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Druck auf Golden Globes wächst: Tom Cruise gab seine Trophäen offenbar zurück

Nachdem die Show in diesem Jahr die niedrigsten Einschaltquoten aller Zeiten erhalten hatte, möchte der Sender NBC die Golden Globes 2022 nicht mehr ausstrahlen. Der Grund für diesen Entscheid ist aber ein anderer.



Mit grossen Stars wie Tom Cruise, Brad Pitt, Meryl Streep und Angelina Jolie trumpfen die Golden Globes gerne auf. Die Gala für die seit 1944 vergebenen Film- und TV-Preise hat lange den Ruf als Hollywoods lockere Trophäen-Party, mit Promis und reichlich Champagner.

Immer wieder gab es auch Kritik an dem kleinen Verband der Auslandspresse mit weniger als 100 Mitgliedern. Vorwürfe wie mangelnde Diversität und fragwürdige Praktiken der wahlberechtigten Journalisten wurden laut. Jetzt eskaliert die Globe-Krise.

Ausgerechnet Globe-Preisträger Tom Cruise (58) hat dem Verband mit einer Protestaktion neue Negativ-Schlagzeilen beschert. Der «Mission Impossible»-Star habe seine drei Globe-Trophäen an die Organisation zurückgegeben, berichteten mehrere US-Medien am Montag übereinstimmend. Cruise hatte die Preise für seine Rollen in «Geboren am 4. Juli» (1990), «Jerry Maguire – Spiel des Lebens» (1997) und «Magnolia» (2000) gewonnen.

Actor Tom Cruise, center, and his mother Mary Lee Mapother arrive at the 66th Annual Golden Globe Awards on Sunday, Jan. 11, 2009, in Beverly Hills, Calif. (AP Photo/Chris Pizzello)

Bild: AP

«Selma»-Regisseurin Ava DuVernay lobte die Aktion umgehend. Mit der Rücksendung habe Cruise ein deutliches Zeichen gesetzt, gegen die «sexistischen, homophoben und rassistischen Praktiken von Ausschliessung, Schikane und Voreingenommenheit» des Verbands Front zu machen, schrieb sie am Montag auf Twitter.

Damit nicht genug: Auch NBC, der Haussender der Globes, welcher die Golden-Globe-Verleihung seit 1996 ausstrahlt, zog am Montag Konsequenzen. Man werde die Globe-Gala im Jahr 2022 nicht auszustrahlen, teilte der Sender mit. Der Globe-Verband HFPA (Hollywood Foreign Press Association) müsse Zeit und Arbeit investieren, um grössere Reformen umzusetzen. Der Sender hoffe aber, die Gala im Januar 2023 nach entsprechenden Veränderungen wieder zu zeigen.

Angesichts des wachsenden Boykotts war die HFPA am Montag um Schadensbegrenzung bemüht. «So schnell und so sorgfältig wie möglich» wolle sie «längst überfällige» Veränderungen durchführen, versprach die Organisation in einer Mitteilung. Es folgte eine Liste mit Eckdaten für die kommenden Monate, etwa: Diversitäts-Berater einstellen, weitere Mitglieder finden, einen neuen Vorstand wählen.

Der HFPA werden unter anderem fehlende Diversität und intransparente Mitgliedschaftskriterien vorgeworfen. Ein zentraler Kritikpunkt: Der Preis-Jury von Auslandsjournalisten gehören keine Schwarzen an. Die knapp 90 Mitglieder hatten bereits in der vergangenen Woche Reformen versprochen, so etwa die umgehende Aufnahme zwanzig neuer Mitglieder, vorrangig Afroamerikaner. Innerhalb von 18 Monaten soll die Zahl der Mitglieder verdoppelt werden. Auch soll es neue Richtlinien geben, etwa in Bezug auf Einladungen zu Filmevents. Die Annahme von Werbegeschenken wäre künftig verboten.

Aber Stars wie Scarlett Johansson und Mark Ruffalo sowie wichtige Firmen in Hollywood kritisierten die angekündigten Neuerungen als unzulänglich. Johansson (36, «Marriage Story») sagte am Samstag, dass sie bei Pressekonferenzen der HFPA häufig sexistische Fragen gestellt bekommen habe. «Das ist exakt der Grund, weshalb ich es seit vielen Jahren ablehne, an deren Konferenzen teilzunehmen», erklärte Johansson bei «Variety».

Netflix und Amazon kündigten an, die Zusammenarbeit mit dem Verband weiter ausgesetzt zu lassen. Auch die «Time's Up»-Organisation gegen Diskriminierung und ein Zusammenschluss von wichtigen PR-Firmen gingen zuletzt auf Abstand.

Die Globe-Absage des Senders NBC am Montag wurde nun von der «Time's Up»-Bewegung als grosser Erfolg gefeiert. «Dies ist ein entscheidender Moment für Hollywood», hiess es in einer Mitteilung. Das gemeinsame Vorgehen gegen die «mächtigen, aber stark fehlerhaften» Auszeichnungen zeige, dass man tatsächlich gerechtere Bedingungen erwirken könne: «In jeder Branche und Einrichtung und quer durch die Gesellschaft». (sda/dpa/cst)

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