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Interpretieren statt Reden kann einiges zu Bruche gehen lassen.  Bild:kafi freitag

Liebe Kafi – mein Partner und ich sind verlobt und erwarten ausserdem ein Kind. Nun ist es so: Er hat vor ca. 1 1/2 Jahren seine langjährige Partnerin an den Krebs verloren.

28.09.15, 17:28 28.09.15, 19:36

(Wir haben uns in der anschliessenden Therapie kennen und lieben gelernt). Deswegen steht ihm eine Lebenspartnerrente zu, die jedoch erlischt, sobald er wieder heiratet, bzw. eine neue Lebenspartnerschaft eingeht. Nun hat er mir mitgeteilt – für meinen Geschmack etwas zu schnell und einfach – doch nicht heiraten zu wollen, da er ja nur so Anspruch auf das Geld hat. Das hat mich natürlich sehr verletzt, da ihm scheinbar das Geld wichtiger ist als mit mir eine richtige Familie zu gründen (und ausserdem habe ich sowieso ständig Angst, für ihn nur die 2. Wahl zu sein). Mit Rücksicht auf ihn und seine immer noch anhaltende Trauer wage ich es natürlich nicht, ihm dies zu sagen. Aber ich fühle mich im Moment sehr abgeschoben und weiss nicht mehr weiter. Muss ich Angst haben, unsere Beziehung für die nächsten Jahre geheim halten zu müssen, damit sein Anspruch auf die Rente nicht verlorengeht? Zugegeben, wir könnten das Geld gut gebrauchen, mit einem Kind unterwegs und so, aber mir war Geld nie so wichtig, wie glücklich zu sein… Danke dir für deinen Ratschlag! Grüessli Christine, 34

Liebe Christine

Was für eine spannende Frage – vielen Dank dafür! Und herzliche Gratulation zum Kindli!

Als Erstes müssen Sie wissen, dass ich Ihnen sehr gut nachfühlen kann. Wir Frauen sind in dieser Beziehung schon etwas romantischer als viele Männer. Und ich finde das auch vollkommen legitim. Schliesslich war ich auch zweimal aus reinen Liebesdingen verheiratet, wenn ich auch eine neue Liebe vermutlich nicht mehr in diesem Rahmen besiegeln müsste.

Aber mit einem Kind ist es schon was anderes, das verstehe ich. Als ich schwanger war, bin ich in einen totalen Nesttrieb ausgebrochen und musste von einem Tag zum anderen ein grösseres und sichereres Auto haben. Einen ellenlangen Kombi natürlich. Und nein, zur Marke werde ich mich heute nicht äussern, das tut nichts zur Sache. (Andere kleben diese unsäglichen Sticker ans Auto "Kevin an Bord" und wiegen sich damit in der Illusion, dass man deswegen vorsichtiger fährt, als ohne. Als ob der Name Kevin allein nicht schon das Gegenteil bewerkstelligen könnte ...) Ich wollte mich und das Kindli absichern, so gut es nur ging. Am liebsten hätte ich sämtliche Möbel mit Kanten aus dem Haus geworfen. Und den Stromkreis für immer abgestellt. Mir kam nur noch Bio auf den Teller, wo ich heute laut drauf pfeife. Es wurden keine Haare mehr gefärbt und selbst die Socken waren von Hess Natur. Sie sehen selber, ich weiss wirklich, was in Ihnen vorgeht. Der Tanz der Hormone hat mich in einen Zustand versetzt, wo ich und meine Logik in sehr gegensätzliche Richtungen rannten, selbst an sehr guten Tagen.

Eine Heirat ist eine höchst idyllische Form der Absicherung, wenn man eine Familie gründet. Und dennoch nicht die Einzige, schliesslich ist der Staat interessiert daran, Mütter und deren Kinder in ein System der finanziellen Absicherung zu hieven. Und darum werde ich mir jetzt auch noch erlauben, ein paar andere Blickwinkel aufzuzeigen.

Im Moment fühlen Sie sich furchtbar vor den Kopf gestossen. Die Verlobung und dann später die Rücknahme des Versprechens haben Sie verletzt. Das würde vermutlich ganz vielen Menschen so ergehen, wenn nicht sogar allen. Trotzdem hat es auch ganz viel mit Ihrem persönlichen Thema zu tun. Sie schreiben selber, dass Sie sich als 2. Wahl fühlen und ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass da so einiges getriggert wird. Wie würde es sich anfühlen, wenn es genau umgekehrt wäre? Wenn Ihr Partner Sie nicht würde heiraten wollen, damit er mehr Bares auf der Seite hat, um Ihnen und dem gemeinsamen Kind mehr finanzielle Sicherheit zu bieten?

In Ihrem Kopf wird aus dieser Rentengeschichte ein grosses Monster, dass Sie künftig im Keller der Hauses wohnen lässt. Aber das werden Sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht müssen! Diese Vergütungen werden halte einfach nur solange ausbezahlt, bis der Begünstigte sich anderweitig gleichermassen bindet. Das macht aus rechtlicher Sicht absolut Sinn und das richtet sich in keinster Weise gegen Sie.

Mir ist klar, dass es bei Ihnen was ganz anderes auslöst, aber wir wissen beide nicht, was im Kopf Ihres Partners abgeht. Und das finden Sie nur in einem klärenden Gespräch heraus. Ihre Rücksichtnahme im Bezug auf die Trauer in Ehren, aber für mich klingt es eher nach einem guten Vorwand, nicht über die eigenen Gefühle zu reden. Sie beide waren imstande, in dieser Phase der Trauerarbeit ein Kind zu zeugen, dann sollten Sie auch imstande sein, ein Gespräch darüber zu führen. Wenn das nicht möglich ist, dann haben Sie tatsächlich ein Problem, liebe Christine.

Fassen Sie sich ein Herz und reden Sie mit Ihrem Liebsten. Sie werden demnächst ein Kind zusammen haben, mehr Commitment geht eigentlich fast gar nicht, glauben Sie mir. Es ist wichtig, dass Sie diese Dinge aussprechen und zusammen anschauen. Sie müssen detailliert wissen, was es mit dieser Rente und deren Bedingungen auf sich hat. Im Moment spekulieren Sie sich irgendwas zusammen. So geht das nicht! Schliesslich wollen Sie Ihre Zukunft zusammen angehen, da gehören solche Themen einfach dazu. Formulieren Sie auch Ihre Befürchtung, die ewige Nummer 2 zu sein. So hat Ihr Freund die Chance, diese Gefühle aus dem Weg zu räumen. Wir Frauen haben oft den Anspruch, dass man unsere Gedanken lesen kann und immer grad weiss, wie wir uns fühlen. Aber das ist wirklich bitzli zu viel verlangt. Ausformulieren, reden! Sie werden das mit einem gemeinsamen Kind noch sehr oft tun müssen. Starten Sie damit noch heute!

Ganz herzlich. Ihre Kafi.

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Kafi Freitag (40!) beantwortet auf ihrem Blog Frag Frau Freitag Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.

Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (Freitag Coaching) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie lebt mit ihrem 11-jährigen Sohn in Zürich.

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Bild: Kafi Freitag

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13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Sveitsi 01.10.2015 16:03
    Highlight Gute, mit viel Verständnis geschriebene Antwort!
    0 0 Melden
  • tabernac 29.09.2015 09:12
    Highlight Der Witwer erhält solange Unterstützung wie seine Kinder aus der ersten Beziehung unterstützungspflichtig sind. Das bedeutet je nachdem wann sie die Erstausbildung abschliessen, entweder bis zum 18 Altersjahr oder max. bis zum 25 Altersjahr. Somit benötigt er dieses Geld und von einer Bereicherung kann nicht die Rede sein. Ich verstehe die Aufregung hier nicht. Faktenlage ist zu unklar um da einfach so ein Urteil zu fällen.
    11 1 Melden
  • pbs64 28.09.2015 21:46
    Highlight Entscheide Dich. Punkt.
    2 17 Melden
  • koks 28.09.2015 19:33
    Highlight Bei der grossen Mehrzahl der Fälle bezieht nicht ein Mann eine Rente, sondern die Frau. Genau - die Alimente nach der Trennung. Ja bloss nicht offiziell mit dem neuen zusammenziehen, sonst muss der Alte keine Alimente für die Frau mehr bezahlen...
    Dass jetzt ausgerechnet ihr Frauen von 'romantischer Liebe' blabla schreibt, ist schon arge Schwindelei. Statistisch seid ihr Frauen beim Renten und Alimente einkassieren erheblich rationaler und gieriger als Männer. Sorry. Musste gesagt sein.
    20 43 Melden
    • Miicha 28.09.2015 21:48
      Highlight Einkassieren? Mi Verlaub, es ist wohl jeder Frau lieber nicht mehr den Ex angewiesen zu sein. Oftmals kommt Frau jedoch nicht darum herum wenn Kinder im Spiel sind. So einfach wird es Müttern in der Schweiz nicht gemacht zu arbeiten.
      30 7 Melden
    • Macke 30.09.2015 22:50
      Highlight Lieber Koks, bitte denke doch einmal weiter: Wer hat die Gesetze gemacht und verabschiedet, die Alimente und weitere finanzielle Beiträge gewähren? Vorwiegend Männer. Und wenn dir das Thema wirklich so am Herzen liegt, dann engagiere dich. Ich finde es nicht fair, einen solchen Frontalangriff gegen alle Frauen zu fahren, wenn die ursprüngliche Fragestellung doch eine völlig andere war.
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    • Sveitsi 01.10.2015 16:02
      Highlight Uii, da wurde wohl jemand mal bitter enttäuscht...
      4 0 Melden
  • Bruno Wüthrich 28.09.2015 18:08
    Highlight Dass man das Geld gut gebrauchen kann, ist ein Faktor. Doch der gute Mann spielt, vorausgesetzt, er liebt seine Ex-Verlobte, mit dem Feuer. Denn offenbar weiss er nicht, was für ein Glück er hat, eine Frau an seiner Seite zu wissen, der das Geld nicht das Wichtigste ist. Kommt hinzu, dass er wohl immer noch trauert (was ihn ehrt, aber was eben eine Beziehung mit der Zeit auch schwierig machen kann). Ich bin mir fast sicher: Christine ist aus einem besonderen Holz geschnitzt. Ihre Ansprüche liegen nicht beim Geld, aber anderswo. Auch sie müssen erfüllt werden. Sonst kommts nicht gut!
    19 6 Melden
    • Yelina 28.09.2015 23:43
      Highlight Gibt es im Ernst so viele Frauen, die nur aufs Geld aus sein sollen? Wenn ja, versteh ich das echt nicht. Ich wurde zur Selbstverantwortung erzogen und bezahle lieber selbst, als mich aushalten zu lassen. Wenn man so oft solche Kommentare liest, könnte man meinen, die Geldgierigen wären in der Mehrheit und dann fühle ich mich "schubladisiert".
      21 2 Melden
    • Bruno Wüthrich 29.09.2015 10:48
      Highlight Also das mit dem «nur» ist sicher zu hart formuliert. Und wie viele es sind, weiss ich ehrlich gesagt weder in Prozenten noch in absoluten Zahlen. Und dass Mann froh sein kann, wenn Mann nicht an so eine gerät, stimmt nur bedingt, denn es gibt durchaus Männer, die genau das wollen. --- Über die Motive von Christines Ex-Verlobtem und die Hintergründe für dessen Entscheid wissen wir zu wenig, um die Situation einschätzen zu können. Es hört sich einfach hart und kalt an, wenn jemand wegen Geld sein Heiratsversprechen zurück zieht. Aber was so tönt, muss ja nicht zwangsläufig so sein.
      5 1 Melden
  • Miicha 28.09.2015 18:02
    Highlight Und wie so oft kann man die Antwort mit "redet miteinander" zusammenfassen.
    15 4 Melden
    • Lionqueen 28.09.2015 22:46
      Highlight Das Ziel ist es auch nicht eine abschliessende Antwort zu geben, sondern der Fragenden Wege zu öffnen. Kafi ist einfühlsam und hat einen weiteren Blickwinkel präsentiert.
      14 4 Melden
    • Miicha 29.09.2015 13:26
      Highlight Das war keineswegs eine Kritik an Kafi! Mich wundert nur wie wenig Paare miteinander reden.
      17 0 Melden

FRAGFRAUFREITAG

Hallo, wie erklärt man Kindern das Wort Liebe (nicht Sex) im Sinne von geliebt werden? Danke :-) Marisa, 34

Liebe Marisa  Vielen Dank für Ihre Frage, die mich einigermassen erstaunt hat. Weil ich es persönlich so viel einfacher finde, einem Kind die zwischenmenschliche Liebe zu erklären, als das schnöde Bedürfnis, dem anderen etwas reinzustecken, resp. sich etwas reinstecken zu lassen, das bisweilen mit der Liebe einhergeht. Liebe erkennt das Kind, wenn es ihr begegnet. Ein Kind, das in einem halbwegs gesunden Umfeld (gesund im Sinne von unversehrt) aufwächst, erfährt Liebe und wird diese …

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