Russland
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epa04337939 Australian and Dutch investigators examine the area of Malaysia Airlines Flight MH17 plane crash site, near the village of Hrabove, 100 km from  Donetsk, Ukraine, 01 August 2014. A group of international experts arrived 01 August at the site of the crash of Malaysia Airlines MH17 in eastern Ukraine after the government halted military operations against Russia-backed rebels. The Dutch government said members of the Organization for Security and Co-operation in Europe (OSCE), as well as Australian and Dutch experts, had reached the scene of the crash, where up to 80 bodies could still be laying. Most of the victims on the plane, which is suspected of having been shot down by rebels on July 17, were Dutch, Malaysian and Australian.  EPA/IGOR KOVALENKO

Ein Polizist vor den Trümmern des abgestürzten MH17 am 17. Juli. Die Ermittlungen sind noch immer im Gange – trotz schwerster Bedingungen. Bild: IGOR KOVALENKO/EPA/KEYSTONE

MH17-Untersuchung im Kampfgebiet

Frust im Trümmerfeld

Die Kämpfe im Osten der Ukraine werden härter, Kiews Armee setzt zum Sturm auf Donezk an. Trotzdem führen internationale Experten ihre Suche im Trümmerfeld von MH17 fort – unter schwersten Bedingungen. 

christian neef, donezk / spiegel online



Ein Artikel von

Spiegel Online

Suche nach Absturzopfern ausgesetzt

Die Suche nach den Opfern des im umkämpften Osten der Ukraine abgestürzten Flugzeugs wird wegen der anhaltenden Kämpfe in der Region ausgesetzt. «Es macht keinen Sinn, unter diesen Umständen mit der Rückführung (der Opfer) weiterzumachen», sagte der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte am Mittwoch in Den Haag. Die Situation verschlechtere sich täglich in der Region. 

sda

Das Radisson-Hotel Park Inn im Stadtzentrum von Donezk, das erste Haus am Platz, liegt jetzt im Kriegsgebiet. Die Mitglieder der OSZE-Mission, die dort untergebracht sind, konnten immer wieder Granatwerfer, Maschinengewehr-Feuer und Kalaschnikow-Salven hören. In der Nacht waren zwei ukrainische Kampfflugzeuge im Tiefflug über die Stadt gejagt, sie hatten eine Autowerkstatt, die den Separatisten als Unterschlupf diente, in Trümmer geschossen. Trotz der Kämpfe machten sich die internationalen Beobachter am Mittwoch wieder auf den Weg zur Absturzstelle der malaysischen Boeing 777. 

Die Arbeit am Trümmerfeld gut 60 Kilometer östlich von Donezk kommt nur schleppend voran. Das bestätigte der Vize-Missionschef der OSZE in der Ukraine, Alexander Hug, Spiegel Online. Der Schweizer hatte am Dienstag mit seinem Team erneut ausländische Experten zur Absturzstelle der malaysischen Maschine gebracht: 45 Niederländer, 28 Australier und zwölf Malaysier. Es war Tag 19 nach dem mutmasslichen Abschuss der Boeing. Fast drei Wochen sind seit der Katastrophe vergangen, aber die Arbeit an der Unglücksstelle ist nicht gerade leichter geworden. 

epa04337949 Australian and Dutch investigators examine the area of Malaysia Airlines Flight MH17 plane crash site, near the village of Hrabove, 100 km from  Donetsk, Ukraine, 01 August 2014. A group of international experts arrived 01 August at the site of the crash of Malaysia Airlines MH17 in eastern Ukraine after the government halted military operations against Russia-backed rebels. The Dutch government said members of the Organization for Security and Co-operation in Europe (OSCE), as well as Australian and Dutch experts, had reached the scene of the crash, where up to 80 bodies could still be laying. Most of the victims on the plane, which is suspected of having been shot down by rebels on July 17, were Dutch, Malaysian and Australian.  EPA/IGOR KOVALENKO

Fast drei Wochen sind seit der Katastrophe vergangen, aber die Arbeit an der Unglücksstelle ist nicht leichter geworden. An manchen Tagen können die Einsatzkräfte kaum mehr als eine Stunde an der Absturzstelle arbeiten – schliesslich befinden sie sich im Kriegsgebiet. Bild: IGOR KOVALENKO/EPA/KEYSTONE

In unmittelbarer Nähe der Absturzstelle wurde geschossen 

Allein die Anfahrt nimmt jetzt etwa zweieinhalb Stunden in Anspruch. «Wir fahren von Donezk nicht Richtung Osten zur Absturzstelle, sondern erst einmal die H20 nach Norden bis Soledar», so Hug. Soledar ist in der Hand der Ukrainer, dort sind die Niederländer, Australier und Malaysier untergebracht. Dann geht es wieder nach Süden durch Niemandsland bis nach Schachtarsk, eine Stadt, in der sich jetzt beide Seiten festgesetzt haben. Und weiter zur Absturzstelle. 

Es ist ein Umweg von vielleicht 160 Kilometern, der aus Sicherheitsgründen aber unumgänglich ist. Fünf Stunden Fahrt stehen dann – wie am Dienstag – sechs Stunden Arbeit im Trümmerfeld gegenüber. Am Vortag waren es nur eineinhalb Stunden, dann musste die Suche wegen der Kampfhandlungen abgebrochen werden. Entgegen der Zusicherung beider Seiten wurde in unmittelbarer Nähe geschossen. 

epa04338053 Pieter-Jaap Aalbersberg, Head of the Recovery Mission speaks during his press statement in Kiev, Ukraine, 01 August 2014. A group of international experts arrived 01 August at the site of the crash of Malaysia Airlines MH17 in eastern Ukraine after the government halted military operations against Russia-backed rebels. The Dutch government said members of the Organization for Security and Co-operation in Europe (OSCE), as well as Australian and Dutch experts, had reached the scene of the crash, where up to 80 bodies could still be laying. Most of the victims on the plane, which is suspected of having been shot down by rebels on July 17, were Dutch, Malaysian and Australian.  EPA/SERGEY DOLZHENKO

Einsatzleiter Pieter-Jaap Aalbersberg an einer Pressekonferenz am 1. August. Bild: SERGEY DOLZHENKO/EPA/KEYSTONE

Gesucht wird gegenwärtig in sechs Abschnitten zwischen den Orten Krasnyj Lutsch, Petropawlowka, Rassypnoje, Moskowskoje und Grabowo. Am Dienstag waren die Experten in fünf Gruppen rund um die Siedlung Petropawlowka im Einsatz, wo sie zuvor aus Sicherheitsgründen nicht arbeiten konnten. 

«Die Kampfhandlungen, das schwierige Gelände mit dem hohen Gras und die unerträgliche Hitze machen uns die Arbeit extrem schwer.»

OSZE-Sprecher Michael Bociurkiw

Jedes Fundstück ist mit einem gelben Punkt markiert 

Leitfaden für die Suche ist eine Karte, die mit Hilfe von Satellitenaufnahmen zusammengestellt wurde. Hug breitet sie in der Hotel-Lobby aus: Jedes auch nur kleine Fundstück ist mit einem gelben Punkt markiert – es sind Hunderte solcher Punkte, die sich über mehr als ein Dutzend Kilometer verteilen – bis an den Dorfrand von Grabowo, wo die schweren Teile der Maschine liegen: Triebwerke, Fahrwerke, Heckteil und eine der Tragflächen. An manchen Stellen finden sich gehäuft Reste des Flugzeugs, in anderen Teilen der Karte wiederum sind nur einzelne Punkte markiert. Der westliche Teil des Trümmerfeldes befindet sich in der Hand der Ukrainer, der östliche liegt im Rebellengebiet. «Die Experten haben in den letzten Tagen erneut auch Leichenreste gefunden – meist Arme oder Schulterteile. Dazu weitere persönliche Sachen der Passagiere», sagt Hug. 

epa04340101 Debris of the Boeing 777 at the Malaysia Airlines Flight MH17 plane crash site, near the village of  Rozsypne in Eastern Ukraine, 03 August 2014. Investigators searched a second site of wreckage from the aircraft in the rebel-controlled region. Both Dutch and Australian forensic experts and police officers worked near the village of Rozsypne.  EPA/Jerry Lampen

Überreste nach dem Absturz. Bild: EPA/ANP

Die ukrainische Armee zieht den Ring um Donezk immer enger 

Wie lange die Suche in den Feldern östlich von Schachtarsk fortgesetzt wird, vermag auch Hug nicht zu sagen. Die Rebellen bestünden darauf, dass die Trümmerteile von internationalen Fachleuten abtransportiert werden. «Danach soll nach Auffassung der Separatisten der gesamte Boden des Gebiets dekontaminiert werden». Welchen Sinn es ergeben sollte, in einem Kriegsgebiet grossflächig Erdschichten abzutragen, erschliesst sich nicht. 

Denn rundherum nehmen die Kämpfe an Heftigkeit zu, die ukrainische Armee zieht den Ring um Donezk immer enger. Hug beobachtete auch gestern grosse Militärkolonnen in dem Gebiet. Die Grenze zu Russland östlich der Absturzstelle von MH17 wird aber weiterhin allein von den Rebellen kontrolliert. Die Ukrainer haben das Gebiet entgegen eigenen lautstarken Versicherungen bislang nicht erobern können. Es bleibt ein potenzielles Einfallstor für Kämpfer und Waffen

Die Arbeiten an der Absturzstelle könnten sich noch Wochen hinziehen, glaubt Hugs Kollege, OSZE-Sprecher Michael Bociurkiw. «Doch nehmen wir jeden Tag als den möglichen letzten. Die Kampfhandlungen, das schwierige Gelände mit dem hohen Gras und die unerträgliche Hitze machen uns die Arbeit extrem schwer.»

epa04337050 Hundreds of people take part in a memorial walk for the victims of MH17 crash in Ukraine in the centre of Maastricht, Netherlands, 31 July 2014. Ukraine's government implemented a one-day ceasefire in its troubled east to allow international experts access to the crash site of Malaysia Airlines flight MH17, according to the country's centre for anti-terror operations. Malaysia Airlines Boeing 777 flight MH17 with more than 280 passengers, including 194 Dutch passengers on board crashed in eastern Ukraine on 17 July.  EPA/MARCEL VAN HOORN

Trauerfeier in Maastricht, Holland. Bild: EPA/ANP

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Ist das Internet noch zu retten?

Als das World Wide Web Anfang der 1990er Jahre das Licht des Tages erblickte, schien ein fast utopisches Zeitalter anzubrechen. Egal, ob arm oder reich, in der Stadt oder auf dem Land, in Europa oder Afrika oder Südamerika: Plötzlich gab es eine Technologie, mit der alles Wissen der Menschheit für alle abrufbar gemacht werden konnte. Dieses fantastische Potenzial des Internets bedeutete eine technologische Revolution, welche die kühnsten Science-Fiction-Träume übertraf.

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