Donald Trump
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Trumps Tweet wurde von Twitter wieder einmal mit einem Warnhinweis versehen. bild: keystone, montage: watson

«Beschützender Glanz»: Trump will nun gegen Coronavirus «immun» sein – Twitter reagiert



Nach seiner Covid-19-Erkrankung ist US-Präsident Donald Trump nach eigenen Angaben nun «immun» gegen das Coronavirus. Die Immunität sei für ihn wie ein «beschützender Glanz», sagte Trump am Sonntag in einem telefonischen Interview mit dem Sender Fox News. Er fühle sich «fantastisch», sagte Trump. Zuvor hatte sein Leibarzt am Samstagabend erklärt, der Präsident sei nicht mehr ansteckend. Trump, der sich bei der Wahl am 3. November um eine zweite Amtszeit bewirbt, plant schon von Montag an wieder grosse Wahlkampfauftritte.

In diesem Telefon-Interview mit Fox News spricht Trump von einem «beschützenden Glanz».

Trumps Arzt Sean Conley erklärte, der jüngste Coronavirus-Test habe nach «gegenwärtig anerkannten Standards» gezeigt, dass der Präsident «kein Übertragungsrisiko für andere mehr darstellt». Trump könne nun, rund zehn Tage nach dem Auftreten erster Symptome, gemäss den Kriterien der Gesundheitsbehörde CDC seine freiwillige Quarantäne beenden, erklärte der Arzt. Die Tests im Verlauf seiner Erkrankung hätten eine stets abnehmende Viruskonzentration gezeigt, schrieb Conley weiter. Dass Trump immun sei oder dass ein Corona-Test beim Präsidenten negativ ausgefallen sei, schrieb er jedoch nicht. Es schien daher wahrscheinlich, dass auch der jüngste Test wegen einer geringen Viruskonzentration immer noch positiv ausgefallen war.

ARCHIV - Sean Conley, Leibarzt des US-Präsidenten Trump, spricht mit Reportern im Walter Reed National Military Medical Center. Nach seiner Covid-19-Erkrankung ist US-Präsident Trump seinem Leibarzt zufolge nicht mehr ansteckend. Foto: Evan Vucci/AP/dpa

Trumps Leibarzt: Sean Conley. Bild: sda

Der 74-Jährige Trump war nach eigenen Angaben am 1. Oktober positiv auf das Coronavirus getestet worden. Das Weisse Haus teilte jedoch nie mit, wann Trumps regelmässige Corona-Tests zuletzt negativ ausgefallen waren. Er erkrankte an Covid-19 und wurde daher ab 2. Oktober drei Tage in einem Militärkrankenhaus behandelt.

Experten gehen davon aus, dass Menschen nach einer Corona-Infektion vermutlich immun sind. Für wie lange und wie absolut ein Schutz existiert, ist aber noch unklar. Das Robert Koch-Institut etwa schreibt dazu: «Unklar ist zum jetzigen Zeitpunkt noch, wie regelhaft, robust und dauerhaft dieser Immunstatus aufgebaut wird.»

«Ich fühle mich fantastisch. Ich fühle mich wirklich gut. Und ich fühle mich sogar gut, weil das Wort Immunität eine Bedeutung hat. Es bedeutet, wirklich einen beschützenden Glanz zu haben.»

Trump nach seiner Covid-19-Erkrankung am Sonntag in einem Telefon-Interview mit Fox News

Trump habe seit «weit mehr als 24 Stunden» kein Fieber mehr, «alle Symptome» hätten sich «verbessert», schrieb Conley. Der Arzt machte am Samstag aber keine Angaben dazu, welche Symptome bei Trump noch in welchem Mass feststellbar waren. Am Mittwoch hatte Conley berichtet, der US-Präsident sei seit mehr als 24 Stunden «frei von Symptomen».

Twitter versah eine Nachricht Trumps zu seiner angeblichen Immunität mit einer Warnung vor Falschinformationen. Der Tweet habe gegen Regeln zur «Verbreitung irreführender und womöglich gesundheitsschädlicher Informationen» beim Thema Covid-19 verstossen, hiess es am Sonntag. Der Tweet war deswegen erst nach einem Klick auf einen Warnhinweis zugänglich und konnte nicht ohne einen eigenen Kommentar der Nutzer weiterverbreitet werden. Trump hatte auf Twitter geschrieben, er sei nun «immun» und könne das Virus «nicht weitergeben».

Im Krankenhaus hatten Ärzte Trump unter anderem das antivirale Medikament Remdesivir, Entzündungshemmer und einen experimentellen Antikörper-Cocktail gegeben. Die aggressive Behandlung liess vielen Experten zufolge - entgegen der Darstellung des Weissen Hauses - auf eine ernstere Erkrankung schliessen.

Trump warb am Sonntag erneut für die Covid-Behandlung mit dem Antikörper-Cocktail der Biotech-Firma Regeneron. Das Medikament sei keine Behandlungsmethode, sondern ein «Heilmittel» und ein «Wunder», das bald allen zur Verfügung stehen solle.

Die von mehreren Herstellern entwickelten Antikörper-Cocktails sind jedoch noch nicht zugelassen und auf absehbare Zeit auch nur in relativ geringer Stückzahl verfügbar. Kritikern zufolge bewirbt Trump das Mittel, um damit vor der Wahl am 3. November vom Versagen seiner Regierung bei der Eindämmung der Pandemie abzulenken.

Trump hatte am Freitag erstmals einen längeren TV-Auftritt absolviert, am Samstag trat er im Weissen Haus erstmals wieder kurz öffentlich auf. Trump sprach dabei von einem Balkon des Weissen Hauses aus zu mehreren Hundert Anhängern, die sich auf dem Südrasen des Geländes versammelt hatten. Sie trugen zumeist Masken, standen aber relativ dicht gedrängt. «Ich fühle mich toll», sagte Trump unter dem Jubel der Anhänger. Der Republikaner warnte eindringlich vor einem Wahlsieg seines demokratischen Herausforderers Joe Biden. Seine Rede blieb mit weniger als 20 Minuten aber ungewöhnlich kurz: Bei solchen Anlässen spricht Trump sehr oft länger als eine Stunde.

A crowd of President Donald Trump supporters gather on the South Lawn to listen to Trump speak Saturday, Oct. 10, 2020, in Washington. (AP Photo/Alex Brandon)
Donald Trump

Bild: keystone

Bidens Programm sei «sozialistisch» oder gar «kommunistisch» und würde das Land in die Krise stürzen, behauptete Trump. Der Präsident liegt in Umfragen gut drei Wochen vor der Wahl allerdings hinter Biden (77), einem früheren Senator und Ex-Vizepräsidenten. Trumps Wahlkampfteam kündigte für Montag, Dienstag und Mittwoch jeweils einen grossen Wahlkampfauftritt des Präsidenten in den bei der Wahl hart umkämpften Bundesstaaten Florida, Pennsylvania und Iowa an.

Trump versprach bei dem Auftritt im Weissen Haus am Samstag erneut, dass die Pandemie bald überstanden sein werde. «Sie verschwindet und die Impfstoffe werden helfen und die Mittel zur Behandlung werden sehr viel helfen», sagte Trump. Das «China-Virus» werde «ein für alle Mal besiegt» werden. Viele Experten halten Trumps Prognosen zur Pandemie aber für viel zu rosig und werfen ihm Versagen vor.

Daten der Universität Johns Hopkins zufolge haben sich in dem Land mit 330 Millionen Einwohnern bislang gut 7.7 Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert, mehr als 214 000 Menschen starben. Zuletzt meldete das CDC wieder mehr als 50 000 Neuinfektionen pro Tag.

Der Streit um ein weiteres Corona-Konjunkturpaket ging unterdessen in die nächste Runde: Die Demokraten im Repräsentantenhaus lehnten einen Kompromissvorschlag der Regierung ab. Der Vorschlag soll ein Volumen von 1.8 Billionen US-Dollar (1.5 Billionen Euro) haben. Die Demokraten hatten zuletzt ein Paket in Höhe von mehr als 2 Billionen Dollar vorgelegt, zudem gibt es viele inhaltliche Streitpunkte.

US-Medien zufolge stiess der jüngste Vorschlag der Regierung auch bei vielen Republikanern im Senat auf Ablehnung. Sie halten das Paket für zu umfangreich. Eine Einigung vor der Wahl schien damit unwahrscheinlich. Der US-Kongress hat seit März bereits Konjunkturpakete in Höhe von rund drei Billionen Dollar auf den Weg gebracht, was gut zehn Prozent der Wirtschaftsleistung entspricht. (sda/dpa)

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