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Parade von Rios Sambaschulen endet mit getanzter Kritik



Mit spektakulären Kostümen und Trommelklängen ist in Rio de Janeiro die zweitägige Parade der besten Sambaschulen zu Ende gegangen. Gleich von Beginn weg stand die Parade ganz im Zeichen des Protests an den Zuständen im Land.

Den Anfang machte am Dienstag die berühmte Sambaschule Unidos da Tijuca mit als Quallen verkleideten Tänzern und Sängern, das kritische Schlusslicht der 13 Schulen bildete dann die Formation Beija Flor.

Beija Flor nahm die in Brasilien grassierenden Übel wie Gewalt, Korruption und Intoleranz aufs Korn. Ein als Favela gestalteter Motivwagen zeigte Schiessereien, Geiselnahmen und Raubüberfällen. Eine Leiche lag in einem Sarg mit der Aufschrift «Noch eine verlorene Hoffnung». Etwas weiter verteilten zwielichtige Männer mit von Geldscheinen überquellenden Taschen bündelweise Banknoten.

Mit der gefeierten Dragqueen Pabllo Vittar setzte Beija Flor einen spektakulären Schlusspunkt. Gekleidet in eine Toga in den Regenbogenfarben, tanzte sie auf einem Wagen gegen sexuelle Diskriminierung und andere Formen der Intoleranz an. Jedes Jahr werden über 300 Menschen aus der Homo- oder Transsexuellen-Szene getötet.

Bereits am ersten Tag stand die Parade ganz im Zeichen des Protests. Hauptzielscheibe war Rios Bürgermeister Marcelo Crivella. Er hatte die Karnevalisten mit der Kürzung der Subventionen für die Sambaschulen um die Hälfte in Rage gebracht.

Der für seine ultra-konservativen Ansichten bekannte Politiker, ein ehemaliger evangelikaler Prediger, gilt als prüder Karnevalsmuffel. Auch der unter Korruptionsverdacht stehende rechtskonservative Staatspräsident Michel Temer bekam sein Fett ab.

Gewinner steht am Mittwoch fest

Sambaschulen wählen ihre Themen sorgfältig aus, denn sie müssen nicht nur die rund 72'000 Zuschauer im Sambodrom überzeugen, sondern auch die strengen Juroren. Jede der 13 Formationen wird nach genauen Kriterien beurteilt, darunter die Qualität der Musik, die Gestaltung der Themenwagen, die Choreografie und die Kostüme der Mitwirkenden.

Im vergangenen Jahr endete der prestigeträchtige Wettbewerb mit einem Unentschieden zwischen den Sambaschulen Mocidade und Portela. Der diesjährige Gewinner wird am Mittwoch verkündet.

Der Karneval in Rio de Janeiro lockt alljährlich hunderttausende Touristen an und beschert der dortigen Wirtschaft Milliardeneinnahmen. Manche Sambaschulen werden von der Glücksspielmafia finanziell unterstützt, die meisten Sambaschulen sind aber auf öffentliche Subventionen angewiesen sowie auf Sponsoren. Deren Zahl wird in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise in Brasilien allerdings immer kleiner. (sda/afp)

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