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Dieses Mail schickte SRF-Schmitz im Fall Fischer an den Hockey-Verband

Dieses Mail schickte SRF-Schmitz im Fall Fischer an den Hockey-Verband

10.06.2026, 17:1410.06.2026, 20:59

Der Fall Patrick Fischer dreht sich weiter. Gestern wandte sich der ehemalige Nationaltrainer erstmals seit längerer Zeit an die Öffentlichkeit. Nachdem er aufgrund des Erwerbs eines gefälschten Covid-Zertifikats und der daraus entstandenen Nebenschauplätze (Enthüllung eines zweiten Delikts, Druck von IIHF und IOC) von seinem Amt während der WM-Vorbereitung enthoben wurde, erhob er kurz nach der Weltmeisterschaft schwere Vorwürfe gegenüber dem Schweizer Fernsehen SRF.

Im Gespräch mit dem früheren «Blick»- und «Weltwoche»-Journalisten und heutigen PR-Berater Peter Röthlisberger warf er dem SRF vor, Informationen aus einem vertraulichen Gespräch (off-the-record) veröffentlicht zu haben. Als Beweis dafür las Röthlisberger zwei Aussagen aus einer Mail von SRF-Journalist Pascal Schmitz vor, der an diesem Gespräch beim Mittagessen dabei war. Die Sätze lauteten: «Ich schreibe dir bezüglich unseres ‹Off-the-record›-Gesprächs am Mittagstisch in Altstetten» und «Mir ist die Bedeutung einer ‹Off-the-record›-Vereinbarung sehr bewusst und ich nehme dies ernst.»

Video: watson

Fischer behauptete in diesem Gespräch, dass das SRF eine Vereinbarung gebrochen habe. «Dass dann vom SRF kommuniziert wurde, es sei nie ‹off-the-record› gewesen, das stimmt so einfach nicht», klagte der Zuger.

Das SRF antwortete noch am gleichen Tag auf diese Vorwürfe und schrieb in einem Statement:

«Der Medienchef des Schweizerischen Eishockey-Verbandes wollte im Nachgang zum besagten Mittagessen eine ‹Off-the-record›-Forderung geltend machen. Deshalb kam es zum erwähnten E-Mail-Verkehr zwischen Pascal Schmitz und dem Medienchef. In seiner Antwort hat Pascal Schmitz auf diese nachträgliche Forderung Bezug genommen bzw. den Wortlaut des Verbandes wiedergegeben. Eine vorgängige ‹Off-the-record›-Vereinbarung wurde damit nicht bestätigt. Im gleichen E-Mail hat Pascal Schmitz zudem klargestellt, dass er die Aussagen nicht einfach ignorieren kann und dass er – in Absprache mit der Chefredaktion – Patrick Fischer und dem Verband die Möglichkeit zur Stellungnahme geben will.»

Das Schweizer Fernsehen verzichtete aber darauf, die exakte Mail-Nachricht wiederzugeben. Nun liegt die komplette Nachricht von Schmitz an SIHF-Kommunikationschef Finn Sulzer aber «Schweiz Heute» vor. Der Wortlaut des E-Mails lautet folgendermassen:

«Lieber Finn,

ich schreibe dir bezüglich unseres ‹Off-the-record›-Gesprächs am Mittagstisch in Altstetten, das mich in eine verzwickte Lage gebracht hat. Wie du weisst, wurde dabei ein Thema angesprochen, das für die Öffentlichkeit von grossem Interesse ist. Mir ist die Bedeutung einer ‹Off-the-record-›Vereinbarung sehr bewusst, und ich nehme dies ernst. Als Journalist von Schweizer Radio und Fernsehen trage ich jedoch eine Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit. Ich verstehe es als Verpflichtung, relevante Informationen, die von öffentlichem Interesse sind, zu prüfen und gegebenenfalls zu veröffentlichen.

Die von Patrick erwähnte Verurteilung wegen Urkundenfälschung und die damit verbundene Geldstrafe sind Informationen, die diese Schwelle des öffentlichen Interesses eindeutig überschreiten. Es geht hierbei um die Glaubwürdigkeit einer Person in einer öffentlichen Funktion, auch einer Vorbildfunktion. Mit dem jetzigen Wissen kann ich die ursprünglich geplante Geschichte nicht mehr gleich erzählen. SRF würde in eine unmögliche Position gebracht, wenn der Umstand zu einem späteren Zeitpunkt öffentlich wird und wir im vollen Wissen darum ein Porträt über Rituale und Symbole veröffentlichen, ohne das gefälschte Zertifikat anzusprechen. In Absprache mit der Chefredaktion SRF möchte ich euch daher die Möglichkeit geben, dazu Stellung zu nehmen und eure Sicht der Dinge darzulegen.

Solltet ihr dazu keine Stellung nehmen, behalten wir uns vor, nach anderen Wegen zu suchen, um unserer journalistischen Pflicht nachzukommen.

Ich hoffe auf dein Verständnis für meine Position. Wir können nicht anders.»

Das mag auf den ersten Blick nach einem Widerspruch zum gestrigen SRF-Statement klingen. Auch das volle E-Mail beweist aber nicht, dass im Vorfeld des Gesprächs bereits eine «Off-the-record»-Vereinbarung getroffen wurde. Es ist gut möglich, dass Fischer und Sulzer erst nach dieser Aussage forderten, dass das Gespräch am Mittagstisch vertraulich gewesen sei.

Darauf deutet auch eine Aussage von Fischer aus dem Gespräch mit Röthlisberger hin. Der Ex-Nationaltrainer sagt: «Unser Medienchef hat das sofort ganz klar platziert. Er sagte, es sei logisch, dass dies nicht für die Öffentlichkeit gedacht sei.» Das unterstützt die Aussage des SRF, dass nie eine vorrangige «Off-the-record»-Vereinbarung existiert habe.

Dann behauptet Fischer, Schmitz habe ihm mit dem von «Schweiz Heute» veröffentlichten E-Mail bestätigt, dass die Aussage «off-the-record» geäussert worden sei. Die Formulierung in der Nachricht lässt aber auch die Interpretation zu, dass Schmitz damit nur auf die vom Verband gewünschte Diskretion Bezug nimmt und Fischer und Sulzer erklärt, dass er diesen Wunsch verstehe, das öffentliche Interesse aber überwiege.

Schweiz Heute hat SRF um eine erneute Stellungnahme gebeten, mit der Feststellung, dass es entgegen den ersten Aussagen des Fernsehens doch eine Vereinbarung zwischen Schmitz und Fischer gegeben habe. Das SRF antwortet: «Entscheidend ist nicht, wie ein Journalist einen nachträglichen Wunsch eines Gesprächspartners in einem E-Mail bezeichnet, sondern ob vor dem Gespräch eine gegenseitige Vertraulichkeitsvereinbarung getroffen wurde.»

Das veröffentlichte E-Mail enthalte keinen Hineweis darauf, wann und wie eine solche Verienbarung zustande gekommen sein soll. «SRF hält erneut fest, dass es vor den betreffenden Aussagen keine ‹Off-the-record›-Abmachung gab. Eine ‹Off-the-record›-Vereinbarung muss vorgängig, explizit und gegenseitig erfolgen – das ist ein anerkannter journalistischer Grundsatz. Das war hier nicht der Fall.» Das E-Mail mache zudem deutlich, dass SRF Patrick Fischer und den Verband von Beginn weg darüber informiert habe, dass die Hinweise zum gefälschten Zertifikat journalistische geprüft würden.

Zudem hielt das Schweizer Fernsehen fest, dass es auch nach der Veröffentlichung des E-Mails von Pascal Schmitz keine personelle Konsequenzen ziehen werde. (abu)

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Diese Story wurde nachträglich im Verlauf des Mittwochabends mit einer neuerlichen Stellungnahme des Schweizer Fernsehens ergänzt.
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