Doping

Erste positive Proben

Deutsche Biathletin Sachenbacher-Stehle und italienischer Bob-Anschieber mit Doping erwischt

Die Winterspiele von Sotschi haben ihren Dopingskandal. Bei der positiven Dopingprobe aus dem deutschen Team handelt es sich um eine von Biathletin Evi Sachenbacher-Stehle. Auch der italienische Bob-Anschieber William Frullani wurde überführt.

21.02.14, 09:30 21.02.14, 16:43

Das deutsche Olympiateam sieht sich mit einem Dopingfall konfrontiert. Laut der deutschen Nachrichtenagentur (dpa) handelt es sich bei der Betroffenen um die Biathletin Evi Sachenbacher-Stehle.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) bestätigte ein von der Norm abweichendes Ergebnis der A-Probe bei einem deutschen Olympia-Teilnehmer, will aber noch keinen Namen bekanntgeben. Gemäss dem ZDF steht mittlerweile fest, dass auch die B-Probe positiv ausgefallen ist.

Knapp an der Medaille vorbei: Evi Sachenbacher-Stehle verliert Bronze im Massenstart erst im Schlusssprint gegen die Norwegerin Tiril Eckhoff. Bild: EPA

«Ich habe es gerade auf dem Handy gelesen. Und kann es gar nicht glauben», so die erste Reaktion von Biathlon-Teamkollege Arnd Peiffer gegenüber der ARD. Staffel-Schlussläufer Simon Schempp sprach von einem «extremen Schock. Mehr kann ich dazu nicht sagen.» 

Unerwarteter Verzicht auf die Staffel

Noch vor der DPA-Meldung stellte «Focus Online» den Namen der Biathletin Evi Sachenbacher-Stehle in den Raum. Die ehemalige Langläuferin hatte am Montag mit Rang vier im Massenstart verblüfft. Ihr Verzicht auf einen Start in der Staffel heute Nachmittag kam deshalb überraschend. Die Frage, ob es einen Zusammenhang mit dem Dopingfall gibt, habe der DSV unbeantwortet gelassen, schreibt «Focus Online».

Biathlon-Bundestrainer Gerald Hönig begründete gestern den Verzicht auf seine beste Sotschi-Athletin damit, dass «Evi in den meisten Rennen und in der Mixed-Staffel Probleme gehabt hat, sich gut zu konzentrieren.»

ARD-Moderator Gerhard Delling erzählte, was ihm Berufskollegen berichtet hatten. Sie seien gestern Abend Zeuge davon geworden, wie der deutsche Chef de Mission, Michael Vesper, sich mit Sachenbacher-Stehle getroffen habe und diese nach dem Gespräch alles stehen und liegen liess und sich aus dem Staub machte. 

Die 33-jährige Sachenbacher-Stehle war an den Olympischen Spielen von Turin 2006 mit einer fünftägigen Schutzsperre belegt worden, weil ihr Hämoglobinwert zu hoch gewesen war. Begründet wurde dies damals mit der Höhenlage von 1800 Metern, auf der die Wettkämpfe stattfanden.

Aufklärung noch heute Freitag?

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) sei am Donnerstagabend um 21.30 Uhr (Ortszeit) vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) informiert worden, dass die A-Probe eines Sportlers «ein von der Norm abweichendes Ergebnis erbracht» habe, hiess es in einer Mitteilung des Verbandes.

Die Öffnung der B-Probe und die Anhörung vor der IOC-Disziplinarkommission seien noch für den Freitag vorgesehen. Danach werde der deutsche Chef de Mission, Michael Vesper, über den Stand des Verfahrens informieren. «Die Anhörung könnte am Nachmittag oder frühen Abend stattfinden», sagte er in der FAZ.

Vor der Abreise nach Russland hatte Vesper gesagt, er sei sicher, dass die deutsche Equipe sauber an den Start gehen würde. «Absolut, das ist unser Ziel», sagte er damals.

Das IOC plante vor den Olympischen Spielen, in Sotschi die Rekordzahl von 2453 Dopingtestes durchzuführen. Bild: EPA

Auch italienischer Athlet erwischt

In der ARD sprach am Freitagmorgen der sendereigene Dopingexperte Florian Bauer davon, dass schon vor einigen Tagen Informationen über einen möglichen Dopingfall an ihn herangetragen worden seien. «Gestern Abend haben sich die Gerüchte dann verdichtet.» In Sotschi sei die Rede davon, dass es nicht nur den einen, sondern mehrere Dopingfälle geben könnte. «Es könnte nicht nur die Deutschen betreffen», so Bauer.

Dieses Gerücht wurde am Nachmittag bestätigt. Mit William Frullani (34) wurde ein Mitglied des italienischen Viererbobs ebenfalls des Dopings überführt. Die positive Probe (Dymetylpentylamine) stammt vom 18. Februar, als der Italiener im Olympischen Dorf getestet worden war. Der olympische Verband von Italien (Coni) bestätigte gleichzeitig den Ausschluss aus der italienischen Delegation von Frullani.

Beim verbotenen Mittel handelt es sich um eine Stimulanz, das in den letzten Jahren als Substanz vielen Nahrungsergänzungsmitteln illegal zugesetzt wird. Die gesundheitsgefährdenden Präparate werden unter anderem als «Fettburner» und als Produkte zur «Verbesserung der Sauerstoffkapazität bei harten Belastungen» beworben.

Insgesamt plant das IOC in Sotschi bis zur Schlussfeier 2453 Tests, soviele wie noch nie an Winterspielen. Mehr als die Hälfte der Tests werden ausserhalb der Wettkämpfe durchgeführt.

Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
Themen
2
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 21.02.2014 15:41
    Highlight Diese Überschrift ist ist nicht Watson-Würdig. Schlägt so kurz nach dem Start bereits die "Sensation-vor-Realität"-Mentalität durch? Wäre schade.
    Warten wir die B-Probe ab, bevor die Verurteilung ausgesprochen wird.
    Und die Athletin wurde wohl nicht mit Doping (z.B. im Gepäck) erwischt, sondern positiv getestet. Aber solche Schreiberei ist heute wohl bei allen Medien zu tolerieren
    0 0 Melden
  • Grigor 21.02.2014 12:05
    Highlight Wieso suggeriert der Titel, dass die Atlehtin gedopt ist und im Text steht, der Name wurde noch nicht bestätigt? Alle welche nur den Titel lesen (sicher ein paar) verlassen eure Seite mit einer Falschmeldung. Ist das wirklich nötig?
    0 0 Melden

Doku-Filmer will sich zum Test dopen – und gerät an den Chef des russischen Staatsdopings

Grigori Rodschenkow war der Kopf des russischen Staatsdopings. Das wusste der US-Regisseur Bryan Fogel bei seinem ersten Treffen mit dem Wissenschaftler nicht. So wurde seine Dokumentation «Icarus» zur Bühne für einen Verbrecher.

Wer Angst vor Spritzen hat, wird bei diesem Film häufig wegschauen müssen. Wer kein Blut sehen kann, auch. Das gilt allerdings nur für die erste Hälfte der Dokumentation «Icarus» (Netflix, ab dem 4. August) – danach wird man Zeuge, wie der wohl grösste Dopingskandal der Sportgeschichte ins Rollen kommt.

Am Anfang des Films steht die Haute Route, eines der schwersten Radsportamateurrennen der Welt, eine Herausforderung über 800 Kilometer. Steile Anstiege und schwierige Abfahrten machen sie zu …

Artikel lesen