht an Selbstjustiz. Ganz ehrlich: Ich glaube, Rache ist eine der furchtbarsten Sachen auf der Welt. Ich glaube auch, ohne Rache würde unser Planet ganz anders aussehen. 

«Und wenn Leute sagen: ‹Nichts schmeckt süsser als Rache›, dann denke ich immer: ‹Dann hast du wohl noch nicht so viele Sachen probiert.›»
Moritz Bleibtreu zu watson.de
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