Retrospektive Marie José Burki im Kunsthaus in Biel

30.06.17, 10:24

Marie José Burki zeigt im Kunsthaus ihrer Geburtsstadt Biel ihre erste Retrospektive. Zu sehen sind Videos, Fotografien und Arbeiten auf Papier der letzten 22 Jahre. Die Schau «Where was I born and what is my name» dauert vom 2. Juli bis 3. September.

«Un chien sur la route, au passage du promeneur» (2017) heisst die jüngste Videoarbeit, die Marie José Burki unter anderem für das Kunsthaus Biel geschaffen hat. Im Mittelpunkt der drei Projektionsflächen steht eine junge Frau, die im Laufe der fliessenden Zeit immer unwirklicher wird.

Je länger der Besucher die Frau betrachtet, desto mehr verliert er die Orientierung. Ist es nur eine Person, sind es drei? Und welche Rolle spielt die Welt, in der sie sich bewegt, bewegen? Eine Geschichte erzählt die Arbeit nicht, vielmehr dokumentiert sie, dass sich Identität im Zeitfluss laufend verändert. Gefordert ist der Zuschauer, der sich im besten Fall auch selber in Frage stellt.

Idylle und Trostlosigkeit

Mitunter spielt auch die Literatur eine zentrale Rolle im Werk der 1961 geborenen Künstlerin. Im Film «Grosse kleine Welt» (2013) etwa verknüpft sie Sprach- und Bildebene, indem sie Videosequenzen mit dem Text von Robert Walsers gleichnamigem Roman verbindet. Idylle und Trostlosigkeit prallen aufeinander und erzeugen eine Spannung, die für Burkis Videos charakteristisch ist.

In der Ausstellung «Where was I born and what is my name» stark vertreten ist auch die Fotografie. Auch Arbeiten auf Papier haben in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen, wie das Kunsthaus Biel in seiner Vorankündigung schreibt. Sie hätten «ihren untergeordneten Status als Experimente und Vorbereitungsskizzen für Videos verloren».

Die gebürtige Bielerin Marie José Burki lebt in Brüssel und ist zuletzt mit dem ProLitteris-Preis 2017 ausgezeichnet worden. Ihre Arbeiten wurden an grossen Ausstellungen gezeigt, etwa an der documenta IX in Kassel. Die Bieler Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Centre régional de la photographie im französischen Douchy-les-Mines und dem Calouste Gulbenkian Museum in Lissabon.

Gemälde von Rachel Lumsden

Neben Marie José Burki erhält im Kunsthaus Biel auch die in St. Gallen lebende britische Künstlerin Rachel Lumsden eine Plattform. In ihren grossformatigen Gemälden verbindet sie Alltägliches mit Fantastischem, Autobiografisches mit dem kollektiven Unbewussten, so das Kunsthaus. Die Ausstellung mit Werken der letzten zehn Jahre ist Lumsdens bisher umfassendster künstlerischer Auftritt. (sda)

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