DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Johann Schneider-Ammann hat Doris Leuthard unter Druck gesetzt.
Johann Schneider-Ammann hat Doris Leuthard unter Druck gesetzt.
Bild: KEYSTONE
Analyse

Wie Schneider-Ammann gerade Doris Leuthards Reise nach New York versaut hat

Mit seinem Rücktritt erhöht der Freisinnige Johann Schneider-Ammann den Druck auf CVP-Bundesrätin Doris Leuthard, ebenfalls abzutreten. Tritt Leuthard nicht ebenfalls bald zurück, hat die FDP bei der Neubesetzung ihres Bundesratssitzes einen entscheidenden Vorteil gegenüber der CVP.
25.09.2018, 14:4916.10.2018, 14:46

Der Wirtschaftsminister ist vorgeprescht: Mit seinem Rücktritt heute Dienstag ist Schneider-Ammann Doris Leuthard (CVP) zuvorgekommen. Die UVEK-Vorsteherin weilt derzeit am jährlichen UNO-Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs in New York. Schneider-Ammann hat sie gemäss eigenen Aussagen am Montag telefonisch über seinen Entscheid informiert.

Nach dem Telefonat dürften sich Leuthards Gedanken im «Big Apple» kaum noch um die grosse Weltpolitik in der UNO drehen, sondern um die eigene Zukunft. Denn Schneider-Ammann hat sie unter Druck gesetzt: Will Leuthard ihrer Partei einen Gefallen tun, muss sie bis zum Beginn der Wintersession am 26. November ebenfalls ihren Rücktritt bekanntgeben. In diesem Falle würden am 5. Dezember die beiden freigewordenen Bundesratssitze neu besetzt.

Region und Geschlecht entscheiden

Und dabei wäre die CVP im Vorteil. Der Grund dafür findet sich in Artikel 133 des Parlamentsgesetzes, welcher die Besetzung von Vakanzen regelt. «Sind mehrere Vakanzen zu besetzen, so ist für die Reihenfolge das Amtsalter der bisherigen Amtsinhaberinnen oder Amtsinhaber massgebend», heisst es dort. Leuthard ist seit 2006 im Amt, Schneider-Ammann hingegen erst seit 2010. Damit würde zuerst der CVP-Sitz neu besetzt, dann jener der FDP.

Und das ist ein Vorteil für die CVP. Das Parlament ist gemäss Verfassung dazu verpflichtet, Rücksicht auf eine «angemessene Vertretung der Landesgegenden und Sprachregionen» zu nehmen. Hinzu kommt natürlich die Geschlechterfrage.

Wer folgt auf Bundesrat Schneider-Ammann?

1 / 13
Wer folgt auf Bundesrat Schneider-Ammann?
quelle: keystone / martin ruetschi
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Da der Deutschschweizer Anspruch auf beide Sitze unbestritten ist, wird das Parlament auf die regionale Herkunft und das Geschlecht der Kandidierenden achten.

Leuthard-Rücktritt würde CVP-Männern helfen

Weil ihr Sitz im Falle eines Doppelrücktritts zuerst neu besetzt würde, hätte die CVP mehr Optionen. Kandidierende sowohl aus der Ost- als auch aus der Zentralschweiz dürften sich Hoffnungen auf den Sprung in den Bundesrat machen. Beide Regionen waren schon länger nicht mehr im Bundesrat vertreten. Beim FDP-Sitz hingegen würden dann die Wahlchancen der Bewerber aus jener Region sinken, die bereits beim CVP-Sitz zum Zug gekommen ist. 

Auch bei der Geschlechterfrage würde die CVP von einem baldigen Rücktritt von Doris Leuthard profitieren – beziehungsweise in erster Linie die CVP-Männer.

Und zwar aus folgendem Grund: Das Parlament kann sich schwerlich erlauben, beide Sitze mit Männern zu besetzen. Dann sässe mit Simonetta Sommaruga bloss noch eine Frau im Bundesrat. Weil man jedoch die heutige Frauenvertretung von zwei Bundesrätinnen auch noch beim FDP-Sitz sicherstellen kann, kommen beim CVP-Sitz auch Männer in Frage.

Folgt auf Leuthard tatsächlich ein Mann, wäre der Druck für eine Frau als Nachfolgerin Schneider-Ammanns riesig: Die männlichen FDP-Papabili würden in diesem Fall wohl leer ausgehen. 

Die lustigsten Auftritte von Bundesrat Schneider-Ammann

Video: watson/nico franzoni

Johann Schneider-Ammann – ein kurzer Rückblick

1 / 13
Johann Schneider-Ammann – ein kurzer Rückblick
quelle: keystone / gian ehrenzeller
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Analyse

Umweltschutz bei der FDP? Von wegen! 7 Beispiele, die das Gegenteil beweisen

Weil die FDP das CO2-Gesetz verwässert hatte, geriet sie in die Kritik. Jetzt betreibt Parteipräsidentin Petra Gössi Schadensbegrenzung: Der Umweltschutz gehöre «zur DNA des Freisinns», liess sie per Interview verlauten. Diese sieben Beispiele zeigen: Davon ist im Parlament kaum etwas zu spüren.

«FDP: Fuck de Planet» – solche Plakate hielten Schülerinnen und Schüler bei den Klimademos der vergangenen Wochen in der ganzen Schweiz in die Höhe. Den Freisinnigen wird vorgeworfen, eine klimafeindliche Politik zu betreiben und sich keinen Deut um die Umwelt zu scheren.

Grund dafür: Das Verhalten der FDP-Fraktion bei der Beratung des CO2-Gesetzes im Nationalrat im Dezember 2018. Sie wollte nichts von einem verbindlichen Reduktionsziel für CO2-Emmissionen im Inland wissen und sprach sich …

Artikel lesen
Link zum Artikel