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Gianni Infantino gestures during an interview with Reuters at the UEFA headquarters in Nyon, Switzerland, in this July 5, 2011 file photo. World soccer body FIFA on Wednesday named the seven confirmed candidates vying for the FIFA presidency at a February 26 election. In a statement, Zurich-based FIFA said the candidates proposed were: Prince Ali Bin Al Hussein, Musa Hassan Bility, Jerome Champagne, Gianni Infantino, Michel Platini, Sheikh Salman bin Ebrahim Al Khalifa and Tokyo Sexwale. REUTERS/Ruben Sprich/Files

Wieder ein Walliser an der FIFA-Spitze? Gianni Infantino kandidiert für das Präsidium. 
Bild: RUBEN SPRICH/REUTERS

Die heimliche Sport-Grossmacht Schweiz 

Ein neuer Fussball-Sonnenkönig aus der Schweiz? Das wäre eigentlich logisch. Die Schweiz hat sportpolitisch Weltgeltung.

28.10.15, 18:05 29.10.15, 08:31


Die europäischen Fussball-Nationen schicken Gianni Infantino ins Rennen um die Nachfolge von Fussball-Sonnenkönig Sepp Blatter. Ein Schweizer geht – und möglicherweise wird er durch einen Schweizer ersetzt. Ein Zufall? Ein Kuriosum? Nein. Wieder einmal zeigt sich: Noch ist die Schweiz ein heimliches globales Sport-Imperium. In keinem anderen Bereich haben wir weltweit nach wie vor so viel Macht wie im Sport. Der Sportplatz Schweiz hat eine grössere Bedeutung als der Werk- und Finanzplatz Schweiz.

FIFA President Sepp Blatter leaves after his statement during a news conference at the FIFA headquarters in Zurich, Switzerland, in this June 2, 2015 file photo. Blatter faces a 90 day suspension from football if the governing body's Ethics judge backs a prosecutor's recommendation, a close friend and former advisor to Blatter told Reuters on October 7, 2015. Blatter's long-term confidant Klaus Stoehlker said the decision by judge Hans-Joachim Eckert was expected by October 9. Reuters was unable to confirm the information with FIFA's Ethics Committee or with FIFA itself. REUTERS/Ruben Sprich/Files      TPX IMAGES OF THE DAY

Möglicherweise thront in der FIFA nach Sepp Blatter schon bald ein anderer Walliser. 
Bild: Ruben Sprich/REUTERS

Wir neigen in der Schweiz noch immer dazu, die Bedeutung des Sportes zu unterschätzen. Auch deshalb, weil unsere erfolgreichen internationalen Sportpolitiker den «Heimmarkt» vernachlässigen. Sie sind weltweit und im Sport-Business bestens vernetzt – aber in der helvetischen Politik haben sie weniger Einfluss als die Bienenzüchter. Wer in New York, Moskau, London, Peking und Pretoria ein und ausgeht, mag halt nicht in Bundesbern antichambrieren.

Wie wenig die Sportpolitiker in unserem Land geschätzt werden, zeigt sich an einem Detail: alle Länder statten ihre IOC-Mitglieder mit Diplomatenpässen aus. Nur die Schweiz nicht. Dabei hat die Schweiz im IOC, der Weltregierung des Sportes, fünf Mitglieder. Mehr als jedes andere Land. Mehr als die Deutschen, die Amerikaner, die Russen und die Chinesen.

Der Vatikan des Weltsportes

Unsere Sportpolitiker haben dafür ausserhalb der Landesgrenzen mehr Einfluss als jeder Bundesrat. Die Mächtigen des Sports verfügen über eine eigene Gerichtsbarkeit, regieren über Landes- und Religionsgrenzen hinweg, verschieben Milliarden rund um den Globus und dominieren die TV-Kanäle nach Belieben. Die Titanen des Sports haben heute mehr Strahlkraft und Macht denn je. Das Imperium des Sports ist längst eine Mischung aus Vatikan, Hollywood und Wall Street geworden. Es entzieht sich weitgehend den staatlichen Gewalten und Steuerpflichten, privatisiert die Gewinne und sozialisiert die Kosten, kümmert sich nicht um EU-Vögte und fürchtet nur noch die bissigen US-Staatsanwälte (die aber wie der Teufel das geweihte Wasser) – und wird von der Schweiz aus regiert.

An Olympic flag is pictured flying at half-mast at the International Olympic Committee headquarters in Lausanne January 5, 2015. The IOC President has asked for the Olympic flag to be flown half-mast for three days in tribute to the late IOC Honorary Member He Zhenliang of China, who died on January 4, according to a news release. REUTERS/Denis Balibouse (SWITZERLAND - Tags: OBITUARY SPORT OLYMPICS)

30 internationale Sportverbände haben ihren Sitz in der Schweiz. So auch das Internationale Olympische Komitee in Lausanne. 
Bild: DENIS BALIBOUSE/REUTERS

Warum ist das so? Die Schweizer haben einen Standortvorteil. Die politische Stabilität, die guten Flugverbindungen, die hohe Lebensqualität und die steuerlichen Vorteile machen die Schweiz zum weltweit wichtigsten Standort für Sportorganisationen. So ist Lausanne als Sitz des IOC der Vatikan des Weltsports geworden.

Die internationalen Fachverbände suchen die Nähe dieses Epizentrums. Nicht weniger als 30 internationale Sportverbände haben ihren Sitz in der Schweiz, die meisten in und um Lausanne. Und immerhin sechs davon werden von Schweizern präsidiert. In den Kommandozentralen dieser Verbände arbeitet viel helvetisches Personal – und der Weg ganz nach oben beginnt sehr oft in der Administration. So sind Gian-Franco Kasper und Sepp Blatter ganz nach oben gekommen – und auch Sepp Blatters möglicher Nachfolger kommt aus der Administration des europäischen Kontinentalverbandes UEFA.

Das Gegenstück zu Donald Trump

Diese räumliche Nähe ist einer der Hauptgründe für die Weltgeltung der Schweizer. Ein weiterer ist das Wesen der Schweizer. Wer in unserem Sport eine Rolle spielen will, muss mehrsprachig, diskret, multikulturell und in der Lage sein, die Teutonen der Deutschschweiz und die Welschen auf seine Seite zu ziehen. Der typische Schweizer Sportpolitiker ist so ziemlich exakt und in jeder Beziehung das Gegenstück zu Donald Trump.

UEFA General Secretary Gianni Infantino asks the audience for silence before the draw for the play-off matches for UEFA Euro 2016 at the UEFA headquarters in Nyon, Switzerland, October 18, 2015. The draw will define the four pairings as well as the order of the home-and-away ties. The first legs will be played between 12 and 14 November and the return legs between 15 and 17 November in line with the Week of Football match pattern. REUTERS/Denis Balibouse

Hilft Infantino der Status der Schweiz bei der Wahl zum nächsten FIFA-Präsident?  
Bild: DENIS BALIBOUSE/REUTERS

Wer andere Kulturen versteht, respektiert und um die besonderen Gepflogenheiten weiss, ist im internationalen Streben um Macht und Einfluss immer erfolgreicher als jene, die in einer Monokultur aufgewachsen sind wie die etwa die Amerikaner, die Russen oder die Chinesen. Auch dafür ist Gianni Infantino ein gutes Beispiel. Er spricht sechs Sprachen. Schliesslich und endlich hilft den Schweizern der Status unseres Landes als neutraler Kleinstaat. Sehr oft ist den Grossen ein Schweizer in einer Spitzenposition lieber als einer aus einem anderen, konkurrierenden mächtigen Land.

Der Werk- und Finanzplatz Schweiz ist im 21. Jahrhundert in Bedrängnis geraten. Muss auch der Sportplatz Schweiz in einer globalisierten Welt um seine Bedeutung bangen? Ja. Weil der vorbehaltlose Rückhalt im eigenen Land in der Politik und auch sonst oft fehlt. Gerade das klägliche Scheitern der letzten Olympiakandidatur im eigenen Land oder die Lust, mit der die eigenen globalen Sportfürsten (wie Sepp Blatter) zerpflückt werden, sind bemerkenswert. Wer will, kann dies als Götterdämmerung der Weltgeltung unserer Sportpolitiker deuten. Auch so gesehen wäre eine Wahl von Gianni Infantino zum neuen FIFA-Präsidenten von nicht zu überschätzender Wichtigkeit für den Sportplatz Schweiz.

Tschau Sepp – Blatters Karriere in Bildern

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3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • kEINKOmmEnTAR 28.10.2015 22:21
    Highlight Es gibt aber trotz der Mehrheit auch heute noch Menschen, u.a. mich, die den enormen Vorteil dieser Organisationen sehen und auch wissen diesen zu verteidigen.

    Wie in anderen Kommentaren von mir nachzulesen stand ich stets hinter Joseph Blatter und der Fifa und bin auch heute noch der Meinung dass beide nur das Richtige getan haben. Für uns, für sich und für die Welt.
    3 9 Melden
  • blabla.. 28.10.2015 20:10
    Highlight Die Schweiz mag eine sportpolitische Macht sein, stolz darauf das diese korrupten Organisationen, welche sich nicht um die allgemeinheit scheren hier sind ist jedoch fehl am Platz. Wir sollten uns eher fragen wiso unsere Gesetzte für globale, korupte Organisationen so attrakiv sind und wie wir das beheben..
    6 10 Melden
  • TheRabbit 28.10.2015 19:24
    Highlight An­ti­cham­b­rie­ren - Klaus Zaugg peppt neustens seine Texte mit seltenen Wörtern auf?
    10 1 Melden

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