So hat David Degen mit seinen Plänen für den FC Basel keine Chance
Nach gut acht Monaten im Amt wurde Stephan Lichtsteiner am Mittwochabend aus seinem Job als Trainer des FC Basel entlassen. Klubpräsident David Degen erklärte den Entscheid mit der mangelnden sportlichen Weiterentwicklung und nicht sichtbaren Aufwärtstendenz auch in der zweiten Saison des 42-jährigen Trainers.
Es ist ein verständlicher Entscheid, hat der FCB doch auch nach einer gesamten Vorbereitung unter Lichtsteiner spielerisch viel zu selten überzeugt. Erst am vergangenen Wochenende wurde bei der 1:3-Niederlage gegen Lugano einmal mehr klar, dass den Baslern zu einem Spitzenklub derzeit einiges fehlt. Das gab auch der nun entlassene Trainer selbst zu.
Der Punkteschnitt von 1,22 Zählern aus 27 Partien sprach ebenfalls gegen Lichtsteiner, der sich mit einer unüberlegten Aussage vor dem Team am Ende selbst den Dolchstoss verpasste. Nachdem er vor den Spielern verkündet hatte, nur noch bis zur Länderspielpause im Amt zu bleiben, war er nicht mehr haltbar.
Dennoch muss sich die Vereinsführung des 21-fachen Meisters nun deutliche Kritik gefallen lassen. Spätestens jetzt ist klar, dass die Entlassung von Ludovic Magnin und vor allem die Einstellung von Lichtsteiner im vergangenen Januar ein grosser Fehler waren. Und dafür muss nach dem Weggang von Sportdirektor Daniel Stucki im Sommer alleine Präsident Degen die Verantwortung tragen.
Dass ein Trainer aus der vierthöchsten Schweizer Liga ohne jegliche Profierfahrung auf diesem Posten verpflichtet wurde, konnte aufgrund der glorreichen Karriere des einstigen Nati-Captains ja noch gerechtfertigt werden. Lichtsteiner war ein Risiko, das sich auch hätte auszahlen können. Den bisherigen Coach vom FC Wettswil-Bonstetten aber mit einem Vertrag über dreieinhalb Jahre auszustatten, war grob fahrlässig. Nicht zuletzt aufgrund der finanziellen Situation des FC Basel, die Degen immer wieder als Grund für seine Strategie angibt.
Die Basler haben aus der Vergangenheit gelernt und wollen kein Geld mehr ausgeben, das sie nicht haben. Dies ist erstmal löblich. Deshalb fährt der Klub unter Degen die Strategie, junge Spieler zu verpflichten, die er später mit Gewinn weiterverkaufen will. So soll der FCB finanziell gesunden und gleichzeitig regelmässig um Titel mitspielen. Namen wie Bénie Traoré, Jonas Adjetey oder Thierno Barry zeigen, dass der Plan funktionieren kann.
Jedoch schadet Degen diesem Vorhaben selbst am meisten. Seit er im Mai 2021 als Präsident übernommen hat, hielt der Klub nur an einem Trainer länger als ein Jahr fest: Fabio Celestini, der den FCB zum Double führte und dann nach Moskau abwanderte. Guillermo Abascal, Alex Frei, Timo Schultz, Ludovic Magnin und Stephan Lichtsteiner bekamen zum Teil nur etwas mehr als eine halbe Saison, um sich zu beweisen.
Der Mangel an Kontinuität auf der Trainerbank schadet der Eingespieltheit des Teams und damit den sportlichen Erfolgschancen neben den vielen Transfers, die mit Basels Strategie einhergehen, zusätzlich. Die Trainerentlassungen sorgen aber auch finanziell für Einbussen. Sobald ein neuer Coach vorgestellt wird, stehen mit Magnin (Vertrag bis 2027) und Lichtsteiner (bis 2029) insgesamt drei Trainer auf der Lohnliste. Das passt nicht zur aktuellen Strategie des FC Basel, der sich dies eigentlich nicht leisten kann und will.
Die nächste Trainerverpflichtung muss also sitzen. Ob es nun Ex-Union-Trainer Nenad Bjelica wird oder ein anderer. Denn wenn David Degens FC Basel die Einnahmen aus Spielerverkäufen regelmässig in Abfindungen für Trainer investieren muss, sind die Pläne des Präsidenten schon von vornherein zum Scheitern verurteilt.
