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Kein Balkon unterm Matterhorn: «Romeo und Julia am Gornergrat»



Nach dem phänomenalen Erfolg von «The Matterhorn Story» mit 23'500 Zuschauern werden heuer zum zweiten Mal die Freilichtspiele Zermatt durchgeführt: «Romeo und Julia am Gornergrat» ist nicht Shakespeare und auch nicht ganz Gottfried Keller, betont die Regisseurin.

«Wie willst du das denn dort oben auf dem Riffelberg machen mit der Balkonszene?» haben manche Livia Anne Richard gefragt. Dabei basiere die Inszenierung auf Europas höchstgelegener Freilichtbühne gar nicht auf Shakespeare, sondern auf Gottfried Kellers «Romeo und Julia auf dem Dorfe», sagt die Regisseurin im Interview mit der Nachrichtenagentur sda.

Die Geschichte spielt im 19. Jahrhundert in Zermatt, erläutert Richard. Deshalb heissen die Hauptfiguren nicht wie bei Keller Sali Manz und Vrenchen Marti sondern Jakob Zmutt und Maria Brenni. Zmutt und Brenni sind ausgestorbene lokale Familiennamen. Da die Titelfiguren aus Kellers 'Romeo und Julia auf dem Dorfe' Einzelkinder waren, sterben ihre Geschlechter mit ihnen aus. Gesprochen wird übrigens Walliserdeutsch, zur besseren Verständigung werden Szenenbeschriebe in hochdeutsch, französisch sowie englisch abgegeben.

Ursprünglich, so die Regisseurin, sei eine 1:1-Umsetzung von Kellers Novelle geplant gewesen. Aber dann habe sie gemerkt, dass das nicht zum Spielort passt. «Die Symbolsprache der Novelle - beispielsweise die lebendig begrabene Fliege im Puppenkopf - zielt auf den Tod hin, auch auf Enge und Engstirnigkeit. In der Weite der Bergwelt aber geht einem der Geist auf. Und im Gegensatz zum Original, wo das Liebespaar keinen Ausweg mehr sieht, hat man dort oben mit dem Theodulpass den Fluchtweg direkt vor Augen - in den Süden, ans Meer.»

Beim Umschreiben habe sie sich zunächst schwer getan, «ich hatte schlaflose Nächte, aber dann hat mich die Bergwelt inspiriert. Sie hat mir die Geschichte neu geschrieben. Sie ist die Hauptdarstellerin».

Tickets: http://freilichtspiele-zermatt.showare.ch/fsz2017zermatt (sda)

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