International
Kunst

Recherche enthüllt Name von Banksy – deshalb sind viele enttäuscht

Undated photo released by Banksy of the new artwork by the artist which portrays a judge beating a protester with a gavel at the Royal Courts of Justice in London. (Banksy via AP)
Britain Banksy
Ein kontroverses Banksy-Werk am königlichen britischen Gerichtshof in London.Bild: keystone

Das Mysterium Banksy ist wohl gelüftet – deshalb sind viele enttäuscht

Eine Recherche von Reuters hat wohl zutage befördert, wer hinter dem weltbekannten Pseudonym «Banksy» steckt. Doch viele haben keine Freude an der Enthüllung.
15.03.2026, 09:4015.03.2026, 10:34

Er ist eine der bekanntesten und mysteriösesten Figuren der Kunstbranche und erhält mit seinen Graffito-Werken, die oft urplötzlich und an unerwarteten Orten auftauchen, weit über diese hinaus Aufmerksamkeit. Nun haben Reporter der renommierten Nachrichtenagentur Reuters mit einer grossangelegten Recherche wohl herausgefunden, wer hinter dem Pseudonym «Banksy» steckt.

Demzufolge heisst der Künstler mit bürgerlichem Namen Robin Gunningham und ist 1973 in Bristol in Grossbritannien geboren. Später soll er seinen Namen, zwecks erschwerter Nachverfolgung, in den englischen Allerweltsnamen David Jones ändern lassen haben.

Interessant ist: Auch wenn durch den Reuters-Bericht nur noch wenig Zweifel an der Identität von Banksy bestehen – neu ist die Vermutung, dass besagter Robin Gunningham hinter dem weltbekannten Pseudonym steckt, nicht. Bereits 2008 wurde Gunninghams Name von der britischen Zeitung «Mail on Sunday» ein erstes Mal im Zusammenhang mit der Identität Banksys erwähnt. Definitiv beweisen konnte das Blatt seine Angaben nicht.

Und durch die Namensänderung in David Jones, die der Künstler zu jenem Zeitpunkt vorgenommen haben soll, soll es ihm gelungen sein, einer endgültigen Demaskierung zu entgehen. Zwar war sein alter Name bekannt, doch der Künstler selbst schaffte es weiter, über Jahre unerkannt zu bleiben.

Wie kamen die Reuters-Journalisten Banksy nun definitiv auf die Schliche? Laut dem Bericht war eine Ukraine-Reise entscheidend. Im Dezember 2022 tauchten in dem kriegsgebeutelten Land Werke von Banksy auf. In einem Fall, im Dorf Horenka, das ein wenig ausserhalb von Kiew liegt, wurden die Ersteller eines Graffitos von Zeugen beobachtet. Diese berichteten, wie zwei maskierte Personen innert weniger Minuten ein Kunstwerk auf von russischen Bomben zerstörte Ruinen brachten.

epa10347162 People take pictures near a damaged apartment block with a mural by street artist Banksy, depicting a man in a bathtub scrubbing his back with a brush (rear), in Horenka, near Kyiv, Ukrain ...
Der Mann in der Badewanne im zerbombten Haus: Dieses Banksy-Werk tauchte in Horenka in der Ukraine auf.Bild: keystone

Die Reuters-Journalisten konnten die Reise der Sprayer von diesem Zeitpunkt an zurückverfolgen und sie mit weiteren Informationen zu Banksy in Verbindung bringen. Durch weitere Zeugenaussagen und über Verbindungen in die Kunstszene stiessen die Reporter im Zuge dessen auf einen Gerichtsfall aus dem Jahr 2000 in New York – ein ehemaliger Manager Banksys hatte ihnen gesteckt, dass der Künstler einst rechtskräftig verurteilt worden war.

In den unveröffentlichten New Yorker Gerichtsakten wurde ein Mann verurteilt, der ein Werbeplakat verunstaltet hatte. Er gab dies in einem handschriftlichen Geständnis zu – unterschrieben wurde mit dem Namen Robin Gunningham. Laut Reuters stimmten Name, Unterschrift und weitere Angaben mit früheren Hinweisen auf die Identität Banksys überein.

Beim zweiten Ukraine-Sprayer soll es sich mutmasslich um Robert Del Naja gehandelt haben. Der Musiker und Künstler ist Frontmann der Gruppe Massive Attack und wurde früher ebenfalls schon verdächtigt, hinter Banksy zu stecken. Allerdings soll Del Naja lediglich des Öfteren mit Gunningham bei Projekten zusammengearbeitet haben.

epa05427265 British musician Robert del Naja (R) of the British Trip Hop group 'Massive Attack' performs during a concert at the Super Bock Super Rock Festival in Lisbon, Portugal, 15 July 2 ...
Robert Del Naja bei einem Auftritt mit seiner Band.Bild: EPA/LUSA

Banksy, oder eben David Jones oder Robin Gunningham, wollte sich zu dem Bericht nicht äussern. Stattdessen nahm Banksys langjähriger Anwalt Mark Stephens, der als öffentliches Sprachrohr des Künstlers gilt, Stellung wie Vanity Fair berichtet. Laut Reuters wollte Stephens die Veröffentlichung des Artikels verhindern. Er kritisierte den Sinn der Recherche an sich – der Künstler sei dadurch womöglich Bedrohungen ausgesetzt, es sei zwingend notwendig, dass sein wahres Ich der Öffentlichkeit weiter verborgen bleibe. Stephens gab zudem an, dass nicht alle Details in dem Reuters-Bericht korrekt seien.

Laut Stephens diene die anonyme Arbeit Banksys auch gesellschaftlichen Interessen, wie dem Ausdruck der Meinungsfreiheit. Kreative könnten durch Anonymität die Wahrheit aussprechen, ohne dass sie «Vergeltung, Zensur oder Verfolgung» befürchten müssten. Banksys Werke haben immer wieder auch eine politische oder gesellschaftliche Note und weisen manchmal auf Missstände hin. Letztendlich profitiert der Künstler aber auch in finanzieller Hinsicht von dem Mythos, der durch die Anonymität geschaffen wurde.

Die Enthüllung von Reuters stösst auch beim Publikum nicht unbedingt auf positive Resonanz. In den sozialen Medien kritisieren viele, dass Banksy eben gerade so eine starke Wirkung habe, weil er ein Mysterium sei. Wenn dieses nicht mehr bestehe, würde auch die Bedeutung seiner Kunstwerke schwinden, so der Tenor. Viele empfinden die Recherche zudem als unnötig. (con)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Banksy sprayt in Gaza Katzen auf zerstörte Häuser – und lockt Geschäftemacher an
1 / 10
Banksy sprayt in Gaza Katzen auf zerstörte Häuser – und lockt Geschäftemacher an
Der britische Streetart-Künstler Banksy hat heimlich den Gazastreifen besucht. Dort hinterliess er diese Katze, die mit einem rostigen Schrottknäuel «spielt».
quelle: x90014 / suhaib salem
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Neues Banksy-Graffiti entdeckt – wenige Stunden später wird es «zerstört»
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
23 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
P. Etter
15.03.2026 10:19registriert Dezember 2021
Mich nervt an der Sache am ehesten, dass man so viel Effort in die Suche nach jemandem steckte, der eigentlich nur politische Diskussionen anregte.
Jetzt wird er wohl verfolgt und wegen Sachbeschädigung und Vanadlismus angeklagt.
War ja auch viel wichtiger, als die Gräueltaten und die offensichtliche Korruption von gewissen Präsidenten und deren Gefolgschaft zu beweisen.
1747
Melden
Zum Kommentar
avatar
enaff isch enaff
15.03.2026 10:26registriert August 2025
Ich freute mich immer ab dem Schalk dieser subversiven Künstlergruppe, die es immer wieder schaffte der dekadenten (Kunst-)Welt ihren Spiegel vorzuhalten.
Reuters sollte sich was schämen.
1338
Melden
Zum Kommentar
avatar
L.GP
15.03.2026 10:19registriert August 2019
Jup, das war jetzt richtig „guter“ Imvestigativjournalismus!
Interessanter wäre mal herauszufinden zu die Millionen hingekommen sind, die Trump für sei. Projekt „Library“ verblieben sind.
Aber das wäre wohl zu gefährlich und Reuters könnte auch von Bezos und Co übernommen werde .
1034
Melden
Zum Kommentar
23
Israel: Bodentruppen töten Dutzende Hisbollah-Milizionäre
Israelische Bodentruppen haben bei Kämpfen im Südlibanon einem Bericht der Zeitung «Times of Israel» zufolge Dutzende Milizionäre der irantreuen Hisbollah getötet. Das Verteidigungsministerium in Tel Aviv bestätigte den Bericht auf Anfrage. Zudem seien Waffenlager, ein Kommandozentrum und Beobachtungsposten der Hisbollah zerstört worden.
Zur Story