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«Game of Thrones»

Warum ich bei der inzestuösen Vergewaltigung neben einer Leiche nicht wegschauen konnte

Szenen, in denen Orgien, Gemetzel und Folter gezeigt werden, gehören bei «Game of Thrones» zur Tagesordnung. Und dennoch schaffen es die Produzenten von HBO immer wieder, auch erfahreneren Fans den Atem zu rauben und Kontroversen auf Twitter auszulösen.



«Game of Thrones» (GoT), die US-amerikanische Fantasy-Fernsehserie von David Benioff und D. B. Weiss für den US-Kabelsender HBO, ist die von Kritikern hoch gelobte Verfilmung der Romane «Das Lied von Eis und Feuer» von George R. R. Martin. Das Zeitalter der Geschichte ähnelt dem mittelalterlichen Europa und umfasst drei parallel laufende Handlungsstränge. 

Auf dem Hauptschauplatz, dem Kontinent Westeros, bauen sich zwischen den mächtigsten Adelshäusern des Reiches Spannungen auf, die schliesslich zum offenen Kampf um den Thron führen. Gleichzeitig bahnt sich im Norden des Landes der Winter an. Die Länge der Jahreszeiten sind besonders im nördlichen Teil von Westeros unvorhersehbar und variabel. Ausserdem zeichnet sich eine Gefahr durch eine fremde Rasse ab. Der dritte Handlungsstrang spielt auf dem östlich liegenden Kontinenten Essos, wo Daenerys Targaryen, Nachfahrin der vor Jahren gemeuchelten Königsfamilie, bestrebt ist, wieder an die Macht zu kommen. Der Autor George R. R. Martin beschreibt in den bisher zehn veröffentlichten Romanen neben den zahlreichen Hauptfiguren um die Adelshäuser über 1000 Personen und thematisiert unter anderem Politik, Machtkämpfe, Gesellschaftsverhältnisse und Religion.

Vergangenen Sonntag strahlte HBO die dritte Episode der vierten Staffel aus und entfachte – wie praktisch nach jeder Folge – eine Diskussion im Netz. Der Grund: Bei den Inhalten von «Game of Thrones», aber auch in den Büchern, geht es zur Sache: Sex, Vergewaltigungen, Mord, Krieg, Gemetzel und Folter.

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Die zehn deutschsprachigen Bände entsprechen inhaltlich den ersten fünf englischsprachigen Büchern. Bild: Orell Füssli

Eine vielschichtige Geschichte mit tausend Brandherden – und so beginnt alles (Achtung: Spoiler zur ersten Staffel)

Die erste Staffel beginnt bereits mit einem Machtkampf, bei dem die mächtigen Adelsfamilien Stark, Lannister und Baratheon die wichtigsten Rollen einnehmen. Robert Baratheon, der herrschende König, fragt seinen alten Freund Ned Stark, den Lord des Nordens, ob dieser ihm als rechte Hand des Königs dienen will. Das Oberhaupt des Hauses Stark vermutet, dass sein Vorgänger Jon Arryn, der für Robert und Ned wie ein Ersatzvater war, ermordet worden ist. So stellt sich heraus, dass das Haus Lannister, aus der die Ehefrau Roberts, Königin Cersei, stammt, eigene Pläne verfolgt und vor nichts zurückschreckt. Gleichzeitig planen auf dem östlichen Kontinent Essos die letzten überlebenden Mitglieder der in die Knie gezwungenen Königsfamilie Targaryen die Rückkehr nach Westeros, um wieder an die Macht zu gelangen. Um diesen Plan zu verwirklichen, verbünden sie sich mit den barbarischen Pferdevolk, den Dothraki.

Von oben nach unten. Lord des Nordens: Eddard (Ned) Stark, König von ganz Westeros: Robert Baratheon und der finanzstarke Lord von Casterly Rock: Tywin Lannister  Bild: IMDb

Die Erzähler sind gnadenlos, wie die Geschichte selbst

Die Handlung überrascht stets mit unerwarteten Wendungen. Unter anderem sterben die durch Leser und Zuschauer liebgewonnenen Charaktere innert kürzester Zeit den Serientod – und zwar brutal. So wie gegen Ende der ersten Staffel. Die meisten GoT-Fans hegten insgeheim Sympathien für die Familie Stark. Aus narrativer Sicht völlig verständlich, denn das harmonische Familienbild, die Bodenständigkeit und Zauberhaftes aus dem Norden wie die Schattenwölfe waren vermutlich ausschlaggebend für ihre Popularität. Ned Stark, das Oberhaupt der Familie Stark, war zweifelsfrei ein Held, bis er das Zeitliche segnete: 

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Zu Ehren von Ned Stark wurde in der Türkei sogar eine Traueranzeige aufgegeben. Bild: Dakika

Nach der Hinrichtung des Stark-Oberhauptes tobt zu Beginn der zweiten Staffel im ganzen Reich ein Bürgerkrieg. Der rechtmässige König Robert Baratheon verstirbt nach einem Jagdunfall und seine rechte Hand, Ned Stark, deckt eine unbequeme Wahrheit auf:

Der vermeintliche Nachfahre von Robert Baratheon, Joffrey Baratheon, ist in Wahrheit das Kind der Lannister-Zwillinge Cersei (die Gattin von König Robert) und Jaime. Und somit inzestuös gezeugt.

Nach der Schlacht zwischen Robb Stark und Tywin Lannister. Bild: IMDb

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Stannis und Renly Baratheon. Bild: IMDb

Achtung: Spoiler zur zweiten Staffel

Es herrscht Chaos in den Königsländern: Die leiblichen Geschwister des verstorbenen Robert, Stannis und Renly Baratheon, erheben sich gegen den irrtümlichen Königsnachfolger Joffrey Baratheon, doch sind sich uneinig im Streit um die Frage, wer nun der rechtmässige Nachfolger ihres verstorbenen Bruders ist. Gleichzeitig erklärt sich der Norden unter Robb Stark für unabhängig und führt einen Rachekrieg (wegen der Enthauptung Ned Starks) gegen die Lannisters. Im Norden unternehmen die Männer der Nachtwache eine Expedition in das Land jenseits der Mauer, um die Lage vor Ort aufzuklären. Dort hat sich der neue Anführer der Wildlinge zum König jenseits der Mauer erhoben und stellt eine grosse Gefahr für Jon Snow, dem unehelichen Kind des enthaupteten Ned Stark, und die Nachtwache dar. Währenddessen kämpft jenseits der Meerenge Daenerys Targaryen um ihr Leben und die Zukunft ihrer Gefolgschaft.

Bild: IMDb

Achtung: Spoiler zur dritten Staffel

Das Brutalitätspotenzial der Geschichte zeigt sich besonders in der dritten Staffel, als der von den Starks wie ein Sohn behandelte Theon Greyjoy gefangen genommen und gefoltert wird:

Kaum sind all die den Zuschauern zugemuteten Verluste aus den vorherigen Staffeln verdaut, spielt die Saga den Fans den nächsten Streich. So verdaute das Publikum die Trauer über das frühzeitige Ableben von Ned Stark erst nach einem langatmigen, aber dennoch spannenden Feldzug seines Sohns Robb. Die Rachelust wird von einer Romanze mit einer zu den Starks passenden, bescheidenen Frau geschmückt, die eine perfekte eheliche Partnerschaft verspricht. Diese neue Stark-Dynastie macht Hoffnung und alles scheint sich zum Guten zu wenden, ehe George R. R. Martin die GoT-Fans mit einer herben Klatsche belehrt, sich nicht in hollywoodmässiger Siegessicherheit zu wiegen:

So endet die dritte Staffel und das Publikum ist genötigt, fast ein Jahr auf neue Folgen zu warten. Der Herbst vergeht, der Winter kommt. Der Winter geht vorbei, und mit dem Frühling kommt die vierte Staffel.

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Die Freude stand nicht nur der Crew, sondern auch den Fans ins Gesicht geschrieben. Bild: IMDb

Achtung: Spoiler für die vierte Staffel

Die vierte Staffel sorgte schnell für neue Empörung im Netz. Jaime Lannister vergewaltigte seine Zwillingsschwester Cersei in einer Krypta, in der für den in der vorherigen Episode vergifteten König Joffrey Baratheon eine Totenwache gehalten wurde. Als sei diese Tat nicht ohnehin schon schockierend genug, erinnern sich die Fans daran, dass der königliche Leichnam ja das geheime Inzest-Kind der Zwillinge war. Die Ausstrahlung dieser Szene schien Teile des Publikums zu überfordern: So viel Brutalität und Irrsinn müsse nicht sein, schimpften zarte Gemüter im Netz. Auf Twitter machten Fans ihrer Empörung über die Unmoral Luft. Schon wieder: Nach fast jeder neuen GoT-Folge gibt es inzwischen einen Social-Media-Wirbel. 

Cersei Lannister (links) bei der königlichen Totenwache (Leichnam: Joffrey Baratheon) kurz vor der Vergewaltigung durch ihren Zwillingsbruder Jaime Lannister (rechts). Printscreen: watson/can

Keineswegs zu viel des Guten

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Autor George R. R. Martin der Romane «Das Lied von Eis und Feuer».  Bild: IMDb

Zugegeben, an moralisch Verwerflichem sparen der Autor der Bücher George R. R. Martin und die Filmproduzenten David Benioff und D. B. Weiss nicht. So überfallen Wildlinge ein nördliches Dorf und deren Anführer zwingt ein Kind, die Leichen seiner gerade eben verstümmelten Eltern zu betrachten und sagt: «Ich werde deine Eltern verspeisen». Dieser und ähnliche Skandale werden aber schnell politisch. In der Regel stirbt dann ein Protagonist beim Streben nach Gerechtigkeit, worauf aus dem gängigen Ping Pong des Machtkampfs ein Krieg entfacht. 

Böse Zungen behaupten, dass der Sender HBO die umfangreiche Handlung der Romane mit mehr als 1000 beschriebenen Figuren teilweise zu fest reduziert. Und zwar auf das:

Animiertes GIF GIF abspielen

Gif: watson/can

Doch eben diese Kritiker der vermeintlich überdosierten Unsitte vergessen schnell, oder wissen es vielleicht schlicht und einfach nicht, dass die Buchreihe «A Song of Ice and Fire» (Das Lied von Eis und Feuer) von Autor George R. R. Martin ebenso reich an verstörenden Nebenhandlungen ist. Nur scheint Ungewohntes beim Lesen harmloser zu sein, als wenn es am Bildschirm gezeigt wird.

Es sind gerade die ständigen unvorhersehbaren Wendungen, welche die Anhänger der Serie so schätzen und bei weitem nicht nur der «Sex sells»-Faktor. Es sind schon manche Formate am Versuch gescheitert, langfristige Aufmerksamkeit durch billige Reize zu sichern. Was den «Game of Thrones»-Machern gelingt, ist dem Publikum eine spannende Geschichte zu präsentieren, bei der ein ein interessanter Inhalt plötzlich von einer – wirklich, wirklich, wirklich – unerwarteten Wendung eingeholt wird. Und das macht die Serie so sehenswert und schlussendlich auch so erfolgreich.

Bei so viel Liebeleien verliert man schnell den Überblick: Wer hat mit wem bei GoT?

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Die GoT-Sex-Infografik. Bild: CoolMaterial

Weiterer GoT-Stoff gefällig?

Die aktuelle Staffel endet bestimmt und was dann kommt, ist die lange Wartezeit. Gegen Langeweile können wir unseren Beifang aus dem Internetz empfehlen. Ausserdem laden eine Wiki-Seite (deutsch oder englisch), die alles Wissenswerte zusammenfasst, oder eine interaktive Karte, bei der man den Pfad der wichtigsten Charaktere verfolgen kann, zum Lesen ein. Sogar Abweichungen zwischen Serie und Buch sind aufgeführt.

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7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • mrgoku 24.04.2014 08:19
    Highlight Highlight Eine der geilsten Serien ever ever!
    Zusammen mit Spartacus und Prison Break in den Top 3!
  • Roman Rey 24.04.2014 07:19
    Highlight Highlight Das Hauptproblem an der Szene ist meiner Ansicht nach, dass sie im Buch nicht vorkommt - und der Autor George R. R. Martin nicht einmal gefragt wurde. Die Serien-Autoren haben sich wohl gedacht; der Typ ist so übel, da kommt es auch nicht mehr drauf an, dass er zum Schwestern-Vergewaltiger wird.

    Scheint fast, und das finde ich ziemlich schräg, als habe man bei HBO gedacht: Hm, ein Bruder und eine Schwester, die neben ihrem toten Kind Sex haben, das ist nicht verstörend genug. Da müssen wir noch eins draufsetzen.
    • Philipp Rüegg 24.04.2014 09:19
      Highlight Highlight Ich habe auch ein Interview gelesen, da sagt George relativ eindeutig, dass er davon gewusst hat und sagt sogar, dass im Buch aus der Sicht von Jamie erzählt wird und dieser die Situation einfach anders schildert.

      Echt schwach. Und die Trennung der beiden hätte man ja auch anders in wenig Zeit darstellen können.
    • Christian Schmidt 09.05.2014 14:13
      Highlight Highlight Naja, im Buch ist das Nein seiner Schwester ihm auch vollkommen egal, ebenso, dass sie ihm gegen die Brust trommelt. Sie sagt dann er solle sich beeilen, ob das wirklich plötzliche Lust ist oder nur der Gedanke, dass er besser schnell fertig ist, ist eine andere Frage. ich habe das Buch hier mal zitiert: https://allesevolution.wordpress.com/2014/05/06/game-of-thrones-cersei-jaime-und-vergewaltigung/
  • ⚡ ⚡ ⚡☢❗andre ☢ ⚡⚡ 23.04.2014 23:19
    Highlight Highlight Schämt euch! Eine so spannende Geschichte so zu spoilern! Wem soll das was bringen?!
  • Raffaele Merminod 23.04.2014 21:05
    Highlight Highlight Es ist schlicht eine genial durchdachte Geschichte und so nah an der Realität, wie wir sie aus dem Mittealter, also der eigenen Geschichte kennen.
    Fast nichts ist vorhersehbar.
    Das bisschen Sex stört nicht.

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