Sport
Fussball

EM in Deutschland – Trams und Bahn sorgen für Ärger bei den Fans

Grosses Chaos rund um EM-Stadien – oder das Märchen der deutschen Effizienz

Die EM in Deutschland macht bislang viel Freude. Für Ärger sorgen einzig Trams, die Deutsche Bahn und lange Schlangen.
18.06.2024, 16:3518.06.2024, 16:35

Fünf Tage ist die Fussball-Europameisterschaft in Deutschland bislang alt und sie hält, was sie versprochen hat. Im Gegensatz zur WM in Katar und der auf dem ganzen Kontinent zerstückelten EM nach der Corona-Pandemie kommt wieder tolle Stimmung auf.

Die Schweizer verwandeln Köln in eine Festhütte. Die Niederländer färben Hamburg «oranje». Die Albaner necken die Italiener mit zerbrochenen Spaghetti und die Slowaken feiern ihren überraschenden Sieg gegen Belgien. Es fühlt sich an wie das erste «echte» grosse Fussballturnier seit langem.

Und trotzdem gibt es in Deutschland ein grosses Ärgernis: der öffentliche Verkehr. Da ist von der sonst so hochgelobten deutschen Effizienz nichts zu spüren. Vor und nach diversen Spielen wurde berichtet, dass insbesondere der öffentliche Nahverkehr überlastet und das Crowd-Management – also die Überwachung und Steuerung der Menschenmassen – gerade um die Stadien mangelhaft war.

Das begann schon beim Eröffnungsspiel in München. Die U-Bahn sei gemäss diversen Medienberichten vollgestopft gewesen und vor dem Stadion sei es zu langen Schlangen gekommen. Gewisse Fans seien stundenlang draussen gestanden.

In Köln kam es vor allem nach dem Spiel der Schweizer Nationalmannschaft gegen Ungarn zu chaotischen Szenen. Das bestätigen auch Mitglieder der watson-Redaktion, die vor Ort waren:

«So wie ich es verstanden habe, gibt es von der Stadt ins Stadion (das sind dann doch etwa acht Kilometer) nur Trams. Zwar gab es eine Menge davon, aber schon beim Hinweg standen diese alle im Stau. Auch beim Rückweg waren sie pumpenvoll. Wir haben dann mehr als eine halbe Stunde lang zwei Elektro-Velos gesucht, die es uns bei einem Anbieter auf der Karte anzeigte. Aber wegen der vielen Sperrzonen wurde das zum Herumirren ums ganze Stadion. Eines davon war dann auch kaputt, aber am Ende fuhren wir trotzdem an all den stauenden Trams vorbei. Ich empfehle daher absolut, sich ein E-Bike zu mieten.»

Ähnliches spielte sich auch beim Spiel zwischen England und Serbien in Gelsenkirchen am Sonntagabend ab. Ein Redaktionsmitglied vor Ort bezeichnete den Zustand als «Katastrophe» – insbesondere nach dem Spiel. Sie seien nach dem Schlusspfiff in eine Beiz gegangen und hätten dann um 2 Uhr morgens ein Taxi ins Hotel genommen.

Englische Fans berichteten gegenüber The Athletic von prekären Zuständen an den Tramstationen: «Wenn du am Rand des Perrons standest, musstest du dein ganzes Körpergewicht einsetzen, damit du nicht auf die Gleise fielst.» Auch später am Hauptbahnhof von Gelsenkirchen hätte Chaos geherrscht. Die Züge der Deutschen Bahn seien gar nicht oder nur verspätet in die umliegenden Städte gefahren.

Noch bitterer verlief die EM-Reise für eine Gruppe von Fans aus Österreich. Wegen einer Baustelle fahren zwischen Passau an der deutsch-österreichischen Grenze und Regensburg keine Züge. Eigentlich sollten Bahnersatzbusse im Einsatz sein, doch auch diese fuhren offenbar nicht, wie die «Bild» berichtet.

Da in der Folge auch weiter Züge ausfielen, verpassten einige Österreicher die Partie mit Spielzeit um 21 Uhr, obwohl sie am Morgen losgereist waren. Eine DB-Sprecherin hatte gegenüber der «Welt» versprochen, dass mit dem Beginn der Fussball-EM die Hauptstrecken des Fernverkehrs «zum grössten Teil voll befahrbar» sein würden. Trotzdem scheint der ÖV auch während des Turniers für viel Ärger zu sorgen.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die besten Bilder der Fussball-EM 2024
1 / 102
Die besten Bilder der Fussball-EM 2024
Spanien jubelt als Europameister! Im Final schlägt die «Furia Roja» England dank eines späten Tors von Mikel Oyarzabal mit 2:1.
quelle: keystone / frank augstein
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Die perfekte Fussballtrainer-Imitation
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Die 7 spannendsten Geschichten in dieser NHL-Saison
In der Nacht auf Mittwoch beginnt die neue NHL-Saison und erneut wird es nicht an spannenden Geschichten mangeln. Wir stellen dir sieben solche Geschichten vor.
General Manager John Chayka juckte es offenbar in den Fingern. Nach einem äusserst aktiven Sommer und dann eher ruhigeren Wochen zum Herbstbeginn zündete er in der Nacht auf Dienstag die nächste Trade-Bombe. Er schickte Matthew Knies (Stürmer, 23 Jahre, 7,75 Mio. Cap Hit), Emil Andrae (Verteidiger, 24, 1,55 Mio.), Steven Lorentz (Stürmer, 30, 1,35 Mio.) und einen Zweitrundenpick zu den Columbus Blue Jackets für Kirill Marchenko (Stürmer, 26, 3,85 Mio.), Miles Wood (Stürmer, 31, 2,5 Mio.) und Elvis Merzlikins (Goalie, 32, 4,428 Mio., weil Columbus 18 Prozent des Lohns weiterhin bezahlt).
Zur Story