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13. AHV-Rente: Dieses Dessert muss bezahlt werden

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13. AHV-Rente: Dieses Dessert muss bezahlt werden

Im Dezember wird die AHV-Zusatzrente erstmals ausbezahlt. Die Finanzierung aber ist in der Schwebe. Ein Kompromiss im Parlament liegt vor, doch die Absturzgefahr bleibt hoch.
11.06.2026, 14:5511.06.2026, 14:55

Für Schweizer Verhältnisse war es ein politisches Erdbeben: Anfang März 2024 wurde die Volksinitiative für eine 13. AHV-Rente klar angenommen. Erstmals überhaupt hatte das Stimmvolk für einen von links geforderten Sozialausbau votiert, gegen den Widerstand von Bürgerlichen und Wirtschaftsverbänden. Sie haben die Niederlage bis heute nicht verdaut.

Dies zeigt der Streit um die Finanzierung, der sich in der laufenden Sommersession der eidgenössischen Räte zum veritablen Showdown zuspitzt. Denn im Dezember wird die Zusatzrente erstmals ausbezahlt, was 4,2 Milliarden Franken kosten wird. Nun liegt eine Mischlösung aus Lohnabzügen und Mehrwertsteuer vor, doch sie könnte auf der Zielgeraden scheitern.

Nationalraetin Tamara Funiciello, SP-BE, Benoit Gaillard, Kommunikation SGB, Pierre-Yves Maillard, Praesident des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes SGB, und Daniel Lampart, Chefoekonom SGB, von link ...
Die linken Befürworter jubelten am 3. März 2024, doch die Finanzierung war schon damals unklar.Bild: KEYSTONE

Der nicht ganz unberechtigte Vorwurf an die Initianten um den Gewerkschaftsbund lautet, sie hätten dem Stimmvolk zu den Kosten dieses AHV-Ausbaus Sand in die Augen gestreut. Die zuständige Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider (SP) schlug im September 2024 eine Erhöhung der Mehrwertsteuer um 0,7 Prozent vor, doch der Gegenwind war massiv.

Bevölkerung gegen Mehrwertsteuer

Das betrifft nicht zuletzt die Bevölkerung. In einer im Februar veröffentlichten «Blick»-Umfrage waren 66 Prozent eher oder klar gegen eine höhere Mehrwertsteuer. Zur Erinnerung: Die 13. AHV-Rente war mit 58 Prozent Ja angenommen worden. Nicht wenige haben somit zum Rentenmenü ein Dessert bestellt, aber sie wollen dafür nicht bezahlen.

Diese Rechnung kann im wahrsten Sinn nicht aufgehen. Im Parlament aber kam es zum Tauziehen zwischen National- und Ständerat. Die grosse Kammer votierte mit den Stimmen von SVP, FDP und GLP für eine Erhöhung der Mehrwertsteuer um 0,5 Prozent, befristet bis 2033. Eine nachhaltige Finanzierung soll in der AHV-Reform 2030 geregelt werden.

Kein echter Kompromiss

Im Ständerat hingegen beschlossen SP, Mitte und Grüne nach einigem Hin und Her eine Mischlösung aus 0,3 Prozent Lohnabzügen und 0,4 Prozent Mehrwertsteuer, und dies unbefristet. Weil beide Räte hart blieben, musste die Einigungskonferenz eingeschaltet werden. Sie entschied sich für 0,2 Prozent Lohnbeiträge und 0,4 Prozent Mehrwertsteuer.

Bundesraetin Elisabeth Baume-Schneider, rechts, spricht zum Beschluss der Einigungskommission fuer die Finanzierung der 13. AHV Rente, an der Sommersession der Eidgenoessischen Raete, am Donnerstag, 1 ...
Elisabeth Baume-Schneider warb im Ständerat für den Vorschlag der Einigungskonferenz.Bild: keystone

Der Begriff «Kompromiss» ist etwas irreführend, denn faktisch blieben die Fronten verhärtet. Weil Mitte-links in der 26-köpfigen Einigungskonferenz in der Mehrheit war, setzte sich die Variante des Ständerats in einer leicht abgemilderten Form durch. Dessen Zustimmung am Donnerstag war Formsache. Der Nationalrat wird am nächsten Mittwoch entscheiden.

Nicht vollständig finanziert

Ist damit alles klar? Keineswegs, denn die Absturzgefahr bleibt hoch. Ein Problem ist, dass die Mischlösung nur 2,5 Milliarden Franken einbringen wird. Die 13. AHV-Rente kann damit nicht vollständig finanziert werden. Zusätzlich müsste der AHV-Ausgleichsfonds «angezapft» werden. Bundesrätin Baume-Schneider warb im Ständerat trotzdem für den Kompromiss.

Doch selbst in den Reihen der Befürworter-Allianz sind nicht alle glücklich damit, wie ein Gespräch mit einem Jungpolitiker zeigte. Er äusserte die nicht unbegründete Befürchtung, dass am Ende die Jungen das Dessert für die Pensionierten bezahlen müssen. Kommt hinzu, dass SVP, FDP und GLP im Nationalrat eine knappe Mehrheit haben.

Einseitig verknüpfte Vorlagen

Die Grünliberalen gelten als potenzielle «Umfaller». Doch am Mittwoch war zu vernehmen, dass sie zumindest bei den Lohnabzügen hart bleiben werden. Ihre einzige Ständerätin, die Zürcherin Tiana Angelina Moser, lehnte sie am Donnerstag ab. Dem Mehrwertsteuer-Teil aber könnte die GLP gemäss dem «Tages-Anzeiger» im Nationalrat zustimmen.

Das ist möglich, denn es handelt sich um zwei separate Vorlagen, die einseitig verknüpft sind: Eine höhere Mehrwertsteuer ohne Lohnbeiträge ist möglich, das Gegenteil jedoch nicht. Unklar ist, wie eine solche Aufspaltung im Ständerat ankommt. Ein Totalabsturz in der Schlussabstimmung am 19. Juni ist keinesfalls ausgeschlossen.

Kippen einige aus der SVP?

Die Hoffnungen von Mitte-links richten sich auf eine Person: Mitte-Nationalrat und Bauernverbandspräsident Markus Ritter. Er soll einige seiner «Schäfchen» aus der SVP für den Vorschlag der Einigungskonferenz gewinnen. Undenkbar ist das nicht: Für die SVP mit ihrem hohen Seniorenanteil ist die Altersvorsorge ein diffiziles Thema.

Rund die Hälfte der SVP-Anhängerschaft hat für die 13. AHV-Rente gestimmt. Es ist deshalb eine realistische Option, dass der Mitte-links-«Kompromiss» die parlamentarische Beratung überstehen wird. Die NZZ beklagte prophylaktisch einen «Raubzug auf die Löhne», doch das ist angesichts eines Abzugs von zwei Promille eine Übertreibung.

Abstimmung im November?

Die nun vorliegende Lösung ist der sprichwörtliche Spatz in der Hand, denn die 13. Rente bleibt wie erwähnt unterfinanziert. Ob sich mit der AHV 2030 eine definitive Regelung ergibt, etwa mit dem von Bürgerlichen und Wirtschaft herbeigesehnten höheren Rentenalter, bleibt eine offene Frage. Das Parlament sollte sie im Interesse der Vernunft unterstützen.

Die wegen der Mehrwertsteuer obligatorische Volksabstimmung könnte am 29. November stattfinden, kurz vor der erstmaligen Auszahlung. Das Timing wäre sinnvoll, denn damit liesse sich dem widerspenstigen Stimmvolk vor Augen führen, dass das von ihm vor bald zweieinhalb Jahren bestellte Dessert irgendwie bezahlt werden muss.

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221 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Wendlewächsler
11.06.2026 15:27registriert Februar 2026
Allso ich lese immer und immer wieder das die Wirtschaft ein höheres Rentenalter herbei wünschen für mich lächerlich denn genau die Wirtschaft ersetzt ältere Arbeitnehmer durch Junge billigere Arbeitskräfte wenn dann Tausende ältere KEINEN Job mehr finden geht denen das am A.....vorbei den dann kommt ein anderes Kässeli zu zug
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H.P. Liebling
11.06.2026 14:59registriert September 2018
3 Wörter: Tax the rich.
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Charlie Brown
11.06.2026 15:12registriert August 2014
Ich weiss, dass ich mir damit keine neuen Freunde schaffe... Aber es wundert mich halt nicht. 2/3 wollen die 13. Rente. Bezahlen will sie niemand so richtig. Wäre die Abstimmung mit der Finanzierung verknüpft gewesen, müssten wir heute nicht darüber diskutieren. Weil sie schlichtweg nicht angenommen worden wäre.
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