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Theater: Schwungvoller „Ueli“ auf dem Ballenberg



Wer kennt ihn nicht, Gotthelfs Ueli, der sich vom armen und liederlichen Knecht zum respektierten Bauern hocharbeitet? Auf dem Ballenberg wird uns der Roman diesen Sommer in einer schwungvollen und unterhaltsamen Inszenierung des Landschaftstheaters dargeboten.

Gotthelf und das Freilichtmuseum Ballenberg ob Brienz – das gefällt dem Publikum. Schon zu «Elsi, die seltsame Magd» (1994) und «Käserei in der Vehfreude» (2000) strömten sie in Scharen und diesmal ist es nicht anders.

Die Präsidentin des Vereins, Elisabeth Zölch, konnte anlässlich der Premiere vom Mittwochabend verkünden, dass alle Aufführungen inklusive Zusatzvorstellung schon Tage vor dem Start ausverkauft waren. Das dürfte auch nächstes Jahr nicht anders sein, denn auf „Ueli der Knecht“ wird „Ueli der Pächter“ folgen.

Und die Inszenierung in der Bearbeitung des Schriftstellers Tim Krohn weiss zu überzeugen. Die bewährte Laientruppe aus der Region am Brienzersee gewinnt der Geschichte neue Facetten ab; wohl nicht von ungefähr wird deutlich herausgearbeitet, wie Ueli zwei Bestechungsversuche abweist. Der eben der Schauspielschule entwachsene Bernhard Schneider agiert als einziger Profi im Ensemble souverän und glaubhaft und lobt die Zusammenarbeit mit den Laien.

Diese erbringen mit ihrer Spielfreude und der ständig wachsenden Erfahrung eine mehr als beachtliche Leistung. Paul Eggenschwiler als Bauer Joggeli ist einfach umwerfend.

Lustvoll gibt er diesen misstrauischen Quertreiber, der Ueli das Leben mit Intrigen mehr als schwer macht. Der neue Meisterknecht „regentet“ ihm zuviel und so verbündet er sich mit den Nichtsnutzen unter den Diensten, um Uelis Autorität zu untergraben.

Liebe mit Hindernissen

Von Anfang an auf Uelis Seite steht neben der Meistersfrau die Magd Vreneli, die Ueli vergeblich die Augen öffnen will, welch schändliches Spiel die Tochter des Hofs mit ihm treibt. Als der hoffärtige Baumwollhändler aus Basel dann Tochter Elisi um den Finger wickelt, weil er den stattlichen Hof im Visier hat, geht Ueli endlich ein Licht auf.

Doch Vreneli macht es ihm nicht leicht. Es möchte nicht einfach Dreingabe sein, als Ueli die Chance bekommt, Pächter auf der Glungge zu werden und meint gar: „Hochzyt ha isch no vil erger als stärbe“, lässt sich aber schlussendlich erweichen.

Die ganze Geschichte vom Reifungsprozess eines Mannes, der anfangs jammert, er solle „nüt weder bös ha“ folgt dem Original, das einiges an Derbheiten bereithält. Es sei nämlich ein Stück Weltliteratur, wie Tim Krohn meint.

Das Regieteam Renate Adam und Regina Wurster setzt diese Vorlage adäquat um. Die Kulisse vor dem Bauernhof aus Madiswil BE aus dem Jahr 1709 ist das Geschenk des Museums für ländliche Kultur, das gekonnt genutzt wird und Atmosphäre schafft. Die Musik von Ben Jeger unterstreicht beklemmende Momente oder lässt Festfreude überquellen.

Im Moment sieht es ganz so aus als ob am 5. Juli 2016, wenn „Ueli der Pächter“ startet, die Plätze auf der 750 Personen fassenden Tribüne bereits sehr rar sein werden.

www.landschaftstheater-ballenberg.ch (sda)

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